Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats, dass Moskau nicht beabsichtige, die Kampfhandlungen während möglicher Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts in der Ukraine auszusetzen. Seinen Worten zufolge werde Russland „während der Verhandlungen in irgendeiner Form keine Pause in der besonderen militärischen Operation“ einlegen. Lawrow fügte hinzu, dass nach seiner Einschätzung genau dieses Szenario Europa anstrebe, das seiner Behauptung nach eine „Atempause zur Auffüllung der erschöpften Waffenarsenale des Kiewer Regimes“ benötige.
Aussagen zum ukrainischen Recht
Im Rahmen desselben Vortrags kommentierte der russische Minister auch das innere Recht der Ukraine. Lawrow behauptete, in der Ukraine würden „mit Billigung des Westens“ offenbar Normen gelten, die die Verwendung der russischen Sprache in allen Bereichen des öffentlichen Lebens verböten. Diese Aussage erfolgte im Rahmen der allgemeinen Rhetorik der russischen Seite, die traditionell die sprachliche und kulturelle Komponente des Konflikts betont.
Position der USA und der Ukraine zum Energie-Waffenstillstand
Im Zusammenhang mit Lawrows Aussage äußerte sich am selben Tag US-Außenminister Marco Rubio anders: Seinen Worten zufolge habe Russland Interesse an einem Waffenstillstand mit der Ukraine bekundet, der ein begrenztes Ende der gegenseitigen Angriffe auf Energieobjekte vorsieht. Parallel bestätigte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Bereitschaft Kiews zu einem „Energie-Waffenstillstand“ – die Ukraine sei bereit, Angriffe auf russische Energieobjekte einzustellen, sofern die РФ Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur stoppe. Selenskyj äußerte zudem die Hoffnung, dass der Krieg mit Unterstützung des US-Präsidenten Donald Trump vor dem Winter beendet werden könne.
Widersprüchliche Angaben
Zwischen den Aussagen der Seiten besteht ein direkter Widerspruch. Einerseits erklärte Lawrow öffentlich, dass Russland in keiner Verhandlungsform eine Pause in den Kampfhandlungen einlegen werde. Andererseits habe, so US-Außenminister Marco Rubio, gerade Russland Interesse an einem Waffenstillstand bekundet, der ein begrenztes Ende der Angriffe auf die Energieversorgung einschließe. Damit verneint eine Seite die Bereitschaft zu einer Pause in irgendeiner Form, während die andere behauptet, ein solches Interesse sei bekundet worden. Die unterschiedliche Ausdeutung betrifft auch den Umfang: Es geht entweder um ein vollständiges Fehlen einer Pause oder um einen teilweisen, „energetischen“ Waffenstillstand. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels lag keine unabhängige Bestätigung des konkreten Inhalts der Vereinbarungen zwischen Moskau und Washington zu dieser Frage vor.
Kontext und Bedeutung
Die Gesamtheit der Aussagen zeigt, dass die Frage der Waffenruhe einer der zentralen und widersprüchlichsten Punkte im diplomatischen Prozess rund um die Ukraine bleibt. Die an die Gegenseitigkeit im Energiebereich geknüpfte Position Kiews und die Moskaus Rhetorik, die eine Pause ausschließt, bilden entgegengesetzte Vektoren. Die Ergebnisse der Kontakte zwischen Lawrow und Rubio in New York sowie weitere Signale aus Washington und Brüssel werden bestimmen, ob es gelingt, vor der Winterzeit zumindest ein teilweises Regime der Angriffsunterbrechung auf die Energieinfrastruktur abzustimmen.