Am Abend des 8. September kam es in Lwiw während der Durchführung von Maßnahmen zur Einberufung wehrpflichtiger Personen zu einem Konflikt, an dem Mitarbeiter des TCK, ein Polizist und eine zivile Frau beteiligt waren. In den sozialen Medien verbreitete sich ein Video, auf dem ein Mann in Uniform eine Frau festhält und sie schüttelt, während daneben ein Polizist steht, der versucht, den Soldaten aufzuhalten, indem er ihm auf die Schulter tippt und sagt: „Lass die Frau in Ruhe.“ Der Vorfall ereignete sich gegen 17:00 Uhr. Am Folgetag, dem 9. September, teilte die Polizei der Oblast Lwiw mit, dass ein dienstliches Ermittlungsverfahren gegen den Rechtsschützer eingeleitet wurde, der zur Einberufungsgruppe gehörte.

Version des TCK: „Manipulation“ und aus dem Kontext gerissener Ausschnitt

Das Oblast-TCK Lwiw bezeichnete das verbreitete Video in einer Stellungnahme auf Facebook als „Manipulation“ und behauptete, dass nur ein Ausschnitt in die Öffentlichkeit gelangt sei, der die Folgen und Reaktionen zeige, aber nicht den Beginn des Streits. Laut Version des Militärkommissariats habe der wehrpflichtige Mann bei der Überprüfung seiner Dokumente die Vorlage verweigert und sei in den Eingang eines Wohnhauses geflohen. Die in der Nähe stehende Frau habe, so das TCK, anschließend die Einberufungsgruppe behindert, den Eingang blockiert und gegen die Soldaten Tränengas eingesetzt. „Man zeigt der Öffentlichkeit also nicht die Ursache, sondern die Folge, nicht den Beginn des Konflikts und die Flucht des Bürgers oder die Behinderung rechtlicher Maßnahmen, die Anwendung von Tränengas gegen die Militärangehörigen, sondern nur den Moment, der sich bequem als ‚Militär setzt Gewalt gegen eine Frau ein‘ darstellen lässt“, betonte die Behörde. Dort wurde außerdem darauf hingewiesen, dass keine Meldung über den Vorfall an die Sonderhotline „102“ eingegangen sei und der Streit vor Ort ohne weitere Eskalation beigelegt worden sei.

Polizei beginnt dienstliches Ermittlungsverfahren

Die Polizei der Oblast Lwiw bestätigte am 9. September die Einleitung eines dienstlichen Ermittlungsverfahrens gegen den Rechtsschützer, der zur Einberufungsgruppe gehörte. Die Sonderprüfung soll mögliche rechtswidrige Handlungen oder Unterlassen des Polizisten während des Konflikts bewerten. Je nach Ergebnis der Prüfung werden entsprechende Maßnahmen zugesagt. Bemerkenswert ist, dass in der Stellungnahme des TCK von Offenheit gegenüber der Prüfung der „Handlungen aller Beteiligten des Vorfalls“ die Rede war, während das offiziell eingeleitete Verfahren derzeit genau den Polizisten und nicht den Soldaten betrifft.

Widersprüchliche Angaben

Zwischen den Versionen der Parteien bestehen erhebliche Abweichungen. Einerseits dokumentiert das virale Video den Moment, in dem ein Mann in Uniform physisch auf eine Frau einwirkt – er hält sie fest und schüttelt sie. Andererseits besteht das TCK darauf, dass es sich nur um „Folgen“ und nicht um den Beginn des Konflikts handle, und verweist auf die vorherige Flucht des Wehrpflichtigen sowie die Anwendung von Tränengas durch die Frau gegen die Militärangehörigen. Auch die Beschreibungen der Handlung selbst unterscheiden sich in den verschiedenen Medien: RBC-Ukraine verwendet die Formulierung „schubste“, TSN – „zerrte und warf zu Boden“, Strana – „erwürgte und warf zu Boden“. Keine der Versionen ist durch eine unabhängige Untersuchung bestätigt: Die Polizei ermittelt gegen den Polizisten, nicht gegen den Soldaten, und das TCK beschränkt sich auf eine Erklärung zur „Manipulation“, ohne eigenes Videomaterial oder Beweise für die Anwendung von Tränengas vorzulegen. Damit bleibt das Gesamtbild des Vorfalls bis zum Abschluss der dienstlichen Prüfung unklar.

Kontext: Serie von Vorfällen mit Beteiligung des TCK

Der Vorfall in Lwiw ist kein Einzelfall. Kürzlich wurde einem Militär des TCK in der Oblast Tschernihiw der Verdacht einer brutalen Festnahme eines Zivilisten ausgesprochen, bei der dem Mann der Arm gebrochen wurde. In der Oblast Odessa fuhr ein Fahrer des Bezirks-TCK während der Einberufungsmaßnahmen über einen zweijährigen Jungen; das Kind wurde ins Krankenhaus eingeliefert, und die Polizei leitete ein Strafverfahren wegen des Unfalls ein. Diese Präzedenzfälle schaffen einen beständigen öffentlichen Anspruch auf Transparenz und Rechenschaftspflicht der Mitarbeiter der Militärkommissariate, insbesondere in einer Situation, in der die Einberufungsmaßnahmen in Wohngebieten durchgeführt und häufig von Passanten auf Kameras festgehalten werden.