In der Ukraine haben bereits mehr als zwei Millionen Menschen den Status eines Veteranen, und die Frage, wie sie nach ihrer Rückkehr das Land führen werden, ist nicht mehr theoretisch — ein Teil von ihnen ist längst an der Macht. Ein besonders anschauliches Beispiel ist Taras Sulymko, der Chef der Sokolnytsia-Gemeinde bei Lwiw, der 2014 an die Front ging und dessen Dorf heute im Zentrum des größten städtebaulichen Konflikts im Westen des Landes der letzten Jahre steht. Die Änderungen des Flächennutzungsplans von Sokolnytsia billigte der Gemeinderat am 30. Dezember 2024 an, und seitdem ist diese Geschichte nicht aus der Nachrichtenagenda verschwunden.

Wer ist Taras Sulymko und warum ist sein Fall kein Zufall

Unter den Gemeindechefs ist Sulymko eine Ausnahme. 2014 ging er freiwillig an die Front, diente in der 24. Brigade und kämpfte um den Flughafen Luhansk. Am Weihnachtsfest 2015 schlug seine Einheit einen Angriff bei Krymske in der Oblast Luhansk zurück, woraufhin die Kämpfer eine Belohnung für ihn aussetzten. Nach seiner Rückkehr übernahm er die Leitung des Sokolnytsia-Gemeinderats und gewann 2020 die Wahl zum Chef der vereinten Gemeinde, wobei er die Unterstützung von mehr als der Hälfte der Wähler erhielt. Das Vertrauen in solche Führungskräfte ist hoch: Laut der Studie „Porträt des Veteranen 2025“ vertrauen 92 % den Veteranen des heutigen Krieges. Sulymko hat elf Jahre solcher Führung hinter sich, und genau vor diesem Hintergrund wurde seine Gemeinde zum Schauplatz eines lautstarken Streits.

Flächennutzungsplan für 50.000: Was im Dokument steht und warum es als „Bebauung“ bezeichnet wird

Laut Sulymko ist die Bevölkerung des Dorfes von etwa 8.500 Einwohnern im Jahr 2015 auf rund 10.500 heute gewachsen, wobei ein erheblicher Teil der Einwohner nicht in Sokolnytsia, sondern anderswo registriert ist; seit 2022 kommen weiterhin Vertriebene aus verschiedenen Oblasten in die Gemeinde. Der auf 18 Jahre — bis 2044 — ausgerichtete Flächennutzungsplan sieht ein Fünf-Fach-Wachstum des Dorfes auf 50.000 Einwohner vor: 14 Wohnquartiere, mehr als 13.000 Wohnungen, einen Industriepark sowie Kindergärten, Schulen, eigenes Wasser und Abwasser, Parks und ein Verkehrsrückgrat. Ein Teil dieser Flächen grenzt an die Startbahn des Flughafens „Lwiw“. Gegner nennen das Dokument ein „Bebauungsprojekt“ — eine „Stadt für 50.000 unter der Startbahn“, während Sulymko betont, dass Wohnen nur ein Element der umfassenden Entwicklung der Gemeinde ist.

Gerichtlicher Schlagabtausch: Stadtrat, Flughafen und Oberster Gerichtshof

Der Lwiwer Stadtrat ging vor Gericht: zwei Instanzen lehnten die Prüfung der Klage ab, doch im April wies der Oberste Gerichtshof die Sache zur Sachprüfung zurück. Der Flughafen reichte zunächst eine eigene Klage ein und zog sie nach dem April-Memorandum mit der Oblastverwaltung und dem Sokolnytsia-Gemeinderat zurück, indem er beantragte, seine Klage ohne Prüfung stehen zu lassen. Separat wird der Bezirksrat genannt, wo die Entscheidung über die Änderung der Dorfgrenzen bereits seit mehr als einem Jahr liegt. Damit bleibt die rechtliche Zukunft des Flächennutzungsplans zum Zeitpunkt der Veröffentlichung offen.

Widersprüchliche Daten

In der öffentlichen Debatte haben sich zwei wesentlich unterschiedliche Darstellungen der Sache herausgebildet. Die Befürworter des Flächennutzungsplans, vor allem Sulymko selbst, präsentieren das Dokument als einen strategischen 18-jährigen Entwicklungsplan, in dem der Wohnungsbau nur ein Bestandteil neben Infrastruktur, sozialen Einrichtungen und dem Industriepark ist. Die Gegner, darunter der Lwiwer Stadtrat, beschreiben dasselbe Dokument als „Bebauungsprojekt“ und „Stadt für 50.000 unter der Startbahn“ und betonen die Bedrohung für die Flughafenzone und die Millionenstadt. Außerdem stimmen die Vorstellungen über die rechtliche Kraft des Dokuments nicht überein: Einerseits hat der Gemeinderat den Flächennutzungsplan am 30. Dezember 2024 gebilligt und handelt auf dessen Grundlage, andererseits hat der Oberste Gerichtshof im April die Klage des Stadtrats zur Sachprüfung zurückgewiesen, was bedeutet: Die Rechtmäßigkeit und Anwendbarkeit des Plans sind noch nicht endgültig festgestellt. Beide Versionen wurden in offenen Erklärungen der Parteien dargelegt, und das letzte Wort hat das Gericht.

Sokolnytsia als Testfeld der Dezentralisierung

Innerhalb von zwei Jahren ist der Konflikt über die Grenzen der Oblast Lwiw hinausgewachsen. Um jede große Stadt gibt es Gemeinden, die während der Dezentralisierung nicht in den Kernbereich eingegliedert wurden und nun schneller wachsen als dieser — die Vororte von Kiew haben gezeigt, wie das aussieht, wenn es keinen Plan gibt. Der zuständige Ausschuss der Werchowna Rada untersucht das französische Modell der Agglomerationen, das Ministerium für Regionalentwicklung kündigte eine Überarbeitung der Methodik zur Bewertung der Leistungsfähigkeit der Gemeinden an, und die Logik der Reform selbst beschrieben ihre Urheber von Anfang an als „kein Fisch, sondern eine Angel“: Die Gemeinde sucht selbst den Investor und ist selbst für ihre Entwicklung verantwortlich. Am Beispiel Sokolnytsia sieht man jetzt, was passiert, wenn diese Logik auf die Interessen einer Millionenstadt trifft. Laut Sulymko wachsen die Probleme mit dem Dorf — von Abwasser und Wasserversorgung bis zur Verkehrsanbindung an Lwiw, wo Staus in den Stoßzeiten einen umfassenden Ansatz und die Zusammenarbeit aller angrenzenden Gemeinden erfordern.