Im Internet sind die ersten klaren Bilder eines nicht angekündigten Meta-Geräts mit dem Codenamen Project Phoenix aufgetaucht. Das visuelle Material wurde im aktualisierten Systempaket HorizonOS Prescription Lens gefunden – einer App, die das Unternehmen zur Einstellung von Korrekturlinsen verwendet. Den Renderings zufolge hat Meta den Ansatz zur Ergonomie grundlegend geändert: In der Form kommt die Neuheit massiven Brillen viel näher als den traditionellen VR-Headsets der Quest-Serie, was einen Paradigmenwechsel in der Headset-Linie des Unternehmens markiert.

Wie der Leak zustande kam

Laut RBC-Ukraine, unter Berufung auf HorizonOS Prescription Lens, waren die Bilder des nicht angekündigten Geräts in einem System-Update-Paket eingebettet. Dies ist ein typischer Fall von „Selbstenthüllung“ in der Branche: Das Unternehmen hatte die Renderings nicht öffentlich veröffentlicht, aber sie gelangten in die Distribution, die von Enthusiasten und Fachmedien analysiert wurde. Genau dieser Kanal ermöglichte es, relativ klare visuelle Materialien zu erhalten, statt verschwommener Fotos aus Lieferketten, was das Vertrauen in die Konstruktionsdetails erhöht.

Design: eine Brille, kein Headset

Der wichtigste Unterschied zwischen Project Phoenix und Quest ist der Verzicht auf die sperrige Gesichtsdichtung. Stattdessen wird das Gerät über verstellbare Nasenauflagen am Gesicht gehalten, wie bei einer normalen Brille. Dies verändert das Tragegefühl grundlegend und reduziert das Gewicht auf der Nasenbrücke, was für lange Sitzungen entscheidend ist. Die verteilte Anordnung wird durch ein Kabel bestätigt, das aus dem linken Bügel herausführt: Es verbindet die Brille mit einem externen Rechenblock, in dem Akku und Prozessor untergebracht sind. Dieser Ansatz reduziert die thermische und gewichtsbedingte Belastung des eigentlichen „Rahmens“.

Sensoren, Tracking und Korrekturlinsen

An den Seiten- und Unterseiten der Bügel sind optische Sensoren zu sehen, was auf die aktive Nutzung von Blick- und Gestenerkennungssystemen hindeutet. Die App HorizonOS Prescription Lens, in der der Leak gefunden wurde, zeigt den Prozess des Anbringens magnetischer Korrekturlinsen und deren schnelle Kalibrierung durch das Scannen eines speziellen QR-Codes. Dies deutet darauf hin, dass Meta ein massentaugliches Nutzungsszenario für Menschen mit Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit einplant, ohne dass diese ihre Brille abnehmen müssen.

Widersprüchliche Angaben

Zwischen den Quellen gibt es eine terminologische Uneinigkeit bei der Klassifizierung des Geräts. Die Publikation 3dnews.ru bezeichnet Project Phoenix in der Überschrift als „kompakte AR-Brille“, während in den Materialien von RBC-Ukraine und in der Beschreibung der Konstruktion betont wird, dass die Neuheit ein Mixed-Reality-Gerät mit offener Peripherie ist, das – im Gegensatz zu transparenten AR-Brillen – Gehäuse und Kameras zur Übertragung des Umgebungs-Videostroms in Echtzeit (Passthrough) verwendet. Das heißt, die eine Seite betont die „AR-Kompaktheit“, die andere die hybride MR-Architektur mit Kameras. Eine offizielle Klassifizierung seitens Meta liegt noch nicht vor, daher beschreiben beide Darstellungen verschiedene Aspekte desselben Geräts und keine sich gegenseitig ausschließenden Fakten.

Positionierung und Erwartungen

Es wird angemerkt, dass die Project-Phoenix-Brille als Premium-Gerät mit offener Peripherie entwickelt wird und die Nische leistungsfähigerer Lösungen besetzen soll. Die offizielle Präsentation der Technologie wird auf der jährlichen Meta-Connect-Konferenz erwartet, die am 23. September 2026 beginnt. Bis dahin bleiben alle veröffentlichten Bilder ein Leak und kein offizieller Ankündigung, doch allein die Tatsache ihres Vorhandenseins in der Meta-Systemsoftware macht die Wahrscheinlichkeit einer Vorstellung des Geräts auf der Connect äußerst hoch.