Laut Financial Times, auf die sich RBC-Ukraine beruft, ist Elon Musk bereit, der Ukraine die Nutzung von Drohnen mit Starlink-Terminals für Angriffe auf russische Militärziele in einer Entfernung von bis zu 200 Kilometern von der Grenze zu gestatten. Im Fokus stehen dabei Startanlagen für ballistische Raketen. Die Initiative wurde öffentlich von Präsident Wolodymyr Selenskyj vorgebracht, der sich an Musk wandte und um eine solche Genehmigung bat. Laut Quellen des Blattes hatte der Milliardär dem ukrainischen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow bereits zuvor mitgeteilt, dass er bereit sei, die entsprechende Zustimmung zu erteilen.
Politische Nuance: Die Entscheidung liegt beim Weißen Haus
Die zentrale Einschränkung, die Musk betont, besteht darin, dass die Frage politischer Natur ist und die endgültige Entscheidung im Weißen Haus getroffen werden muss. Selbst bei technischer Bereitschaft von SpaceX kann das Starlink-System daher nicht zur Steuerung von Drohnen außerhalb der Ukraine genutzt werden, ohne dass die US-Regierung dies genehmigt. Die Möglichkeit einer solchen Nutzung hängt im Wesentlichen von zwei Bedingungen ab: der Position Musks und der Entscheidung Washingtons. Auf Anfragen der Financial Times zu Kommentaren reagierten weder SpaceX noch Musk selbst umgehend, und Fedorow lehnte es ab, Details seiner Gespräche mit dem Milliardär preiszugeben.
Forderungen Kiews: Investitionen und „Sprache der Stärke“
Mychajlo Fedorow erklärte, dass die weitere Entwicklung der Reichweitenfähigkeiten der Ukraine einer der wirksamsten Wege sein könnte, Wladimir Putin zum Beenden des Krieges zu bewegen. Dafür seien, so seine Worte, zusätzliche Investitionen in die Bewaffnung nötig: „Wir brauchen mehr Strahldrohnen, wir brauchen günstige Raketen, wir brauchen Raketen mit künstlicher Intelligenz.“ Fedorow betonte zudem: „Man kann mit Putin keinen anderen Dialog führen … Er versteht nur Stärke.“
Widersprüchliche Angaben
Hier gibt es zwei wesentliche Ungereimtheiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens hatte die Ukraine zuvor bereits mit Donald Trump und Elon Musk über die Möglichkeit der Nutzung von Starlink auf russischem Gebiet zu Verteidigungszwecken verhandelt, wobei sich Musk damals gegen eine solche Variante aussprach. Die aktuelle Meldung über seine Bereitschaft bedeutet faktisch eine Positionswende, die jedoch weder von Musk noch von SpaceX öffentlich bestätigt wurde. Zweitens stützt sich die gesamte Information auf einseitige Quellen der Financial Times und die Wiedergabe durch RBC-Ukraine: Weder das Unternehmen noch der Milliarder kommentierten die Veröffentlichung, und Fedorow gab keine Details des Gesprächs preis. Bis zu einer offiziellen Bestätigung durch SpaceX und das Weiße Haus bleiben die Angaben daher auf dem Niveau eines Leaks und nicht eines bestätigten Faktums.
Kontext: Von Verhandlungen zur Bereitschaft
Es geht um die Erweiterung der Geografie der Starlink-Nutzung über das ukrainische Territorium hinaus – zur Steuerung von Drohnen, die in der Lage sind, Ziele auf russischem Gebiet zu treffen. Wenn die Genehmigung erteilt wird, wäre dies ein Präzedenzfall für die Nutzung kommerzieller Satellitenkommunikation zur direkten Kriegsführung gegen Drittstaaten. Vor dem Hintergrund der Aussagen Kiews über die Notwendigkeit „günstiger Raketen“ und „Raketen mit KI“ wird die Frage Teil einer breiteren Debatte darüber, welche Mittel und in welchem Umfang Washington bereit ist, der Ukraine zur Verfügung zu stellen, und wie weit Musk bereit ist, seine Infrastruktur an militärische Operationen zu binden, die der politischen Genehmigung des Weißen Hauses bedürfen.