Der ukrainische Ministerrat hat einen Gesetzentwurf vorbereitet, der eine Überarbeitung der Besteuerungsregeln für den elektronischen Handel und den Import von Waren in internationalen Post- und Expresssendungen vorsieht. Die zentrale Neuerung des Dokuments ist die Erhebung der Mehrwertsteuer (MwSt) für Bestellungen, die über elektronische Schnittstellen aufgegeben werden und einen Betrag von bis zu 150 Euro betragen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf den Text des Gesetzentwurfs, der auf der offiziellen Website der Werchowna Rada veröffentlicht wurde. Die Initiative betrifft genau den grenzüberschreitenden Einzelhandel, bei dem der Käufer eine Bestellung auf einer ausländischen Website aufgibt und die Ware per Post oder Kurierdienst in die Ukraine geliefert wird.
Der Kern der Änderungen: MwSt auf Bestellungen bis 150 Euro
Gegenwärtig werden Pakete geringen Werts, auch aus dem Ausland, häufig ohne vollständige MwSt-Erhebung auf der Ebene des grenzüberschreitenden elektronischen Handels abgewickelt. Das neue Dokument führt einen Mechanismus ein, bei dem die Steuer für Bestellungen, die über elektronische Plattformen aufgegeben werden und einen Betrag von bis zu 150 Euro betragen, berechnet und kontrolliert wird. Dies erweitert de facto die Steuerbasis um einen Segment, der zuvor in einer „grauen“ oder vereinfachten Zone lag. Für Logistik- und Postbetreiber, über die solche Sendungen abgewickelt werden, bedeutet dies die Notwendigkeit, auf Ebene jeder einzelnen Bestellung mit dem Steueramt zusammenzuarbeiten und nicht nur auf Ebene der Zollabwicklung großer Partien.
Harmonisierung mit dem EU-Recht und Verpflichtungen gegenüber dem IWF
In der Erläuterung wird die Initiative ausdrücklich mit zwei außenpolitischen und finanziellen Spuren verknüpft. Erstens wurde der Gesetzentwurf entwickelt, um das ukrainische Recht mit dem Recht der Europäischen Union in Einklang zu bringen, wo ähnliche Mechanismen der MwSt-Erhebung im grenzüberschreitenden elektronischen Handel bereits gelten. Zweitens wird das Dokument als Instrument zur Erfüllung der Verpflichtungen der Ukraine aus den Memoranden mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) positioniert. Somit wird die Reform der Besteuerung von Paketen nicht als isolierte fiskalische Maßnahme betrachtet, sondern als Bestandteil eines breiteren Kurses auf Annäherung an europäische Standards und Erfüllung der Bedingungen finanzieller Unterstützung.
Finanzielle Wirkung und Schutz politisch exponierter Personen
Neben der fiskalischen Wirkung erklärt die Initiative die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen den Standards des Finanzmonitorings und dem Schutz der Rechte politisch exponierter Personen (PEP). Das bedeutet, dass die neuen Regeln es ermöglichen müssen, verdächtige Operationen und Geldflüsse zu verfolgen, ohne dabei die gesetzlichen Rechte bestimmter Bürgerkategorien zu verletzen. Schätzungen zufolge wird die Umsetzung der Bestimmungen des Gesetzentwurfs es ermöglichen, etwa 10 Mrd. UAH zusätzliche Einnahmen pro Jahr in den Staatshaushalt zu bringen – eine beträchtliche Summe, insbesondere in einer Situation, in der der Haushalt auf nachhaltige eigene Einnahmen angewiesen ist. Der Kontext der Arbeit mit Sendungen spiegelt die Logistik des Sektors eindrucksvoll wider: Auf den Sortierplätzen scannen und bearbeiten die Betreiber täglich Tausende internationaler Pakete, und genau auf dieser Ebene wird die neue Steuererhebung aufgebaut.
Widersprüchliche Angaben
Hier ist es wichtig, die Diskrepanz in den Informationen über den Status des Dokuments ehrlich festzuhalten. Einerseits berichtet das Medium ITC, dass der Ausschuss der Werchowna Rada den sogenannten „strengsten“ Gesetzentwurf zur Einführung der MwSt auf Pakete im Wert von bis zu 150 Euro unterstützt habe, was auf die Förderung der strengsten Fassung im zuständigen Ausschuss hindeutet. Andererseits wird in einem anderen Beitrag desselben Mediums berichtet, dass die Rada die „strengste Steuerreform“ „blockiert“ habe und dass Pakete im Wert von bis zu 150 Euro weiterhin ohne MwSt blieben. Diese beiden Versionen können verschiedene Stadien des Gesetzgebungsverfahrens widerspiegeln (Unterstützung im Ausschuss und anschließende Blockade oder Ablehnung in der Plenarsitzung), oder es handelt sich um verschiedene Fassungen des Dokuments. Bis zur offiziellen Bestätigung des endgültigen Abstimmungsergebnisses bleiben beide Standpunkte aktuell, und der Leser sollte berücksichtigen, dass das Schicksal der „strengen“ Fassung nicht eindeutig bestätigt ist.
Wie auch immer, wird die bloße Tatsache der Vorbereitung des Gesetzentwurfs über die neuen Besteuerungsregeln für den grenzüberschreitenden elektronischen Handel und die internationalen Postsendungen durch den Ministerrat von mehreren Quellen bestätigt. Das Dokument zielt auf eine Annäherung an die europäischen Normen, die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber dem IWF und der EU sowie auf die Erhöhung der Haushaltseinnahmen um etwa 10 Mrd. UAH pro Jahr. Das weitere Schicksal der Initiative hängt von den Ergebnissen der Beratung in der Werchowna Rada ab, wo die strenge Fassung offenbar auf Widerstand stieß.