Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) hat gemeinsam mit dem Büro des Generalstaatsanwalts die Aktivitäten einer kriminellen Gruppierung aufgedeckt, in die ein Beamter des Büros des Generalstaatsanwalts verwickelt war. Laut Ermittlungen betätigten sich die Beteiligten am „Schutz' (Schutzgeld-Eintreiben) eines Netzwerks betrügerischer Callcenter und an der Legalisierung von Vermögen, das auf kriminellem Wege erlangt wurde. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die Antikorruptionsbehörden.
Schema des „Schutzes' und der Legalisierung
Laut Ermittlungsakten stellte die kriminelle Organisation, die nach Auffassung der Ermittler von einem Beamten des Büros des Generalstaatsanwalts angeführt wurde, den „Schutz' eines gesamten Netzwerks betrügerischer Callcenter sicher. Parallel dazu betätigten sich die Beteiligten an der Legalisierung von Vermögenswerten, die auf kriminellem Wege erlangt worden waren. Die Strafverfolgungsbehörden betonten, dass sie weitere Einzelheiten zur Sache zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen werden.
Stellungnahme des Büros des Generalstaatsanwalts
Im Büro des Generalstaatsanwalts erklärte man, bereit zu sein, den Antikorruptionsbehörden im Rahmen des Gesetzes volle Unterstützung und alle erforderlichen Informationen zu leisten, damit der entsprechende Sachverhalt eine objektive rechtliche Bewertung erhält. Der Beamte, gegen den eine Überprüfung läuft, wird während der vorgerichtlichen Ermittlung von der Ausübung seiner Dienstpflichten suspendiert. Die Behörde betonte zudem, dass der systematische Kampf gegen betrügerische Schemata fortgesetzt wird.
Umfang der Arbeit in 12 Monaten
Laut Angaben der Strafverfolgungsbehörden wurde in den letzten 12 Monaten umfangreiche Arbeit zur Liquidierung illegaler Organisationen geleistet. Derzeit werden 147 Strafverfahren untersucht, mehr als 183 Personen wurden über den Verdacht informiert, und gegen 93 Personen wurden bereits Anklageschriften an das Gericht übermittelt. Der festgestellte Schaden für die Geschädigten erreicht laut Ermittlungen mehrere Millionen Hrywnja.
Widersprüchliche Angaben
In den Veröffentlichungen zur Sache weichen die Angaben zur Schadenshöhe voneinander ab. In den Hauptakten der Ermittlung wird die Formulierung „mehrere Millionen Hrywnja' verwendet, während eine Reihe von Medien (insbesondere nach Angaben von ridus.ru) das aufgedeckte Betrugsgeschäft mit einer Summe von 400.000 Euro beziffern. Diese Werte sind nicht identisch und können entweder verschiedene Sachverhalte oder eine unterschiedliche Methodik der Schadensberechnung widerspiegeln. Darüber hinaus erwähnen im Kontext desselben Callcenter-Netzwerks einzelne Quellen (rus.delfi.lv) eine beschlagnahmte Fahrzeugflotte im Wert von rund 1 Mio. US-Dollar sowie erhebliche Bargeldbeträge und Fälle der Täuschung von Bürgern dritter Länder, was in den Haupterklärungen der Behörden bislang nicht bestätigt wurde.
Kontext: andere Operationen
Die Strafverfolgungsbehörden decken systematisch Beamte und Schemata in staatlichen Organen auf. Im Rahmen der Operation „Forrest Gump' teilte das NABU beispielsweise dem ehemaligen Abgeordneten des Oblastrats von Dnipropetrowsk der VII. Einberufung, einem einflussreichen Unternehmer, den Verdacht mit. Bei einer anderen vielbeachteten Operation „Themis' deckten das NABU und die Sonderstaatsanwaltschaft (SAP) ein groß angelegtes Raubüberfall-Schema (Raiderschema) auf, bei dem die Mitglieder der Gruppierung illegal Immobilien und Unternehmensvermögen an sich brachten.