Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) hat die Einleitung eines Strafverfahrens gegen den ehemaligen Cheftrainer des Kiewer „Dynamo“ mitgeteilt. Laut Sport RBC.UA, das sich auf eine offizielle Erklärung des NABU auf Facebook beruft, wurde der Fall vorläufig nach Teil 4 des Artikels 189 des ukrainischen Strafgesetzbuchs eingestuft – Erpressung in besonders großem Umfang während der Geltung des Kriegszustands. Im Text der Erklärung selbst wird der Name des Beschuldigten nicht genannt, doch in den Medien und in den öffentlichen Kommentaren der Beteiligten geht es faktisch eindeutig um die Klublegende und den Kiewer Stadtratsabgeordneten Alexander Schowkowski.
Übertragung an die Zuständigkeit der Nationalpolizei
Wesentliche verfahrensrechtliche Einzelheit ist, dass das Verfahren nicht in die direkte Zuständigkeit des Büros fiel. Wie aus der Erklärung hervorgeht, hatte bereits am 25. August die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft die Zuständigkeit dem Hauptquartier der Nationalpolizei in Kiew zugewiesen. Das bedeutet, dass die weiteren Ermittlungen nicht von den Ermittlern des NABU, sondern von der Kiewer Polizei geführt werden – was sich sowohl auf das Tempo als auch auf die Öffentlichkeit des Verfahrens auswirken kann.
Der Kern des Konflikts: ein Schießstand und 250.000 Dollar
Laut zuvor in den Medien verbreiteten Informationen soll der Experte vom Eigentümer der Räumlichkeiten die Rückzahlung von 250.000 Dollar gefordert haben, die nach seiner Version für die Renovierung eines Schießstands im Kiewer Stadtteil Solomjanskyj ausgegeben wurden. Parallel prüfen die Strafverfolgungsbehörden einen weiteren Vorfall – die mögliche Nichtangabe von Einnahmen aus einer Werbezusammenarbeit mit einer Buchmacherfirma. Im Verfahren sind somit mindestens zwei Blöcke von Vorwürfen enthalten: ein vermögensrechtlicher Streit und Fragen der Einkommensdeklaration.
Die Version von Schowkowski selbst
Alexander Schowkowski selbst wies die Vorwürfe entschieden zurück und charakterisierte die Situation als langjährigen vermögensrechtlichen Konflikt um die Miete von Räumlichkeiten durch die Gesellschaft „TAKTYKA“, deren Miteigentümerin seine Frau ist. „Die Überprüfung einer Anzeige macht die darin dargelegte Version noch nicht zu einem bewiesenen Faktum. Ich werte diese Veröffentlichung als Versuch, mich als öffentliches Gesicht und Abgeordneten des Kiewer Stadtrats zu diskreditieren und über meinen Namen Druck auf die Gesellschaft und die Ermittlungsbehörden auszuüben“, erklärte er. Nach seinen Worten geht es nicht um Erpressung, sondern um einen Streit zwischen kommerziellen Strukturen.
Widersprüchliche Angaben
Hier gibt es mehrere bemerkenswerte Unstimmigkeiten, die ehrlich widerspiegelt werden sollten. Erstens wird im offiziellen NABU-Statement der Name des Beschuldigten nicht genannt, während alle kontextuellen Quellen und öffentlichen Kommentare der Beteiligten direkt auf Schowkowski verweisen – die Verbindung des Falls mit ihm wird also indirekt und nicht durch ein Primärdokument bestätigt. Zweitens weichen die Qualifizierungen nach den Versionen auseinander: Die Ermittlungsbehörde spricht von Erpressung in besonders großem Umfang, während Schowkowski selbst auf einen zivilvermögensrechtlichen Konflikt um die Miete besteht. Schließlich wurde das Verfahren formal „vom NABU“ eingeleitet, ist aber faktisch an die Zuständigkeit der Nationalpolizei übergeben worden, was Verwirrung darüber schafft, wer den Fall tatsächlich führt. Bis zur Entscheidung bleiben diese Versionen einander widersprechend.
Wer ist Alexander Schowkowski
Für die Bewertung der Resonanz des Falls ist der Status des Beschuldigten wichtig. Schowkowski ist Rekordhalter des „Dynamo“ nach Anzahl der Spiele (637 Partien), gewann 14-mal mit der Kiewer Mannschaft die ukrainische Meisterschaft und erreichte mit der Nationalmannschaft das Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. In seiner Trainerkarriere war er von 2018 bis 2022 Assistent im Stab der ukrainischen Nationalmannschaft, und von Dezember 2023 bis November 2025 führte er das „Dynamo“. Gerade die Kombination aus sportlichem Ansehen, Abgeordnetensitz und kommerzieller Tätigkeit macht dieses Verfahren für Medien und Fans besonders aufmerksamkeitsstark.