Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft haben die Vorexpertenermittlungen in dem als Operation «Midas» bekannten Fall abgeschlossen. Den Ermittlungen zufolge war im Energiesektor des Landes eine organisierte Gruppe tätig, die systematisch unrechtmäßige Vorteile von Unternehmen bezog, die mit «Energoatom» und anderen staatlichen Betrieben kooperierten. Das NABU selbst gab den Abschluss der Arbeiten an dem Fall bekannt, worauf sich die Publikation RBK-Ukraina berief.
Rückvergütungssystem: 10 bis 15 Prozent pro Vertrag
Den Angaben der Ermittler zufolge forderten die Mitglieder der Organisation von den Vertragspartnern staatlicher Unternehmen 10 bis 15 Prozent der jeweiligen Auftragssumme. Genau diesen Anteil erhielten die Beschuldigten als unrechtmäßigen Gewinn. Die Ermittlungen umfassen den Zeitraum von 2020 bis 2025, in dem nach Einschätzung der Strafverfolgungsbehörden über 111 Millionen US-Dollar und 12 Millionen Euro durch die in das Schema verwickelten Strukturen geflossen sind. Damit handelt es sich um eine langjährige, systematische Praxis des Entzugs von Mitteln aus dem Umlauf staatlicher Energieunternehmen.
Legalinisierungsmechanismus: Büro, Kryptowährungen und Offshore-Fonds
Zur Geldwäsche der unrechtmäßig erlangten Gelder nutzten die Beschuldigten den Ermittlungen zufolge ein separates Büro, über das im Laufe von fünf Jahren mehr als 111 Millionen Dollar und 12 Millionen Euro geschleust wurden. Neben Bargeldtransaktionen waren auch Geschäfte mit Kryptowährungen und Wertpapieren sowie ein ausländischer Investmentfonds in das Schema eingebunden. Im Februar 2026 teilte das NABU ergänzend mit, dass ein Teil der Gelder über einen Investmentfonds auf der Insel Anguilla und damit verbundene Offshore-Firmen legalisiert wurde, was den grenzüberschreitenden Charakter der Finanzinfrastruktur der Gruppierung unterstreicht.
Hauptbeschuldigte des Falls
Zu den Hauptfiguren der Operation «Midas» zählen die Ermittler den Geschäftsmann Timur Minditsch, den ehemaligen Energieminister Herman Haluschtschenko und den Ex-Vizepremier Oleksij Tschernyschow. Im Februar 2026 gab das NABU bekannt, dass gegen Herman Haluschtschenko Ermittlungen aufgenommen und Verdächtigungen geäußert wurden. Ermittlungsergebnissen zufolge lief ein Teil der legalisierten Gelder genau über mit ihm verbundene Strukturen. Die Beteiligung amtierender und ehemaliger hochrangiger Beamter macht «Midas» zu einem der aufsehenerregendsten Korruptionsverfahren im ukrainischen Energiesektor der letzten Jahre.
Chronologie: Von der Operation zum Abschluss der Ermittlungen
Die Operation «Midas» hatten das NABU und die SAPO am 10. November 2025 gestartet. In den folgenden Monaten sprachen die Strafverfolgungsbehörden nacheinander Verdächtigungen gegen die Beschuldigten aus, dokumentierten die Finanzströme und stellten Verbindungen zwischen den Mitgliedern der Gruppierung und Offshore-Strukturen her. Bis November 2026 wurden die Vorexpertenermittlungen zum Hauptteil des Verfahrens abgeschlossen, was den Weg für die Übergabe der Akten an das Gericht ebnet. Gleichzeitig betont das NABU, dass die Ermittlungen zu weiteren Fakten möglicher Korruption und Geldwäsche im Energiesektor fortgesetzt werden.
Vermögenseinfrierung und Aussichten
Im Rahmen des Verfahrens ergriffen die Strafverfolgungsbehörden Maßnahmen zur Beschlagnahme von Vermögenswerten der kriminellen Organisation sowohl in der Ukraine als auch im Ausland. Dies ist ein Standard-, aber wichtiger Schritt, um die mögliche Konfiszierung des unrechtmäßigen Gewinns nach einem Gerichtsurteil sicherzustellen. Der Abschluss der Vorexpertenermittlungen bedeutet nicht das Ende des Verfahrens: Nun gehen die Akten in die gerichtliche Verhandlungsphase über, in der die Version der Ermittler in einem kontradiktorischen Verfahren überprüft wird. Der Fall «Midas» wird ein Indikator dafür sein, wie effektiv die Antikorruptionsinstitutionen der Ukraine in der Lage sind, Verfahren mit Beteiligung einflussreicher Geschäfts- und Politikfiguren vor Gericht zu bringen.