Im Interview mit RBC-Ukraine charakterisierte die Leiterin der ukrainischen Mission bei der NATO, Alena Hetmantschuk, den Nordatlantischen Bund als eine Organisation, die unter dem direkten Einfluss der Erfahrungen des russisch-ukrainischen Krieges einer tiefgreifenden Transformation unterzogen wird. Ihren Worten zufolge werden die praktischen Lehren des Konflikts bereits in Doktrinen, die Verteidigungsplanung und neue Initiativen des Bündnisses einbezogen, wobei die entscheidende Folge eine Beschleunigung der Entscheidungszyklen und eine Verlagerung eines größeren Teils der Verantwortung für die Sicherheit auf die europäischen Mitgliedstaaten ist. Vor dem Hintergrund dieser Prozesse erkennt die NATO, so die Einschätzung der Diplomatin, immer deutlicher, dass neben einer langwierigen politischen und diplomatischen Konfrontation mit Russland auch eine direkte militärische Auseinandersetzung möglich ist, wobei die Grenzen zwischen den Formen des Gegenstandes immer verschwommener werden.

Lehren des Krieges: Verkürzung des Zyklus „Aufklärung – Entscheidung – Bekämpfung – Bewertung“

Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen, die der Bund aus der Kriegserfahrung zieht, nannte Hetmantschuk die erhebliche Verkürzung des Entscheidungszyklus. Die NATO, so ihre Worte, strebt danach, die Kette „Aufklärung – Entscheidung – Bekämpfung – Bewertung“ so kurz und effizient wie möglich zu gestalten, um bei realen Bedrohungen Zeitverluste durch bürokratische Abstimmungen auszuschließen. Dieser Ansatz, wie sie betonte, findet bereits in den doktrinären und planerischen Dokumenten der Organisation sowie in neuen Verteidigungsinitiativen seinen Niederschlag, die unter Berücksichtigung der Lehren des Konflikts in der Ukraine entwickelt werden.

Entzauberung des Mythos von der unbeholfenen Bürokratie

Separat räumte die Diplomatin mit der verbreiteten Vorstellung auf, die NATO sei weiterhin eine unbeholfene Struktur, die sich „lange Zeit versammelt“ und den Nordatlantikrat einberuft, um zu entscheiden, was mit dem einen oder anderen Objekt zu tun sei. „Wenn in der Vorstellung einiger Ukrainer die NATO eine solche unbeholfene Struktur ist, die sich lange versammeln, den Nordatlantikrat einberufen und entscheiden kann, was mit einer Drohne zu tun ist – nein, das ist überhaupt nicht der Fall. Bevor irgendeine Sitzung stattfindet, werden diese Drohnen bereits faktisch abgeschossen sein“, erläuterte die Leiterin der Mission. Somit wird die Reaktion des Bündnisses im Falle einer realen Bedrohung, so ihre Einschätzung, unmittelbar sein und nicht auf formelle Beratungen warten.

Das Konzept „NATO 3.0“ und die Verschiebung der transatlantischen Last

Vor dem Hintergrund wachsender Bedrohungen entfalten sich im Bündnis, so Hetmantschuk, zwei Schlüsselprozesse. Der erste ist die Verschiebung der transatlantischen Verantwortungslast von den USA auf Europa im Rahmen des Konzepts „NATO 3.0“. Dieses sieht vor, dass für die konventionelle Sicherheit auf dem Kontinent in erster Linie die Europäer selbst verantwortlich sein sollen, während Washington die Führung in Fragen der nuklearen Abschreckung für sich behält. Das NATO-Militärkommando und die europäischen Staaten suchen, fügte die Diplomatin hinzu, derzeit nach einer Lösung, wie im Rahmen des NATO-Kraftmodells (NATO Force Model) einzelne amerikanische Ressourcen durch eigene ersetzt werden können.

Finanzielle Belastung und ihr Einfluss auf die Unterstützung der Ukraine

Der zweite Prozess betrifft eine gleichmäßigere Verteilung der finanziellen Last zwischen den europäischen NATO-Mitgliedstaaten und Kanada. Hetmantschuk bemerkte, dass die Ukraine diese Dynamik in Fragen der eigenen Unterstützung spüre: dieselben Länder leisteten praktisch in allen möglichen Formaten Hilfe, was bei den Gebern selbst Unzufriedenheit hervorruft, die eine gleichmäßigere Verteilung der Last wünschen. Sie erinnerte auch daran, dass die Formate „Ramstein“ und das Programm PURL bis Ende 2026 auf die Finanzierung von Verteidigungspaketen konzentriert sein werden, die bereits von den USA genehmigt wurden.

Die Ukraine als Sicherheitsbeitragender des Bündnisses

Eines der Signale nannte die Diplomatin die Anerkennung der Ukraine auf NATO-Deklarationsebene als Sicherheitsbeitragender. Ihrer Einschätzung zufolge zeugt dies davon, dass der Bund das Potenzial der ukrainischen Fähigkeiten zur Stärkung der Organisation bewertet hat. Insgesamt, wie aus ihrer Aussage hervorgeht, bestätigen diese Prozesse, dass in der NATO die Realität der Kriegsbedrohung durch Russland erkannt wurde und dass die Handlungen des Bündnisses dies widerspiegeln.