Die Nationalbank der Ukraine hat die Ergebnisse der Prüfung des Berichts über aufsichtsbehördliche Maßnahmen gegenüber der Sense Bank für den Zeitraum 2022–2026 veröffentlicht. Der Regulierungsbehörden bestätigte, dass die Bank in den letzten Jahren einer verstärkten Aufsicht unterlag, insbesondere nach ihrer Verstaatlichung. Laut NBU überprüfte die Behörde regelmäßig die Einhaltung der Anforderungen des Finanzmonitorings, des Bank-, Devisen- und Sanktionsrechts durch die Bank und wandte Sanktionsmaßnahmen an – Geldstrafen und schriftliche Rügen. Der Vorstand der Nationalbank unterstützte ausdrücklich die Maßnahmen der unabhängigen Antikorruptionsbehörden und erklärte sein Interesse an der vollständigen und unparteiischen Klärung aller Umstände des Falls und betonte, dass dafür eine maximale Offenlegung und Transparenz seitens aller Beteiligten eine notwendige Voraussetzung ist.

Vier Jahre verstärkte Aufsicht: Was genau prüfte der Regulierer

Im Zeitraum von Ende 2022 bis 2026 fasste der Ausschuss des NBU mehr als 100 Beschlüsse, die die Sense Bank betrafen. Im Ergebnis der aufsichtsbehördlichen Maßnahmen richtete der Regulierer 21 Mitteilungen an die Strafverfolgungsorgane, die Staatliche Steuerverwaltung und das Staatsamt für Finanzmonitoring. Nach Themenbereichen führte das NBU drei Inspektionsprüfungen zur Einhaltung der Anforderungen des Bankrechts, sechs Prüfungen im Bereich des Finanzmonitorings und weitere drei zur Einhaltung des Sanktions- und Devisenrechts durch. Damit blieb der Aufsichtsrahmen um die Bank während des gesamten betrachteten Zeitraums aktiv und beschränkte sich nicht auf Einzelfallmaßnahmen.

Geheime Protokolle der kollegialen Organe

Als Schlüsselpisode, auf die der Regulierer hinwies, wurde die zweite Inspektionsprüfung nach dem Bankrecht, die im April 2025 abgeschlossen wurde, genannt. Gerade während dieser Prüfung wurde ein erheblicher Bestand zuvor unbekannter vertraulicher oder geheimer Protokolle der kollegialen Organe der Sense Bank entdeckt. Über diese Tatsache informierte das NBU auch die Strafverfolgungsorgane. Die Entdeckung der verborgenen Protokolle war im Wesentlichen einer der Gründe für die weitere Verschärfung der Aufmerksamkeit gegenüber den internen Verfahren der Bank und den Handlungen ihrer Leitungsgremien.

„Forrest Gump“ und die Kommunikation von Hladyschenko

Am 28. Mai 2026 informierte der Regulierer den Eigentümer der Bank in Person des ukrainischen Finanzministeriums sowie die Mitglieder der vorübergehenden Ermittlungskommission über den Stand der verwaltungsrechtlichen Verfahren in Bezug auf den Vorstandsvorsitzenden der Sense Bank, Alexej Stupak, und den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Nikolaj Hladyschenko. Die Lage veränderte sich am 19. August erheblich, als das NABU neue Materialien der vorgerichtlichen Ermittlung im Rahmen der Operation „Forrest Gump“ veröffentlichte. Laut NBU enthielten diese unmittelbar festgehaltene Kommunikation Hladyschenkos mit einer dritten Person. Dies wurde zur Grundlage für den sofortigen Beschluss des Ausschusses zur Bewertung des Vorsitzenden des Aufsichtsrats sowie für den Beginn außerplanmäßiger Prüfungen der Bank mit dem Ziel, die Tatsachen eines möglichen Eingriffs in den Betrieb des automatisierten Bankensystems zu untersuchen.

Beschluss zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats und dienstliche Untersuchung

Am 19. August 2026 fasste der Ausschuss den Beschluss über die Nichtentsprechung Nikolaj Hladyschenkos den Qualifikationsanforderungen hinsichtlich der Unabhängigkeit. Daraufhin veröffentlichte das NBU die Forderung an die Regierung, seine Befugnisse als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Sense Bank unverzüglich zu beenden. Am 24. August nahm die Bank als Reaktion auf die Anfrage des Regulierers eine dienstliche Untersuchung mit Einbindung von Fachleuten für Informationstechnologie, Finanzmonitoring, Compliance und interne Revision auf. Zuvor war der Aufsichtsrat der Bank um eine Vertreterin des Staates – die Finanzexpertin Natalja Degtyarjowa – erweitert worden, die vom Kabinett der Ministerien ernannt wurde. Parallel veröffentlichten NABU und SAP Fragmente von Gesprächen im Rahmen der Operation „Forrest Gump“, in denen ein möglicher Einfluss auf die verstaatlichte Bank erwähnt wurde.

Widersprüchliche Angaben

Hier muss ehrlich eine Diskrepanz in der Formulierung zwischen der Position des Regulierers und einer Reihe von Medienquellen festgehalten werden. In seiner eigenen Erklärung verknüpft das NBU die außerplanmäßigen Prüfungen der Bank mit der festgehaltenen Kommunikation Hladyschenkos und möglichen Tatsachen eines Eingriffs in den Betrieb des automatisierten Bankensystems, und leitet den Beschluss zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats aus der Bewertung der Entsprechung den Qualifikationsanforderungen hinsichtlich der Unabhängigkeit ab. Gleichzeitig stellen mehrere Quellen (darunter ura-inform, finance.rambler.ru und life.ru) die letzten Bankprüfungen als in Zusammenhang mit der Pfandsache für German Haluschenko eingeleitet dar. Wichtig ist, dass es sich um verschiedene Nachnamen handelt (Hladyschenko und Haluschenko) und es sich offenbar um parallele Spuren handelt: Der veröffentlichte Text des NBU verknüpft den Beschluss zu Hladyschenko nicht mit der Pfandsache für Haluschenko. Der Leser sollte berücksichtigen, dass im öffentlichen Raum zwei Versionen des „Auslösers“ der letzten Prüfungen nebeneinander bestehen, und die Position des Regulierers weist der Kommunikation Hladyschenkos und dem möglichen Eingriff in das Bankensystem die primäre Ursache zu.

Kontext: Der Staat im Aufsichtsrat und die Wette auf Transparenz

Auf dem Hintergrund der Verstaatlichung und der verstärkten Aufsicht nimmt die Präsenz des Staates in der Bankführung zu: In den Aufsichtsrat wurde vom Kabinett der Ministerien Natalja Degtyarjowa aufgenommen. Dabei betont das NBU konsequent, dass es an der unparteiischen Klärung aller Umstände des Falls interessiert ist und eine maximale Offenlegung aller Seiten als notwendige Voraussetzung einer solchen Arbeit betrachtet. Die Gesamtheit von mehr als hundert Ausschussbeschlüssen, 21 Meldungen an Strafverfolgungs- und Aufsichtsorgane, der Entdeckung geheimer Protokolle und der außerplanmäßigen Prüfungen nach Veröffentlichung der Materialien der „Forrest Gump“-Operation zeichnet das Bild eines der dichtesten Aufsichtszyklen, die der Regulierer im betrachteten Zeitraum gegenüber einer nationalen Bank durchführte.