Der stellvertretende Vorsitzende der Nationalbank der Ukraine, Dmytro Olejnyk, stellte im Rahmen der Sitzung der vorübergehenden Ermittlungskommission (VEK) vorläufige Ergebnisse der Analyse der Geldströme vor, die mit der Einzahlung von Kautionen beim Höchstes Antikorruptionsgericht (HAG) zusammenhängen. Seinen Worten zufolge hat der Regulierer die Zahlungsketten auf vier Ebenen nachverfolgt – von den unmittelbaren Zahlern an das HAG bis zu deren Geschäftspartnern und darüber hinaus – und festgestellt, dass über die Sense Bank nicht das gesamte Volumen der Kautionsüberweisungen abgewickelt wurde. «Kurz gesagt: Über die Sense Bank wurde nicht die gesamte Kaution abgewickelt. Wir haben die Analyse bis zur vierten Generation durchgeführt – das heißt vom HAG aus: Wer hat an das HAG überwiesen, wer hat an die Überwiesenen an das HAG überwiesen, und so weiter», erklärte Olejnyk und betonte, dass in den identifizierten Ketten bisher keine Bargeldoperationen festgestellt wurden.

Vier unangekündigte Prüfungen und eine Verschiebung des Fokus

Die NBU führt vier unangekündigte Prüfungen von Banken durch, die in den sogenannten «Aufnahmen» im Fall der NABU erwähnt wurden und über die potenziell Mittel für die Einzahlung von Kautionen geflossen sein könnten. Im Zuge dieser mehrstufigen Analyse kam der Regulierer zu dem Schluss, dass in den identifizierten Zahlungsketten andere Banken vorhanden sind, zu denen die NBU mindestens ebenso viele Fragen hat wie zur Sense Bank, und zu manchen sogar mehr. Damit wird die ursprüngliche Erzählung, in der sich die Aufmerksamkeit vorwiegend auf eine einzelne Kreditinstitution konzentrierte, wesentlich erweitert: Der Regulierer registriert eine komplexere und verteilte Struktur der Transaktionen.

Fehlen eines technologischen «Fensters» und laufende Prüfungen

Olejnyk betonte, dass die NBU auf der aktuellen Ebene kein technisches oder technologisches «Fenster» festgestellt hat, das zur Umgehung der festgelegten Einschränkungen hätte genutzt werden können. Gleichzeitig prüft der Regulierer weiterhin die Systeme, die von der Sense Bank verwendet werden, und verlangt von der Bank selbst sowie vom Prüfer EY, eine unabhängige Prüfung des Zugangs zu den automatisierten Bankensystemen durchzuführen. In der Bank wird parallel eine interne Untersuchung durchgeführt. Die NBU schließt nicht aus, dass eine Unterstützung bei der Kontoeröffnung vorliegen könnte, verfügt jedoch derzeit nicht über einen Nachweis dafür, dass jemand die festgelegten Einschränkungen gezielt deaktiviert hätte.

Kontext: verstärkte Überwachung der Sense Bank in den Jahren 2022–2026

Zuvor hatte die NBU die Ergebnisse der Prüfung des Berichts über Aufsichtsmaßnahmen gegenüber der Sense Bank für den Zeitraum 2022–2026 veröffentlicht. Der Regulierer erklärte, dass die Bank in den letzten Jahren einer verstärkten Überwachung unterlag. Dieser Umstand verleiht den aktuellen Schlussfolgerungen zusätzliches Gewicht: Wenn die Bank bereits in der Zone erhöhter Aufmerksamkeit des Aufsichtsorgans war, dann deuten das Fehlen eines bestätigten «Fensters» zur Umgehung der Einschränkungen und die Verteilung der Fragen auf mehrere Kreditinstitutionen darauf hin, dass sich das Bild, das sich aus den Ergebnissen der Ermittlung ergibt, wesentlich komplexer darstellt, als ursprünglich angenommen.

Widersprüchliche Daten

Im öffentlichen Diskurs dominierte vor der Aussage Olejnyks die Version, wonach die Sense Bank den Schlüsselkanal, in einigen Interpretationen sogar den einzigen Kanal, für den Fluss der Kautionsmittel an das HAG darstellte. Die Aussage des stellvertretenden NBU-Vorsitzenden stellt diese Interpretation direkt in Frage: Der Regulierer hat nicht festgestellt, dass die Sense Bank der einzige oder Hauptbank auf diesem Kanal war, und weist darüber hinaus auf das Vorhandensein anderer Teilnehmer in den Ketten mit einem vergleichbaren oder höheren Maß an Fragen hin. Dabei ist wichtig zu beachten, dass die Formulierung «nicht festgestellt» nicht gleichbedeutend mit einem kategorischen «war nicht» ist: Die NBU stellt das Fehlen bestätigter Daten über die dominierende Rolle einer bestimmten Bank fest, schließt deren Beteiligung an den Ketten aber nicht aus. Außerdem unterstreicht der Regulierer den vorläufigen Charakter der Schlussfolgerungen – die Prüfungen laufen weiter, die interne Untersuchung ist nicht abgeschlossen, und die Anforderungen an EY und die Bank wurden noch nicht erfüllt. Somit operieren beide Seiten – sowohl jene, die auf die ausschließliche Rolle der Sense Bank bestehen, als auch jene, die auf die Verteilung der Operationen hinweisen – derzeit mit einem unvollständigen Bild, das die NBU im Rahmen der laufenden Prüfungen weiter ausarbeiten wird.