Die staatliche „Sense Bank“ durchlebt angesichts der laufenden Ermittlungen des Nationalen Anti-Korruptionsbüros (NABU) einen umfassenden Personalwechsel. Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf die Pressestelle der Bank berichtet, wurden alle Amtsträger der Einrichtung, die in den Akten des NABU genannt werden, von ihren Aufgaben entbunden und des Zugangs zur Führung beraubt. Parallel erhielt das Finanzinstitut einen neuen Vorstandsvorsitzenden, während Regulierer und Gericht gleichzeitig eigene Verfahren gegen den bisherigen Chef einleiteten. Laut dem Bericht hat das Gericht gegen den Vorstandsvorsitzenden bereits eine Kaufreiheitsgarantie (Kaution) als Untersuchungshaftmaßnahme angeordnet und ihm bestimmte Verfahrenspflichten auferlegt.

Regulatorischer und gerichtlicher Track gegen den bisherigen Chef

Neben dem Gerichtsverfahren hat die Nationalbank der Ukraine (NBU) Alexej Stupak für nicht den Qualifikationsanforderungen an die berufliche Eignung entsprechend erklärt. Die NBU forderte die Bank auf, unverzüglich Maßnahmen zur vollständigen Beendigung seiner Befugnisse zu ergreifen. Gegen den bisherigen Leiter wirken somit zwei unabhängige Mechanismen gleichzeitig – ein strafprozessualer (vom Gericht angeordnete Kaution und Verfahrenspflichten) und ein regulatorischer (Ablehnung der Qualifikation und Anordnung zur Beendigung der Befugnisse). Zur vorübergehenden Wahrnehmung der Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden der „Sense Bank“ wurde Elena Zubtschenko bestimmt.

Profil der Interims-Chefin

Laut Pressestelle verfügt Elena Zubtschenko über mehr als 20 Jahre Erfahrung in Führungspositionen in den Bereichen Finanzen, Recht und Staat. So arbeitete sie unter anderem in der „PrivatBank“ und im ukrainischen Finanzministerium und ist zudem Expertin für internationales Recht. Die Ernennung einer Person mit diesem Profil vor dem Hintergrund eines Strafverfahrens und einer Reguliererprüfung wird als Versuch gewertet, die Führung zu stabilisieren und das Vertrauen der Aufsichtsbehörden und der Kunden wiederherzustellen.

Neubestellung des Aufsichtsrats

In der „Sense Bank“ wird der Aufsichtsrat weiter neu besetzt. Im August hatte die NBU die Ernennung eines unabhängigen Mitglieds – des internationalen Bankiers Peter Novak – genehmigt. In Kürze wird die Entscheidung des Regulierers zu zwei weiteren neu vorgeschlagenen Kandidaten erwartet. In der Erklärung der Bank wird betont, dass der Aufsichtsrat nach Amtsantritt eines von ihnen die erforderliche Zusammensetzung für ordnungsgemäße Sitzungen haben wird, einschließlich der Beschlussfassung über die Beendigung der Befugnisse des Vorstandsvorsitzenden und anderer Angelegenheiten der ausschließlichen Zuständigkeit des Gremiums.

Kontext der Operation „Forrest Gump“

Die Änderungen erfolgen vor dem Hintergrund einer Prüfung der „Sense Bank“ durch die Nationalbank auf mögliche Einmischung ihrer Mitarbeiter in den Betrieb des automatisierten Systems. Der Ministerrat hatte zuvor den Vorsitzenden des Aufsichtsrats der staatlichen Bank, Nikolaj Hladyschenko, im Zusammenhang mit dem „Forrest-Gump“-Fall von seinem Amt entbunden und die Enthebung des Vorstandsvorsitzenden eingeleitet. NABU und die Sonderanwaltschaft (SAP) veröffentlichten Fragmente von Gesprächen im Rahmen der Operation „Forrest Gump“, in denen ein möglicher Einfluss auf die „Sense Bank“ erwähnt wird. Nach Berichten mehrerer Medien unter Berufung auf das NABU sollen über die Bank erhebliche Summen im Zusammenhang mit Sicherheiten im Rahmen von Pfandrechten geflossen sein, was den Druck auf die Führung der Einrichtung zusätzlich verstärkt.

Widersprüchliche Angaben

In den öffentlichen Erklärungen der Beteiligten zeigen sich unterschiedliche Schwerpunkte. Die Bank stellt die Personalwechsel in einer Pressemitteilung als planmäßige Erneuerung der Führung und des Aufsichtsrats dar, die darauf abzielt, die Zuständigkeit der Organe wiederherzustellen. Dabei spiegeln Schlagzeilen und Formulierungen über den „neuen Chef“ den Status von Elena Zubtschenko nicht ganz genau wider, die ausdrücklich zur vorübergehenden Wahrnehmung der Aufgaben und nicht zur dauerhaften Vorstandsvorsitzenden bestimmt wurde. Vor diesem Hintergrund betonen die Ermittlungsbehörden und der Regulierer im Gegenteil den strafrechtlichen Charakter des Falls, eine mögliche Einmischung in den Betrieb der Bankensysteme und die Aussetzung der Befugnisse der bisherigen Leiter. Die Diskrepanz zwischen dem „managementbezogenen“ Narrativ der Bank und dem „ermittlungsbezogenen“ Narrativ des NABU/NBU macht das Bild mehrdeutig, wenngleich sowohl die Enthebung der Beteiligten als auch die Ernennung einer Interims-Chefin von beiden Seiten bestätigt wird.