Die Nationalbank der Ukraine (NBU) hat ihre Inflationsprognose fuer das Gesamtjahr 2026 auf 12,5 % im Jahresvergleich angehoben. Dies gab Regulierungsbehordenleiter Andrij Pyschnyj waehrend eines geldpolitischen Pressebriefings am 29. Oktober bekannt und wies darauf hin, dass die vorherige Schaetzung mit Stand vom Juli des laufenden Jahres bei 10 % gelegen hatte. Damit hat die Zentralbank ihre Erwartungen hinsichtlich der Preisdynamik deutlich nach korrigiert und eingestanden, dass der Druck auf die Verbraucherpreise staerker war als zuvor angenommen.

Was die Ueberarbeitung der Prognose ausloeste

Nach Angaben des NBU-Chefs waren feindlicher Beschuss, hoehere Treibstoffpreise und Haushaltsimpulse — staatliche Wirtschaftsprogramme — die Hauptfaktoren, die zur Inflationsbeschleunigung fuehrten. Den Beitrag des Beschusses zur Inflationsbeschleunigung bezifferte die Behoerde auf 0,7 Prozentpunkte. Pyschnyj fuegte hinzu, dass ein erwarteter Rueckgang der weltweiten Oelpreise sowie die geldpolitischen Massnahmen, die der Regulator weiterhin umsetzt, das weitere Preiswachstum daempfen sollen.

Zusammenhang mit dem Leitzins und der BIP-Prognose

Die Revision der Inflationsprognose erfolgt vor dem Hintergrund einer strafferen Geldpolitik: Die NBU hat ihren Leitzins erneut um 0,5 Prozentpunkte auf 16,5 % angehoben. Parallel dazu hat der Regulator seine makrooekonomische Prognose verschlechtert: Anstelle des zuvor erwarteten BIP-Wachstums im Jahr 2026 wird nun ein Rueckgang um 0,4 % prognostiziert, wobei eine Rueckkehr zu einem Wachstum von 0,4 % erst fuer 2027 erwartet wird. Schaetzungen der NBU zufolge ist das reale BIP im dritten Quartal im Jahresvergleich um 0,5 % geschrumpft, was die Behoerde primaer auf die Folgen der Blockade von Seehaefen sowie auf Angriffe auf Produktionsanlagen und Logistik zurueckfuehrt; die groessten Verluste erlitten Metallurgie- und Erzbetriebe, und der negative Beitrag der intensivierten Angriffe zum BIP wird auf 1,9 Prozentpunkte geschaetzt.

Zielmarke und Stabilisierungshorizont

Der Basisindikator, an dem sich der Regulator orientiert, bleibt bei 5 % per annum. Die Erreichung dieses Zielinflationsniveaus wird laut Andrij Pyschnyj im Jahr 2028 erwartet. Somit kalkuliert die NBU in ihrer Prognose eine schrittweise Verlangsamung des Preiswachstums ein: Nach einem Hoechststand von 12,5 % im Jahr 2026 soll die Inflation in den naechsten zwei Jahren schrittweise auf die Zielmarke sinken.

Preisdynamik im September und Lage an den Tankstellen

Den Kontext der Prognoserevision bestaetigt auch die Statistik: Im September erreichte die Inflation im Jahresvergleich 10 %, was laut Angaben des Staatlichen Statistikdienstes 2,1 Prozentpunkte mehr sind als im August. Am staerksten verteuerten sich im Laufe des Monats Bildungsdienstleistungen, Kleidung und Schuhe sowie Lebensmittel. Gleichzeitig steigen die Treibstoffpreise an den Tankstellen weiter an: Mit Stand vom 29. Oktober kostete Benzin A-95 (Standard) in den groessten Netzen der Ukraine 88,9–95,9 Hrywnja pro Liter, Dieselkraftstoff (Standard) 102,9–108 Hrywnja, und der Preis fuer Autogas sprang auf fast 60 Hrywnja, wobei er im ОККО-Netz auf 59,9 Hrywnja pro Liter stieg.