Die Nationalbank der Ukraine hat den Leitzins auf 16 % pro Jahr angehoben und diese Entscheidung vor dem Hintergrund steigender Inflationsrisiken getroffen. Laut RBC-Ukraine fügt sich dieser Schritt in einen weltweiten Trend ein: Auch die Zentralbanken der USA, Europas und anderer Länder senken angesichts der Energiekrise und der steigenden Preise ihre Zinssätze. Der Finanzanalyst Andrei Schewtschyschin bewertete in einem Blitzinterview, wie wirksam diese Anhebung ist und was sie für Unternehmen und Bürger bedeutet.

Essenz der Entscheidung und Logik der Nationalbank

In der Praxis sieht die NBU Inflationsrisiken und versucht, diesen zuvorzukommen, indem sie inflationäre Tendenzen mit Hilfe von Geldpolitikinstrumenten dämpft, erläuterte der Analyst. Seinen Worten zufolge verläuft die Inflation über den Erwartungen des Regulierers, es haben sich zusätzliche Risiken gebildet, daher wird der Zinssatz angehoben, um die Rendite von Hrywnja-Instrumenten – Einlagen und Staatsanleihen – zu verbessern. Dabei merkte Schewtschyschin an, dass die vorherigen Anhebungen von 15 % auf 15,5 % keine ausreichende Verbesserung der Renditeindikatoren bewirkt haben, was Fragen zur Wirksamkeit der Maßnahmen aufwirft.

Reichen 16 % aus, um die Inflation zu dämpfen?

Der Analyst ist der Ansicht, dass die aktuelle Anhebung die Dämpfung der Inflation möglicherweise nicht beeinflussen wird, da die Inflationsfaktoren außerhalb des Einflusses der geldpolitischen Indikatoren liegen. Gleichzeitig betont er, dass die Aufrechterhaltung der Hrywnja-Rendite der Instrumente notwendig ist, damit die freie Hrywnja vor dem Hintergrund steigender Importpreise nicht in Währung fließt und keinen zusätzlichen Druck auf den Kurs ausübt. In diesem Sinne ist der Mechanismus wirksam.

Auswirkungen auf die Kreditvergabe an Unternehmen und Bevölkerung

Die Erhöhung des Leitzinses steigert die Kosten der Kredite, da es sich um eine Erhöhung des risikolosen Zinssatzes handelt: Die Banken haben eine Alternative – sie können Mittel zu 16 % in Einlagenscheine anlegen, anstatt einen Kredit zu vergeben. Laut Schewtschyschin verhalten sich die Banken vorsichtig und streben nicht danach, die Kreditvergabe schnell auszubauen, daher bleiben Kredite auf dem freien Markt teuer. Das entscheidende Wachstum der Kreditvergabe entsteht in begrenzten Sektoren und im Rahmen staatlicher Förderprogramme, darunter „5-7-9“, wobei nach Einschätzung des Analysten die Regierung derzeit kein Geld für dieses Programm hat. Für die Bevölkerung werden Konsum-, Auto- und Hypothekendarlehen ebenfalls teurer, mit Ausnahme der vergünstigten Programme.

Wird die Zinserhöhung auf die Preise von Waren durchgeschlagen?

Eine direkte und schnelle Übertragung der teureren Kreditvergabe auf die Selbstkosten von Waren und Dienstleistungen findet nach Meinung des Analysten nicht statt: Die marktlichen Geldpolitikinstrumente haben keine so schnelle Transmission. Einen deutlich größeren Einfluss auf die Preise haben Sicherheitsfaktoren, die Zerstörung von Waren und Probleme mit der Logistik. In erster Linie wird der Bankensektor die Folgen der Entscheidung spüren, da die Transmission über ihn verläuft: Die Banken ziehen Geld aus der NBU und geben es an den Wirtschaftssektor weiter.

Widersprüchliche Daten

In den Bewertungen der Parteien zeigt sich eine Unstimmigkeit in der Beurteilung der Wirksamkeit der Maßnahmen. Einerseits hebt die Nationalbank den Zinssatz gerade zur Dämpfung der Inflation und zur Verbesserung der Rendite von Hrywnja-Assets an, und die Entscheidung fügt sich in den weltweiten Trend der Verschärfung ein. Andererseits weist der geladene Experte selbst darauf hin, dass die Inflationsfaktoren außerhalb des Einflusses der geldpolitischen Instrumente liegen, dass die vorherige Anhebung von 15 % auf 15,5 % keine spürbare Verbesserung der Rendite von Einlagen und Staatsanleihen gebracht hat und dass der aktuelle Schritt die Dämpfung der Inflation „möglicherweise nicht beeinflussen“ wird. Außerdem wird im Release der NBU, auf den sich der Analyst bezieht, auch das umgekehrte Szenario erwähnt: Bei einer Verschlechterung der Nachfrage aufgrund von Beschuss und Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt könnte der Regulierer eine Senkung des Zinssatzes zur Stimulierung der Wirtschaft in Betracht ziehen. Somit existiert keine einheitliche Version über einen garantierten Effekt der Anhebung.