Ab dem 1. September 2026 starten die ukrainischen Schulen in das neue Schuljahr 2026/2027, das mit mehreren systematischen Änderungen einhergeht, die vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft angekündigt wurden. Die Verfahren zur Reaktion auf Fälle von Mobbing sowie die Bewertungskriterien für Lernergebnisse werden aktualisiert, für die Schüler der Klassen 7–9 wird die Stundenzahl für Geschichte und Bürgerkunde erhöht, und die Oberschule setzt das Testen des neuen Modells der profilorientierten Ausbildung fort. Laut dem Medium RBC-Ukraine wurden all diese Neuerungen auf den vollständigen Übergang zur profilorientierten Oberschule vorbereitet, der für September 2027 geplant ist.

Profilorientierte Oberschule: Ausweitung des Pilotprojekts auf 150 Lyzeen

Ein zentrales Element der Reform ist die Ausweitung des Pilotprojekts der profilorientierten Oberschule. Wurde das neue Modell im vergangenen Schuljahr von 30 Lyzeen in 19 Oblasten getestet, so schließen sich ihm im Schuljahr 2026/2027 bereits 150 Bildungseinrichtungen an. Ab September 2027 lernen die Schüler der Klassen 10–12 nach Profilen und können Fächer vertiefen, die zu ihren Bildungs- und Berufsplänen passen, und dabei nicht nur die profilbezogenen Disziplinen, sondern auch einzelne Fächer außerhalb des Profils wählen – so kann ein Schüler des mathematischen Profils zusätzlich Kurse in den Naturwissenschaften, Kunst oder Literatur belegen.

Pflichtfächer bleiben die ukrainische Sprache und Literatur, die Geschichte der Ukraine, Englisch, Mathematik, Sportunterricht sowie das Fach „Verteidigung der Ukraine“. In der 10. Klasse ist ein Profilwechsel möglich, falls der Schüler erkennt, dass er sich bei der Wahl geirrt hat. Es wird erwartet, dass sich die Oberschule vor allem in großen Lyzeen konzentriert, wo Gruppen für das Studium verschiedener Fächer gebildet werden können und wo die Stelle eines karrieredidaktischen Beraters eingeführt wird, der die Schüler bei der Profilauswahl und dem weiteren Studium unterstützt. Die Reform betrifft die Grundschule nicht und sieht auch keine Schließung von Gymnasien vor, die Kinder bis zur 9. Klasse unterrichten. Die Pilot-Lyzeen dürfen für profilbezogene Fächer und integrierte Kurse jahrgangsübergreifende Gruppen von mindestens 8 Schülern bilden, und auch während des Fernunterrichts wird es erlaubt sein, Klassen für einzelne Fächer in Gruppen aufzuteilen.

Kampf gegen Mobbing: neue Fristen und Neuverteilung der Befugnisse

Das Bildungsministerium hat die Verfahren zur Reaktion auf Fälle von Mobbing in Bildungseinrichtungen aktualisiert. Das Schulpersonal muss eine Meldung über mögliche Gewalt gegen ein Kind innerhalb von 24 Stunden prüfen, und wenn Anzeichen solcher Handlungen festgestellt werden, muss der Leiter der Einrichtung die Nationale Polizei und den Dienst für Kinderangelegenheiten spätestens nach drei Stunden informieren. Die Rolle der Schulkommission ändert sich grundlegend: Sie stellt den Mobbing-Vorfall nicht mehr fest – das ist ausschließlich die Zuständigkeit des Gerichts. Aufgabe der Kommission ist die Bewertung der Situation, die Feststellung der Bedürfnisse des Kindes, die Organisation der nötigen Unterstützung und die Treffen einer Entscheidung in seinem Interesse.

„Sicherer Schulweg“: 840 Schutzräume in grenznahen Gemeinden

Für Kinder, die in den Grenzregionen im Präsenz- oder Mischformat weiterlernen, wird die Initiative „Sicherer Schulweg“ gestartet. Im Rahmen des Projekts ist geplant, in 49 grenznahen Gemeinden 840 mobile Schutzräume zu errichten, in denen der Unterricht trotz der Bedrohung durch Drohnenangriffe fortgesetzt wird. Die Finanzierung des Baus der Schutzräume erfolgt aus Mitteln der rückwärtigen Regionen.

Mehr Stunden Geschichte und Bürgerkunde, ukrainischer Bestandteil für Kinder im Ausland

Im neuen Schuljahr wird die Gesamtstundenzahl der bildungsbezogenen und historischen Bildungsbereiche im Basislehrplan für die Klassen 7–9 um zwei Stunden erhöht. Außerdem wurden in die staatlichen Standards der Grund-, Basis- und profilorientierten Sekundarbildung separate Lehrpläne für Klassen und Gruppen mit ukrainischem Bestandteil aufgenommen. Dies betrifft insbesondere Kinder, die sich im Ausland oder auf vorübergehend besetzten Gebieten befinden und gleichzeitig an ukrainischen und ausländischen Schulen lernen. Der ukrainische Bestandteil umfasst die ukrainische Sprache und Literatur, die Geschichte und Geographie der Ukraine, Grundlagen des Rechts und „Verteidigung der Ukraine“, und die Noten der Fächer, die an der ausländischen Schule erlernt werden, können in der Ukraine angerechnet werden, wenn die Eltern einen Antrag und Bestätigungsdokumente einreichen.

Neue Bewertungskriterien: schrittweise Einführung

Mit dem Schuljahr 2026/2027 beginnt die schrittweise Einführung neuer Kriterien zur Bewertung der Lernergebnisse. Im aktuellen Jahr gelten sie für die Klassen 1–9, im Schuljahr 2027/2028 für die Klassen 1–10 und ab 2028/2029 für die Klassen 1–12. Nach dem neuen Ansatz sollen nicht einfach die erledigte Arbeit, sondern konkrete Lernergebnisse bewertet werden, wofür formative und laufende Bewertung vorgesehen sind. So wird das aktualisierte Bewertungssystem bis zum Beginn des Schuljahres 2027/2028 bereits zehn Klassen umfassen und bis 2028/2029 die gesamte Schule.