In der Ukraine hat eine neue Phase der Oberschulreform begonnen. Ab dem 1. September 2026 sind 150 akademische Lyzeen im ganzen Land auf die Pilotierung eines neuen Unterrichtsmodells für die Klassen 10–12 umgestellt, während der vollständige landesweite Start der Reform auf den 1. September 2027 geplant ist. Damit wird das Schuljahr 2026/2027 zu einem Probelauf: Genau in diesen Einrichtungen werden die neuen Lehrpläne, Profile, Wahlfächer und die Mechanismen zur Gestaltung individueller Bildungspfade der Schüler erprobt.

Profilmodell: drei Cluster und ein individueller Lernweg

Die zentrale Änderung besteht darin, dass die Oberschule profilorientiert wird. Die Schüler können ihre Studienrichtung und die Fächer zur vertieften Bearbeitung gemäß ihren Interessen und Plänen für den künftigen Beruf wählen. Das Lyzeum muss mindestens drei Profile anbieten, die drei Clustern zugeordnet sind: dem naturwissenschaftlich-mathematischen (STEM), dem sprachlich-literarischen und dem sozial-gesellschaftswissenschaftlichen Cluster. In der 10. Klasse ist eine Anpassungsphase vorgesehen, in der der Schüler die gewählte Richtung wechseln kann. Nach Abschluss der 9. Klasse bleiben den Absolventen zwei Hauptwege: das Studium in einem akademischen Lyzeum fortzusetzen oder in ein Kolleg einzutreten.

Modern Learning Spaces: 1,9 Mrd. Hrywnja für STEM-Labore

Die Änderungen betreffen nicht nur die Lehrpläne, sondern auch den Bildungsraum. Im Rahmen des Projekts Modern Learning Spaces werden in 250 Bildungseinrichtungen in 22 Regionen moderne STEM-Räume und Labore eingerichtet; für deren Ausstattung sind 1,9 Mrd. Hrywnja staatlicher Zuschuss vorgesehen. Es geht um Labore und Unterrichtsräume für die Naturwissenschaften, in denen die Schüler nicht nur Theorie lernen, sondern auch Experimente durchführen, an Projekten arbeiten und praktische Fähigkeiten erwerben können. Der Raum soll zudem flexibler gestaltet werden: mit mobiler Möblierung, separaten Laborzonen und interaktiven Oberflächen.

Lehrbücher und Synchronisierung des Übergangs

Die Lehrbasis wird schrittweise und synchron mit dem Übergang zum neuen Modell aktualisiert: Lehrbücher für die 10. Klasse sollen 2027 erscheinen, für die 11. – 2028, für die 12. – 2029. Auf Grundlage der Pilotierung plant das Bildungs- und Wissenschaftsministerium, die notwendigen Entscheidungen anzupassen und das System auf den landesweiten Start vorzubereiten. Der Kontext der Reform wird durch die Daten der NMT-2026 untermauert: Laut Berichten des Mediums haben fast 40.000 Teilnehmer die Mindestpunktzahl in Mathematik nicht erreicht, was nicht nur auf die Schwierigkeit des Tests, sondern auch auf Lücken in den Grundkenntnissen zurückgeführt wird – ein Argument für einen praxisorientierteren Unterricht.

Widersprüchliche Daten

Der offizielle Plan des Bildungsministeriums sieht einen großangelegten Start und eine Pilotierung in 150 Lyzeen vor, doch Experten weisen auf Umsetzungsrisiken vor Ort hin. Laut Berichten spezialisierter Medien können mehr als 200 Gemeinden dasOpening akademischer Lyzeen wegen Personalmangels, fehlender Infrastruktur und Finanzierung nicht bewältigen. Während also die eine Seite die Bereitschaft des Systems und den bewilligten Zuschuss betont, warnt die andere davor, dass das geografische Ausmaß der Reform kleiner ausfallen könnte als angekündigt und Teile der Regionen innerhalb der geplanten Fristen ohne profilorientierte Oberschule bleiben werden.