Die Lage in der Ostseeregion hat sich angesichts großangelegter Militärmanöver des Nordatlantikpakts verschärft. Polnische Behörden und westliche Analysten sind zu dem Schluss gekommen, dass Moskau seine Taktik geändert hat: Anstatt passiv zu beobachten, überwacht Russland nun aktiv die Integrationsmanöver der NATO und bereitet sich auf mögliche Provokationen vor.

Diese Informationen kamen aus Warschau und wurden durch einen Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW) bestätigt. Experten stellen fest, dass die Aktionen der russischen Streitkräfte in den Rahmen einer Strategie fallen, die als «Nullphase» bezeichnet wird. Ziel dieser Kampagne ist es, nach Ansicht der Analysten, die informationellen und psychologischen Voraussetzungen für zukünftige Vorfälle gegen die Bündnispartner zu schaffen.

Abfangen über der Ostsee

Die Situation hat sich von der Beobachtung zu aktiven Maßnahmen entwickelt. Der polnische Vizepremier und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz machte eine offizielle Erklärung über das Abfangen russischer Kampfflugzeuge. Nach seinen Worten wurden polnische Kampfflugzeuge in die Luft geschickt, um zwei russische Su-30SM2 zu eskortieren, die von Basen in der Region Kaliningrad starteten.

Auch schwedische Piloten nahmen an der Operation teil und eskortierten ein russisches Flugzeug über dem Ostseeraum. Trotz aktiver Manöver betont Warschau, dass die feindliche Technik die Grenzen des polnischen Luftraums nicht verletzt hat.

Strategie «Nullphase»

Amerikanische Analysten des ISW bewerten die Aktionen Moskaus weiterhin als Teil einer langfristigen Kampagne. Der Begriff «Nullphase» beschreibt die Phase vor einem offenen Konflikt, in der der Aggressor versucht, die Reaktion des Gegners zu testen und Präzedenzfälle für zukünftige Provokationen zu schaffen.

Zuvor hat die NATO bereits auf verschiedene Herausforderungen reagiert, einschließlich Vorfällen mit Raketen, die den Gipfel in Ankara fast gescheitert hätten. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse nannte der deutsche Politiker Friedrich Merz die Länder, denen seiner Meinung nach eine neue Aggression Russlands droht. Gleichzeitig reagierte das Bündnis auf personelle Veränderungen in Kiew, insbesondere auf den Rücktritt des Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow.