Die Einführung der neuen Generation von Grafikkarten Blackwell (GeForce RTX 50-Serie) brachte Enthusiasten und Profis nicht nur einen Leistungssprung, sondern auch unerwartete Überraschungen bei den Überwachungssystemen. Nutzer weltweit stellten fest, dass beliebte Utilities wie GPU-Z, HWiNFO und MSI Afterburner die Temperatur des heißesten Punkts des Chips (Hotspot) nicht mehr korrekt anzeigten. Anstelle echter Daten zeigten die Programme entweder falsche Werte von 255 °C oder versteckten das Feld ganz.

Die Entwickler der Diagnose-Software stellten schnell die Ursache fest: NVIDIA hat den Zugriff auf diese Daten über die öffentliche Treiber-API vollständig blockiert. Wie sich jedoch herausstellte, ist der physische Sensor nicht verschwunden. Das Unternehmen hat ihn lediglich vor den Augen der normalen Nutzer verborgen, vermutlich, um sie nicht mit hohen Werten zu erschrecken.

Aufdeckung durch Werkssoftware

Die Wahrheit wurde von einem brasilianischen Reparaturteam unter der Leitung von Paulo Gomes und Sidnelson enthüllt. Sie führten eine unabhängige Untersuchung einer GeForce RTX 5070 Ti durch, die ein seltsames Verhalten zeigte: Unter Last senkte das Gerät die Taktraten stark, obwohl die Standardwerte in Windows völlig harmlos aussahen.

Die Experten schlossen die Karte an das interne Diagnosepaket von NVIDIA, MODS (Modular Diagnostic Software), an. Diese Software wird normalerweise in Fabriken und autorisierten Servicezentren zum Testen auf Defekte und zur Überprüfung von Komponenten verwendet. Im Gegensatz zu öffentlichen Programmen liest das MODS-Tool den versteckten Sensor problemlos aus.

Temperaturschock: 107 Grad

Die Diagnoseergebnisse waren schockierend. Laut den Logs des MODS-Tools stieg der versteckte Hotspot der getesteten RTX 5070 Ti praktisch sofort auf 107 °C. Genau diese Grenze ist im BIOS der Blackwell-Karten als Temperaturlimit festgelegt. Während eines Tests erreichte die Karte fünfmal den Throttling-Punkt (Leistungsdrosselung aufgrund von Überhitzung), während der Standard-Sensor für die allgemeine GPU-Temperatur Werte anzeigte, die weit vom kritischen Bereich entfernt waren.

Die tatsächliche Differenz zwischen dem Durchschnittswert der Chiptemperatur und dem heißesten Punkt bei dieser Gigabyte-Grafikkarte betrug etwa 30 Grad. Das bedeutet, dass der Prozessorchip an der Grenze des thermischen Limits arbeitet, während der Nutzer auf dem Bildschirm komfortable Zahlen sieht.

Doppelte Standards in der Branche

Die Situation mit der RTX 5070 Ti weckt ironische Assoziationen mit vergangenen Erfahrungen der Community. Zuvor hatten NVIDIA-Fans AMD wegen eines Unterschieds von 20 bis 25 Grad zwischen der Durchschnittstemperatur und dem Hotspot bei Radeon RX 9000-Grafikkarten getrollt. Damals galt ein solcher Unterschied als relativ normal und wurde in allen Überwachungstools direkt angezeigt, ohne „Tänze mit dem Tamburin“.

Jetzt hat sich die Situation invertiert: NVIDIA hat nicht nur einen hohen Temperaturunterschied, sondern versteckt ihn auch vor dem Nutzer, während der Konkurrent die echten Daten offen anzeigt. Dies wirft Fragen zur Transparenz der Hersteller auf und lässt uns überlegen, wie angemessen wir den Zustand unserer „Hardware“ unter den neuen Bedingungen einschätzen.