Die globalen Energiemärkte stehen erneut unter dem Druck geopolitischer Spannungen. Eine neue Welle der Eskalation im Nahen Osten, ausgelöst durch die Verschärfung der Lage im Hormus-Sund und Vergeltungsschläge der USA gegen den Iran, hat die Ölpreise auf mehrmonatige Höchststände getrieben. Investoren bewerten in Panik die Risiken von Lieferunterbrechungen für das „schwarze Gold' durch diesen wichtigen globalen Engpass.
Steiler Anstieg der Kurse
Stand 14. Juli zeigten die Brent-Ölfutures ein sicheres Plus von 1,5 % und erreichten einen Wert von 84,54 US-Dollar pro Barrel. Auch der amerikanische Referenzstandard WTI zeigte eine positive Dynamik und verteuerte sich um 1,1 % auf 79,02 US-Dollar. Für beide Sorten war dies der höchste Preisstand seit fast einem Monat.
Haupttreiber des Anstiegs ist die Angst vor der Schließung der Lieferadern. In der Nacht zum 12. Juli erklärte der Iran die vollständige Schließung des Hormus-Sunds und beschuldigte mehrere Schiffe, versucht zu haben, einen nicht autorisierten Routen zu passieren. Der Vorfall eskalierte zu einem bewaffneten Konflikt: Iranische Streitkräfte griffen ein Containerschiff an, woraufhin die USA eine Serie von Angriffen auf iranische Ziele verübten.
Prognosen der Analysten und neue Bedrohungen
Experten des Energiesektors sind pessimistisch gestimmt. Analysten der Firma Ritterbusch and Associates warnen, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran sich hinziehen könnte. In einem Bericht der Unternehmensberatung wird darauf hingewiesen, dass die Angriffe an Fahrt gewinnen und zusätzliche Bombardierungen durch die USA, die auf die Wiederaufnahme der Blockade des Sunds folgten, die Situation nur verschlimmern.
Zusätzlichen Druck auf den Markt übten Berichte über einen Angriff auf zwei Öltanker aus, die den VAE gehören. Diese Vorfälle bestätigen die schlimmsten Befürchtungen der Händler: Die Logistikketten in der Region des Persischen Golfs sind einer direkten Bedrohung ausgesetzt.
Position der USA und wirtschaftliche Risiken
Trotz der Erklärungen Teherans hat das US-Zentralbefehlshaberamt (CENTCOM) die Schließung der Wasserstraße kategorisch bestritten und erklärt, dass der Hormus-Sund für die internationale Schifffahrt weiterhin offen bleibt.
Als Reaktion auf die Krise brachte US-Präsident Donald Trump die Frage der finanziellen Verantwortung auf. Ursprünglich forderte Washington eine Entschädigung für die Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt, und Trump schlug sogar eine Gebühr von 20 % für den Durchgang von Schiffen vor. Nach Konsultationen mit den Führern der Nahostländer wurde jedoch von der Idee einer direkten Besteuerung Abstand genommen. Stattdessen setzen die USA auf den Abschluss neuer Handels- und Investitionsabkommen mit den Staaten des Persischen Golfs.
Inflation gegen Nachfrage
Trotz des geopolitischen Aufkommens gibt es Faktoren, die ein weiteres Preisansteigen bremsen könnten. Der wichtigste davon ist die makroökonomische Lage. Eine Verteuerung der Energieträger wird unweigerlich die Inflation anheizen, was die Zentralbanken der Welt dazu zwingen könnte, hohe Zinssätze länger aufrechtzuerhalten. Dies wiederum könnte das Wirtschaftswachstum verlangsamen und die globale Nachfrage nach Öl verringern, wodurch ein Gleichgewicht zwischen Lieferrisiken und Kaufkraft geschaffen wird.