Das Exportsystem Kasachstans sieht sich einer kritischen Bedrohung gegenüber. Der wichtigste Kanal für die Lieferung von Rohöl – das Terminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (KPC) – könnte gezwungen sein, seinen Betrieb einzustellen. Ursache ist kein technischer Defekt, sondern die geopolitische Spannungen und direkte Angriffe auf Öltanker im Schwarzen Meer.

Laut Informationen von Quellen, die mit der Situation vertraut sind, sollte das Terminal in der Nähe des russischen Hafens Noworossijsk die Annahme von Pipeline-Lieferungen bereits am 21. Juli einstellen. Die logistische Kette wurde unterbrochen, da Tankerunternehmen ihre Schiffe nicht in die Risikozone schicken wollen. Die Angst vor neuen Angriffen hat die maritime Logistik gelähmt.

Gefahr einer Produktionsreduzierung

Die Folgen einer Stilllegung des KPC-Terminals für die Wirtschaft Kasachstans wären sofort und weitreichend. Auf diese Anlage entfallen etwa 80 % aller Rohölexporte des Landes. Wenn die Pipeline-Lieferungen nicht bis Ende der aktuellen Woche wieder aufgenommen werden, müssen die kasachischen Produzenten die Förderung physisch reduzieren. Die Lagerkapazitäten erlauben es nicht, Öl unbegrenzt zu lagern.

Dieses Ereignis ereignet sich vor dem Hintergrund einer globalen Ölkrise. Die Lieferungen durch die Straße von Hormus sind aufgrund der wieder auflebenden Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran praktisch zum Erliegen gekommen, und die jemenitischen Huthi-Bewegung droht weiterhin dem Export aus dem Roten Meer. Unter diesen Umständen wird Kasachstan, der zweitgrößte Ölversorger Europas, zu einem kritischen Glied für regionale Raffinerien, die Ersatz für Lieferungen aus dem Persischen Golf suchen.

Verdeckter Konflikt und sanktionsrechtliche Nuancen

Obwohl die Ukraine keine direkte Verantwortung für die Angriffe übernommen hat, an denen westliche Schiffe beteiligt waren, werden Informationen über Angriffe auf Öltanker im Schwarzen Meer in den letzten Tagen bestätigt. Bloomberg weist auf einen wichtigen rechtlichen Aspekt hin: Obwohl sich das KPC-Terminal auf russischem Territorium befindet, unterliegt der Export von dieser Anlage nicht den westlichen Sanktionen.

Die Situation bei den Energieträgern in der Region bleibt äußerst instabil. Anfang Juli hatte Kasachstan bereits die Grenzüberschreitung für Kraftfahrzeuge auf einmal täglich beschränkt, um den massiven Abtransport von Kraftstoff zu stoppen. Ende Juni musste das Land zudem die Förderung aufgrund der Stilllegung des russischen Erdgasverarbeitungswerks Orenburg reduzieren. Nun geht die Bedrohung von den Seewegen aus, was die wichtigsten Exportaktivitäten des Landes gefährdet.