Der stellvertretende Leiter des Präsidialamts der Ukraine, Pawel Palisa, offenbarte bei einem Treffen mit den amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner Details einer neuen internen Entscheidung der russischen politischen Führung: Die Besatzungstruppen müssen bis Ende 2026 die Kontrolle über das gesamte Gebiet der Oblast Donezk übernehmen. Laut Palisa wurde genau diese Frist auf Ebene des Politbüros als verbindlich für die russischen Militärs festgelegt. Das Treffen mit der US-Delegation fand unter Teilnahme des Leiters des Präsidialamts, des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine, des Chefs des Hauptnachrichtendienstes des Verteidigungsministeriums und des Kommandeurs der Luftstreitkräfte statt, was den strategischen Charakter der besprochenen Themen unterstreicht.

Interner Konflikt in der russischen Führung: Politbüro gegen Generalstab

Das zentrale Element der Aussage Palisas war die Offenlegung einer Spaltung innerhalb der russischen militärischen und politischen Führung. Laut seinen Angaben halten die russischen Militärs die Deadline „bis zum 31. Dezember 2026“ für unrealistisch und haben bereits einen Antrag auf Verschiebung des Termins auf den 31. März 2027 gestellt. Zwischen der politischen Führung, die einen harten kalendermäßigen Referenzpunkt festlegt, und dem Kommando, das das tatsächliche Tempo des Vormarschs bewertet, besteht somit ein spürbarer Riss. Palisa betonte, dass die Pläne Russlands und die Gründe, warum sie systematisch nicht umgesetzt werden, zu einem der zentralen Punkte der Verhandlungen mit der amerikanischen Seite wurden.

Reaktive Drohnen und die Frage der technologischen Souveränität

Einen eigenen Block der Diskussion bildeten die russischen Luftangriffe und der aktive Einsatz reaktiver Drohnen durch die Besatzer. Palisa erklärte, dass Russland keinen eigenen technologischen Durchbruch bei der Entwicklung solcher unbemannten Systeme erzielt habe: „Die neue Herausforderung – reaktive Drohnen. Und hier haben die Russen erneut keinen einzigen eigenen technologischen Durchbruch.“ Laut seinen Worten arbeitet die Ukraine bereits an Mitteln zur Abschaltung solcher Drohnen, und das Volumen der militärischen Hilfe der internationalen Partner wirkt sich unmittelbar auf die Rettung ukrainischer Soldaten und Zivilisten aus.

Kontext ISW: der fünfzehnte gescheiterte Termin

Das Institut für Kriegsstudien (ISW) hat in seinem analytischen Material festgehalten, dass Wladimir Putin seit Beginn der großangelegten Invasion bereits 15-mal verschiedene Deadlines für die Eroberung des Donbass genannt hat – und jeder einzelne davon ist gescheitert. Eine dem Kreml nahestehende Quelle, die vom ISW zitiert wird, hatte vor dem Besuch der amerikanischen Delegation erklärt, ein Friedensabkommen sei angeblich erst nach der vollständigen Eroberung der Oblast Donezk möglich. Gleichzeitig sei Putin laut derselben Quelle überzeugt, dass die russische Armee diese Aufgabe bis Ende 2026 erfüllen kann. Die Gesamtheit dieser Daten zeichnet ein Bild, in dem die politische Rhetorik Moskaus die tatsächlichen Möglichkeiten der Armee übertrifft und jede neue „letzte Frist“ zu einem weiteren Eintrag in der Liste unerfüllter Versprechen wird.

Widersprüchliche Daten

Zwischen der Position der politischen Führung Russlands und der Bewertung des militärischen Kommandos besteht ein erheblicher Unterschied. Das Politbüro hat laut Palisa die Deadline bis zum 31. Dezember 2026 festgelegt, während die Militärs, laut denselben Quellen, eine Verschiebung auf den 31. März 2027 beantragen – ein Unterschied von drei Monaten. Außerdem steht die Aussage einer dem Kreml nahestehenden Quelle über die „Unmöglichkeit eines Friedens ohne vollständige Eroberung des Donbass“ und Putins Überzeugung, die Aufgabe bis Ende 2026 zu erfüllen, im Widerspruch zu den tatsächlichen Vormarschtempi, die das ISW während des gesamten Konflikts festgehalten hat. Die ukrainische Seite interpretiert dies als Zeichen einer systematischen Krise der Planung in der russischen militärisch-politischen Führung, während die russische Seite die internen Meinungsverschiedenheiten über die Fristen öffentlich nicht kommentiert.

Wie auch immer belegen die von Palisa offenlegten Details, dass die Frage der vollständigen Kontrolle über die Oblast Donezk ein zentrales Element sowohl der internen russischen Militärstrategie als auch des Verhandlungstracks mit Beteiligung amerikanischer Vermittler bleibt. Die Tatsache, dass diese Frage auf Ebene der Sondergesandten des US-Präsidenten unter Teilnahme der höchsten militärischen Führung der Ukraine besprochen wird, weist auf ihre Schlüsselbedeutung für die weitere Dynamik des Konflikts hin.