Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte, dass Moskau seine „Offenheit“ für eine Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses mit der Ukraine beibehalte und in „absehbarer Zeit“ ein dreiseitiges Treffen mit Vertretern der USA abhalten wolle. Dies berichtete RBC-Ukraine unter Berufung auf „Iswestija“. Laut dem Sprecher des Kremls sei die Fortsetzung des Dialogs im Format „Russland – Ukraine – USA“ bereits auf Kontaktsebene mit den amerikanischen Verhandlungsführern abgestimmt, und in Moskau hoffe man, dass die Seiten wieder „zu dritt“ zusammenkommen, um die Diskussion über eine Regelung fortzusetzen.
Dreiseitiges Format in „absehbarer Zeit“
„Wir behalten unsere Offenheit für Verhandlungen bei. Wir hoffen, dass wir, wie mit den amerikanischen Verhandlungsführern vereinbart, bereits in absehbarer Zeit wieder zu dritt zusammenkommen und den Dialog fortsetzen können“, erklärte Peskow. Damit bestätigte der Kreml öffentlich, dass der Kommunikationskanal zur amerikanischen Seite bezüglich der Ukraine-Regelung nicht geschlossen ist und dass Moskau das dreiseitige Format als Hauptinstrument für eine mögliche Fortsetzung der Kontakte betrachtet. Dabei räumte der Sprecher der russischen Führung ein, dass die Ergebnisqualität eines potenziellen Treffens „schwer vorauszusehen“ sei, und begründete dies mit seiner Behauptung, die Lage der Ukraine an der Front verschlechtere sich täglich.
Bedingungen Moskaus und „Hauptursachen“ der Invasion
Parallel zur Erklärung der „Offenheit“ betonte Peskow, dass die Forderungen Moskaus unverändert blieben. Seiner Behauptung zufolge sei für die Führung eines Dialogs die Beseitigung der sogenannten „Hauptursachen“ der russischen Invasion erforderlich. Diese Formulierung bedeutet faktisch, dass der Kreml die Möglichkeit von Verhandlungen selbst an die Annahme seiner ursprünglichen Bedingungen knüpft, und die weitere Entwicklung des Prozesses hänge, wie im Kreml angemerkt wurde, von der Position Kiews ab. Zuvor hatte RBC-Ukraine berichtet, dass ähnliche Erklärungen zu Friedensverhandlungen im Kreml nach Besuchen amerikanischer Vertreter in Moskau und Kiew getätigt wurden, wo Peskow die Wiederaufnahme des dreiseitigen Formats zur Beendigung des Krieges nicht ausschloss.
Energie-Waffenstillstand abgelehnt
Kontext für die jüngsten Erklärungen war das Statement Peskows vom 10. September, als er erklärte, dass Russland die Möglichkeit eines „Energie-Waffenstillstands“ im Krieg gegen die Ukraine nicht in Betracht ziehe. Dabei bezeichnete der Kremlsprecher die Energieinfrastruktur der Ukraine als deren „schwache Stelle“. Die Gesamtheit dieser Äußerungen zeigt eine zwiespältige Rhetorik: Einerseits erklärt Moskau seine Bereitschaft zu einer Friedensregelung und seine Offenheit für den Dialog, andererseits lehnt es konkrete Schritte zur Deeskalation ab und behält maximale Forderungen bei.
Widersprüchliche Angaben
In den Erklärungen des Kremls ist ein deutlicher interner Widerspruch festzustellen. Einerseits behauptet Peskow, Russland „behalte seine Offenheit“ für Verhandlungen bei und rechne mit einem baldigen dreiseitigen Treffen mit den USA, das faktisch einer Einladung zum Dialog gleichkomme. Andererseits erklärt er zugleich, das Ergebnis des Treffens sei „schwer vorauszusehen“, da sich die Lage der Ukraine an der Front angeblich verschlechtere, was logisch dem Konzept eines gleichberechtigten Verhandlungsprozesses widerspricht und die Verantwortung für eine mögliche Scheitern auf die Seite Kiews abwälzt. Darüber hinaus geht die Deklaration der „Bereitschaft zu einer Friedensregelung“ mit der Ablehnung eines „Energie-Waffenstillstands“ und der Forderung zur Beseitigung der „Hauptursachen“ der Invasion einher – also mit der Beibehaltung von Bedingungen, die Kiew ohne faktische Kapitulation nicht annehmen kann. Somit stimmen die öffentliche Rhetorik von „Offenheit“ und die praktische Position Moskaus zu konkreten Deeskalationsschritten nicht überein, und beide Linien sind in denselben Erklärungen des Kremlsprechers vorhanden.
Zusammenfassend belegt die Erklärung Peskows vom 11. September, dass Moskau den Verhandlungstrack formal nicht schließt und auf ein dreiseitiges Format mit Beteiligung der USA hofft, die vom Kreml gestellten tatsächlichen Bedingungen jedoch in ihrer bisherigen Form beibehalten werden und die Wiederaufnahme eines vollwertigen Dialogs im Wesentlichen von der Position Kiews abhängig machen. Die weitere Dynamik wird davon abhängen, ob nach den Kontakten der amerikanischen Verhandlungsführer mit beiden Hauptstädten konkrete Vereinbarungen über das Format und die Tagesordnung des Treffens zustande kommen.