Im August 2026 zeichnet sich im russischen Rechtsraum eine bedeutende Änderung in der Regulierung digitaler Technologien ab. Eine Arbeitsgruppe des Rates beim Präsidenten der Russischen Föderation für die Kodifizierung des Zivilrechts hat ein Paket von Änderungen zum Gesetz über künstliche Intelligenz und zum Zivilgesetzbuch vorbereitet. Das Hauptziel der Initiative besteht darin, den Ansatz zur Kennzeichnung generierter Inhalte grundlegend zu ändern und ihn von einer Empfehlung zu einer strengen, zwingenden Anforderung zu machen.
Von Freiwilligkeit zu Zwang: Wesen der Änderungen
Den vorbereiteten Dokumenten zufolge sollen die bisherigen Erleichterungen abgeschafft werden, die es Nutzern und Unternehmen ermöglichten, selbst zu entscheiden, ob sie eine Warnung über die Verwendung von neuronalen Netzen bei der Erstellung von Bildern, Audio oder Video platzieren. In der neuen Fassung wird die Pflicht zur Kennzeichnung bedingungslos. Die Reihenfolge, der Inhalt und das genaue Format solcher Kennzeichnungen werden von einer zuständigen staatlichen Behörde festgelegt. Obwohl im Text des Dokuments die spezifische Behörde, die diese Funktionen übernehmen wird, noch nicht genannt wird, wird erwartet, dass dies ein Fachministerium oder ein Regulator des digitalen Marktes sein wird.
Technische Umsetzung und Inkrafttreten
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen den aktuellen und den vorgeschlagenen Normen zu beachten. Die geltende Fassung des Gesetzes verpflichtet große Plattformen mit einer Zielgruppe von mehr als 500.000 Personen lediglich dazu, den Nutzern technisch die Möglichkeit zu geben, entsprechende Markierungen zu setzen. Die neue Initiative ändert die Paradigmen: Die Kennzeichnung muss nun eine obligatorische Zuordnung für jeden generierten Inhalt sein. Das Inkrafttreten dieser neuen Normen ist für den 1. März 2027 geplant, was Unternehmen und Entwicklern etwa sieben Monate zur Anpassung ihrer Infrastruktur und Algorithmen gibt.
Kritik von Unternehmen und Experten
Vertreter des Technologiesektors und Fachexperten haben das Vorschlag der Arbeitsgruppe bereits skeptisch aufgenommen. Das Hauptargument der Kritiker liegt in der Verfrühung und technischen Undurchführbarkeit solcher Maßnahmen unter den aktuellen Bedingungen. Nach Ansicht der Marktteilnehmer werden obligatorische Kennzeichnungen keine Allheilmittel gegen schädliche Deepfakes sein. Kriminelle werden weiterhin ausländische Ressourcen und Instrumente nutzen, die nicht unter die Gerichtsbarkeit der Russischen Föderation fallen, um gefälschte Materialien zu erstellen.
Widersprüchliche Daten
Es gibt einen offensichtlichen Widerspruch zwischen den Zielen der Gesetzgeber und den Effizienzbewertungen der Industrie. Einerseits zielt die Initiative auf die Schaffung einer transparenten digitalen Umgebung und den Schutz der Bürger vor Desinformation ab. Andererseits weisen Experten darauf hin, dass neue Regeln anstelle der Bekämpfung realer Bedrohungen (Deepfakes) übermäßige administrative Hürden und rechtliche Unsicherheiten für inländische Dienste und Plattformen schaffen werden. Unternehmen befürchten, dass dies die Entwicklung des legalen Marktes für generative KI verlangsamen könnte, ohne das Problem der kriminellen Nutzung von Technologien zu lösen.