In Polen wird ein radikal neuer rechtlicher Mechanismus entwickelt, der den legislativen Vakuum zwischen Friedenszeiten und dem offiziellen Beginn von Kampfhandlungen schließen soll. Der Berater des Ministers für nationale Verteidigung, Maciej Samsonowicz, kündigte die Schaffung des Status „Zustand der vollen staatlichen Kriegsbereitschaft' an.

Dieser Schritt zielt darauf ab, dass Warschau Ressourcen schnell mobilisieren und Truppen einsetzen kann, ohne auf die formale Erklärung des Kriegsrechts zu warten, was unter den aktuellen Realitäten eine zu späte Entscheidung sein könnte.

Schließung der rechtlichen Lücke

Laut Samsonowicz berücksichtigt die geltende Rechtsgrundlage nicht Szenarien, in denen die Bedrohung durch eine Invasion bereits über dem Land hängt, die rechtlichen Verfahren für den Ausnahmezustand jedoch noch nicht eingeleitet wurden. Der neue Status wird der Regierung ermöglichen, die Vorbereitung strategischer Infrastrukturen und die Aufnahme von Kräften der NATO-Verbündeten in den frühesten Phasen der Eskalation zu beginnen.

„Wir können nicht anderthalb Jahre oder die üblichen zwei oder drei Jahre warten, um etwas zu bauen', betonte der Berater und kritisierte bürokratische Verfahren, die kritisch wichtige Sicherheitsprojekte blockieren könnten.

Beschleunigung von Bau und Logistik

Parallel zur Einführung des neuen Status bereitet das Verteidigungsministerium einen Gesetzentwurf zu strategischen Investitionen vor. Sein Hauptziel ist die Vereinfachung von Verwaltungs- und Umweltverfahren für den Bau von Verteidigungsanlagen. Priorität haben Straßen, Häfen, Flugplätze und Kraftstofflager.

Im Falle einer Verschärfung der Lage wird die Armee erweiterte Befugnisse zur Koordination von Militärkonvois noch vor Beginn aktiver Kampfhandlungen erhalten. Polen plant zudem, europäische Fonds im Rahmen des Konzepts „Militärischer Schengen' für die Modernisierung der Logistik und die schnelle Aufnahme von Hilfe durch Partner zu nutzen.

Verschärfung der Disziplin und „Ost-Schild'

Angesichts des umfassenden russischen Einmarschs in die Ukraine überarbeitet Warschau auch das Strafrecht. In der Armee sollen strenge Strafen eingeführt werden – bis zu 30 Jahre Freiheitsentzug für Ungehorsam gegenüber Befehlen. Die Reformen basieren auf der Erfahrung des ukrainischen Widerstands.

Gleichzeitig wird die Grenze zu Russland und Belarus im Rahmen des Programms „Ost-Schild' weiter gestärkt. Die Geschwindigkeit der Arbeiten bleibt jedoch Gegenstand öffentlicher Diskussionen: In sechs Monaten umfasste das umfangreiche Programm lediglich 61 Kilometer der Grenze.

Gegenwärtig befinden sich die Dokumente in der internen Ausarbeitung; der Zeitpunkt ihrer Einbringung im Sejm ist noch nicht festgelegt. Zuvor hatte der polnische Außenminister Radosław Sikorski erklärt, dass Russland keine Ressourcen für einen direkten Angriff habe, aber Warschau handele weiterhin im Voraus.