Ukrainische Staatsbürger sind zum Fundament der modernen Arbeitskräfte in Polen geworden. Stand Januar 2026 sind offiziell 757.700 unserer Landsleute im Land beschäftigt. Diese Zahl macht fast 68 % aller in Polen arbeitenden Ausländer aus. Daten, die von der Agentur RBC-Ukraine unter Berufung auf einen Bericht des Analysecenters Gremi Personal veröffentlicht wurden, belegen, dass die Arbeitsmigration kein vorübergehendes Phänomen mehr ist.

Strukturelle Veränderung der Wirtschaft

Experten betonen, dass die Abhängigkeit des polnischen Arbeitsmarktes von ukrainischen Fachkräften bereits zur Norm geworden ist. Der Gründer von Gremi Personal, Jewhen Kyrytschenko, stellt fest, dass die Anwesenheit von über einer Million ausländischer Arbeitnehmer im Land nicht nur eine Reaktion auf einen temporären Mangel an Personal ist, sondern eine tiefe strukturelle Veränderung der Wirtschaft darstellt.

„Der Gewohnheit des Geschäfts ist es, unter Bedingungen zu arbeiten, unter denen ein normales Funktionieren von Produktion, Logistik, Bauwesen, Dienstleistungssektor und Landwirtschaft ohne Ausländer unmöglich ist“, so Kyrytschenko. Dies bedeutet, dass Schlüsselbranchen der polnischen Wirtschaft derzeit ohne den Zustrom von Arbeitskräften aus der Ukraine nicht im gewohnten Modus funktionieren können.

Zukünftiger Wettbewerb um Personal

Analysten warnen vor den langfristigen Folgen dieses Trends für die gesamte Region Mittel- und Osteuropas. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wird die Ukraine mit der Notwendigkeit konfrontiert sein, die Wirtschaft gleichzeitig wiederherzustellen, großangelegte Infrastrukturprojekte umzusetzen und demografische Verluste zu kompensieren.

In derselben Zeit werden jedoch Polen, Deutschland, Tschechien und andere Länder einen Bedarf an Arbeitskräften haben. Experten prognostizieren den Beginn eines harten Wettbewerbs um dieselbe Kategorie von Arbeitnehmern. Wenn ein erheblicher Teil der Ukrainer weiterhin Arbeit im Ausland wählt, riskiert die Ukraine, genau dann mit einem kritischen Mangel an Personal konfrontiert zu werden, wenn sie für den Wiederaufbau des Landes benötigt werden.

Reaktion der Gesetzgebung und des Marktes

Während in der Ukraine das Problem bisher auf dem Niveau politischer Erklärungen ohne konkrete gesetzgeberische Schritte bleibt, wird in Polen die Kontrolle über die Einhaltung der Arbeitnehmerrechte verschärft. Seit dem 8. Juli 2026 wurden im Land verstärkte Prüfungen von Arbeitsverträgen von Ausländern eingeführt.

Die Arbeitsinspektion hat nun das Recht, zivilrechtliche Verträge zwangsweise in offizielle Arbeitsverträge umzuwandeln, wenn festgestellt wird, dass der Arbeitnehmer tatsächlich die Funktionen eines festangestellten Mitarbeiters erfüllt. Parallel dazu steigt die Nachfrage nach temporärem Personal: Die Anzahl entsprechender Anfragen von Arbeitgebern hat sich allein im April 2026 um 10 % erhöht.