Die aktuellen Obergrenzen für Strompreise bergen ernsthafte Risiken für die Energiesicherheit der Ukraine in der kommenden Winterperiode. Nach Einschätzung von Experten des Ukrainischen Nationalkomitees der Internationalen Handelskammer (ICC Ukraine) könnten bestehende Limits die Möglichkeit blockieren, notwendige Importe anzuziehen und die Regelerzeugung in kritischen Defizitstunden zu stimulieren.

NEURC-Entwurf und ICC-Position

Vor dem Hintergrund der Vorbereitungen auf die Heizperiode hat die Nationale Kommission für staatliche Regulierung in den Bereichen Energie und kommunale Dienstleistungen (NEURC) einen neuen Resolutionsentwurf veröffentlicht. Das Dokument schlägt vor, die maximale Preisobergrenze auf dem Day-Ahead- und Intraday-Markt auf 15.000 UAH/MWh festzulegen. Die Expertengemeinschaft hält diese Schwelle jedoch für unzureichend, um den Marktbedarf vollständig zu decken.

Der Vizepräsident für Energiefragen von ICC Ukraine, Oleksandr Trokhymets, betonte, dass im Winter die Strompreise in den benachbarten EU-Ländern die ukrainische Preisdecke überschreiten könnten. Infolgedessen würde eine paradoxe Situation entstehen: Die physisch knappe Ressource in Europa wäre verfügbar, die Netzkapazitäten würden den Transfer erlauben, aber kommerzielle Importe wären aufgrund künstlicher interner Beschränkungen unmöglich.

Bedrohungen für Gaserzeugung und Notfallreparaturen

Zusätzlich zu den Importen untergraben starre Preisobergrenzen die Möglichkeiten des beschleunigten Ausbaus der dezentralen Gaserzeugung. Solche Mini-Kraftwerke können Energieengpässe schnell ausgleichen, aber die hohen Betriebskosten unter strenger Preisregulierung machen den Betrieb wirtschaftlich unrentabel.

ICC Ukraine ist davon überzeugt, dass ein optimaler Kompromiss darin bestünde, die maximale Preisobergrenze auf 18.000 UAH/MWh anzuheben. Dies bedeutet keinen automatischen skandalösen Anstieg der Tarife auf diesen Betrag, schafft jedoch ein flexibles Marktsignal, um Notfalllieferungen anzuziehen und fortlaufende Reparaturarbeiten an kritischen Infrastruktureinrichtungen zu finanzieren, die von regelmäßigen Beschuss betroffen sind.