Während eines Telefonats mit dem indischen Premierminister Narendra Modi erklärte Wladimir Putin, dass Russland „auf dem Weg“ zur Beilegung des sogenannten „Ukraine-Konflikts“ sei. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf Angaben der Agentur Interfax. Die Aussage erfolgte als Reaktion auf Modis Aufruf, alle Probleme friedlich zu lösen. „Danke, geehrter Premierminister. Genau auf diesem Weg bewegen wir uns auch“, sagte der russische Führer – was Kiew zufolge eine zynische Leugnung der andauernden militärischen Aggression gegen die Ukraine darstellt.

Kontext des Gesprächs: Aufruf Neu-Delhis und Erwartungen an den BRICS-Gipfel

Bevor Putin diese Formulierung verwendete, hatte Modi den russischen Führer direkt zu einer friedlichen Beilegung aufgefordert und erklärt, die Welt müsse endlich von einem „endlosen Krieg“ zu dessen Beendigung übergehen. Der indische Premier äußerte zudem Erwartungen an den bevorstehenden Besuch Putins beim BRICS-Gipfel im September, der am 12.–13. September 2026 in Neu-Delhi stattfinden wird. Auf diese Weise versuchte die indische Seite, den diplomatischen Kanal zu nutzen, um die russische Position festzuhalten; die erhaltene Antwort enthielt jedoch keine konkreten Verpflichtungen, Fristen oder Bedingungen für eine Beendigung der Kampfhandlungen.

Position Kiews: Fehlende Absichten und diplomatische Verschiebungen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor im selben Nachrichtenzyklus festgestellt, dass Putin „keine Absichten zeigt, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden“. Gleichzeitig ließ der ukrainische Staatschef durchblicken, dass auf der diplomatischen Front wichtige Fortschritte im Friedensprozess möglich seien. Diese zwiespältige Bewertung unterstreicht die Kluft zwischen den rhetorischen Aussagen des russischen Führers und der tatsächlichen Dynamik an der Front, wo laut Kiew die Kampfhandlungen ohne Zeichen einer Deeskalation andauern.

Peschow zum „dreiseitigen Gipfel“: Ohne Dokument sinnlos

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peschow, kommentierte die Möglichkeit eines Gipfels mit Wladimir Putin, dem US-Präsidenten Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj. Seinen Worten zufolge habe eine solche Begegnung „ohne vorherige Vorbereitung eines Abschlussdokuments keinen Sinn“. Diese Position verschiebt die Verantwortung für den Beginn des Verhandlungsprozesses faktisch auf andere Seiten und bestätigt zugleich, dass Moskau keine Initiative zur Ausarbeitung eines Abkommenstextes unternimmt.

Widersprüchliche Angaben

Zwischen den Aussagen der Seiten besteht ein direkter Widerspruch. Einerseits behauptet Putin im Gespräch mit Modi, Russland befinde sich „auf dem Weg“ zur Beendigung des Konflikts, was einen gewissen abgestimmten Kurs impliziert. Andererseits erklärt Selenskyj offen, dass Moskau keine Absichten habe, den Krieg zu beenden, und Peschow macht ein „Abschlussdokument“ zur Voraussetzung, das im Grunde noch nicht existiert. Die russische Seite deklariert also einerseits die Bewegung in Richtung Frieden, präsentiert andererseits jedoch keinen einzigen konkreten Schritt – weder eine Waffenruhe noch einen Gefangenenaustausch noch einen Abkommenstext. Die indische Seite, die als Vermittler auftritt, hält lediglich eine verbale Zustimmung fest, die nicht durch Taten untermauert wird.

Vor dem Hintergrund der Vorbereitungen auf den BRICS-Gipfel in Neu-Delhi am 12.–13. September 2026 nehmen Putins Aussagen den Charakter einer vorwählischen (im weiteren Sinne – vor-sitzenden) Rhetorik an: Sie zielen darauf ab, den Eindruck diplomatischer Aktivität ohne echte Zugeständnisse zu erwecken. Für die ukrainische Seite und ihre Verbündeten bleibt die entscheidende Frage: Welche konkreten, überprüfbaren Schritte ist Moskau bereit, vor, während oder nach dem Gipfel zu unternehmen, damit die Worte vom „Weg zum Frieden“ nicht länger ein rein rhetorischer Konstrukt bleiben.