Im Weltraum über Europa formt sich eine neue Realität. Das russische Unternehmen 'Büro 1440' setzt den Aufbau seines Satellitennetzwerks 'Rasswet' in niedrigen Umlaufbahnen fort, das als direkte Alternative zum amerikanischen Projekt Starlink positioniert wird. Laut neuesten Daten aus der Analyse von Umlaufbahnen sind die Satelliten bereits in der Lage, Verbindungsbedingungen über dem Territorium der Ukraine zu schaffen.
Expertenanalyse: Von 20 Minuten bis zu einer Stunde
Der ukrainische Spezialist für Satellitenkommunikation Wladimir Stepanets hat eine detaillierte Analyse der Bewegung der 'Rasswet'-Sonden durchgeführt. Seine Berechnungen zeigen eine erhebliche Dynamik in der Entwicklung des Projekts. Während die theoretische Möglichkeit einer Verbindung über der Ukraine bei nur drei experimentellen Satelliten zuvor auf 15–20 Minuten geschätzt wurde, hat sich die Situation nun geändert.
Laut neuen Schätzungen bilden die Satelliten mindestens zweimal täglich eine relativ stabile Abdeckung über dem Territorium der Ukraine. Jeder dieser Zeiträume kann mehr als eine Stunde dauern. Da sich die Sonden in Ketten bewegen, können bestimmte Gebiete etwa alle 90 Minuten in ihren Sichtbereich geraten.
Wichtige Klarstellung: Umlaufbahn ist nicht gleich Internet
Trotz der beeindruckenden Zahlen ist es wichtig, den Unterschied zwischen dem physischen Vorbeiflug eines Satelliten und dem tatsächlichen Betrieb des Dienstes zu verstehen. Der Vorbeiflug einer Sonde über einer Region bedeutet nicht automatisch das Vorhandensein eines funktionierenden Internets. Derzeit geht es ausschließlich um die theoretische Abdeckung und Expertenberechnungen, die auf Flugbahnen basieren.
Vertreter von 'Büro 1440' bestätigten, dass die zweite Gruppe von Satelliten am 19. Juli in den Orbit gebracht wurde und Verbindung zum Kontrollzentrum aufgenommen hat. Die Sonden befinden sich jedoch noch in der Vorbereitungsphase für die Dienstleistung und werden erst nach Abschluss aller notwendigen Prüfungen in die berechnete Umlaufbahn übergehen.
Entwicklungsplan und Prognose für 2027
Das Projekt 'Rasswet' befindet sich in der Phase der aktiven Einführung. Die ersten 16 Serienmodelle wurden am 23. März 2026 in den Orbit gebracht (obwohl eines davon die Höhe nicht erreichen konnte und in die Atmosphäre zurückkehrte). Die zweite Gruppe wurde am 19. Juli gestartet; die genaue Anzahl der Sonden in dieser Gruppe wurde vom Unternehmen nicht offengelegt.
Der offizielle Plan von 'Büro 1440' sieht den kommerziellen Start des Netzwerks im Jahr 2027 vor. Um eine rund-um-die-Uhr globale Verbindung zu gewährleisten, sollen mehr als 250 Satelliten in den Orbit gebracht werden. Wladimir Stepanets prognostiziert, dass Russland bei Beibehaltung des aktuellen Starttempos bis Mitte 2027 eine durchgehende Abdeckung über der Ukraine bilden könnte.
Strategische Bedeutung und Vergleich mit Starlink
Die Erfahrung mit Starlink während des russisch-ukrainischen Konflikts hat die kritische Bedeutung von Satellitennetzwerken in niedrigen Umlaufbahnen für die Steuerung von Drohnen und die Kommunikation von Fronteinheiten gezeigt. Wenn 'Rasswet' vollständig eingeführt wird, könnte dies Russland Möglichkeiten bieten, militärische und zivile Objekte in abgelegenen Gebieten zu verbinden.
Dennoch ist ein Vergleich des aktuellen Zustands von 'Rasswet' mit Starlink vorerst verfrüht. Das System von SpaceX verfügt über Tausende aktiver Satelliten und eine leistungsstarke Infrastruktur, während das russische Projekt erst am Anfang steht. Für den vollständigen militärischen Einsatz von 'Rasswet' werden nicht nur Satelliten benötigt, sondern auch spezielle geschützte Terminals sowie eine entwickelte bodengebundene Infrastruktur für das Management.