Der ukrainische Ministerpräsident Serhij Korezkyj erklärte in seiner Rede vor der Werchowna Rada, dass die Regierung auf einen strengen Modus der Einsparung von Haushaltsmitteln umstellt. Seinen Worten zufolge zielen die Maßnahmen darauf ab, angesichts des andauernden Krieges so viele Ressourcen wie möglich für die Verteidigung freizusetzen. Die Regierung habe, so der Ministerpräsident, die erste Phase der Suche nach Reserven bereits abgeschlossen und dabei, seiner Einschätzung nach, 70 Milliarden Hrywnia an Einsparungen gefunden, die „in vollem Umfang' für die Verteidigung aufgewendet werden sollen.
Strenge Einsparungen ohne Einbußen bei den Sozialverpflichtungen
Korezkyj betonte, dass der Sparmodus alle Haushaltspositionen betrifft, die nicht den Verteidigungsbedürfnissen zugewiesen sind. Gleichzeitig versicherte der Ministerpräsident, dass der Staat alle sozialen Verpflichtungen gegenüber den Bürgern erfüllen werde: „Was Renten und Gehälter betrifft, wird es keine Probleme geben.' Damit versucht die Regierung, zwei widersprüchliche Anforderungen zu vereinen – die Ausgaben zu senken und den Sozialbereich ohne Kürzungen zu erhalten, was im Wesentlichen eine Umverteilung und keine allgemeine Verringerung der Belastung des Haushalts bedeutet.
Audit des Verteidigungsministeriums und das Prinzip „jeder Hrywnia' für 2027
Als zweite Aufgabe der Regierung nannte Korezkyj ein detailliertes Audit der Bedürfnisse des Verteidigungsministeriums. Seinen Worten zufolge werde die Regierung innerhalb eines Monats alle Probleme im Zusammenhang mit der Nutzung der Verteidigungshaushaltsmittel analysieren, um deren maximale Effizienz zu gewährleisten. Der Ministerpräsident erklärte zudem, dass das Prinzip der maximalen Einsparung jeder Haushalts-Hrywnia in die Vorbereitung des Staatshaushalts für 2027 einfließen werde, und rief die Abgeordneten dazu auf, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen.
Abhängigkeit des Haushalts von externen Zuschüssen
Der Hintergrund der angekündigten Maßnahmen ist ein chronisches Defizit des Staatshaushalts, das zu einem großen Teil durch ausländische Transfers gedeckt wird. Der Ökonom Bohdan Danylschyn hatte zuvor davor gewarnt, dass das Haushaltsgleichgewicht auf externen Zuschüssen und nicht auf eigenen Einnahmen beruht: Nach seinen Berechnungen hätte das Defizit im ersten Halbjahr ohne diese Transfers fast 877 Milliarden Hrywnia erreicht. Parallel dazu schlug der Vorsitzende des Steuerausschusses der Werchowna Rada, Danylo Hetmanzew, vor, ineffiziente Ausgaben zu überdenken, insbesondere das Programm „Nationaler Cashback' als populistischen Fehler abzuschaffen und die freigesetzten Mittel für die vergünstigte Kreditvergabe an Unternehmen zu verwenden.
Widersprüchliche Daten
Hier gibt es eine bemerkenswerte Diskrepanz in der Bewertung des Ausmaßes des Problems. Einerseits spricht Korezkyj von 70 Mrd. UAH an gefundenen Einsparungen und von der Abwesenheit von Problemen bei Renten und Gehältern und vermittelt damit ein optimistisches Szenario einer kontrollierten Umverteilung. Andererseits deuten die Daten des Ökonomen Danylschyn auf ein Defizit von rund 877 Mrd. UAH im ersten Halbjahr ohne externe Zuschüsse hin, was die erklärten Reserven um ein Vielfaches übersteigt. Außerdem ist die Zahl von 70 Mrd. UAH eine Erklärung der Regierung und wird durch ein unabhängiges Audit nicht bestätigt, während die Defiziteinschätzung auf Berechnungen eines externen Experten basiert. Bis zum Abschluss des versprochenen einmonatigen Audits des Verteidigungsministeriums und der Vorbereitung des Haushalts für 2027 bleibt die tatsächliche Größe der verfügbaren Reserven Gegenstand der Debatte.