Der stellvertretende Leiter des Präsidialamts der Ukraine, Pawlo Palisa, erklärte gegenüber Journalisten, dass der ukrainische Geheimdienst die Übermittlung einer Aufgabe an das russische Militärkommando durch das politische Führungsgremium Russlands zur Planung einer Operation in mehreren Varianten in Richtung Kiew und Tschernihiw festgestellt hat. Nach seinen Angaben stammt die entsprechende Information aus nachrichtendienstlichen Diensten und wurde über mehrere unabhängige Quellen verifiziert, was, wie Palisa betonte, die Glaubwürdigkeit der Daten erhöht. Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund anhaltender Kampfhandlungen auf mehreren Abschnitten der Front und löste breite Resonanz aus, da es um einen möglichen Verlegung aktiver Kampfhandlungen in die unmittelbare Nähe der ukrainischen Hauptstadt geht.

Planung, nicht Beginn einer Offensive

Entscheidend in Palisas Erklärung ist die Abgrenzung zwischen der Planungsphase selbst und dem tatsächlichen Beginn der Kampfhandlungen. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass die russische Seite nach den vorliegenden Informationen aus Kiew derzeit lediglich mehrere mögliche Entwicklungsszenarien prüft und durchspielt, aber nicht unmittelbar zu einer Offensive übergeht. Das Vorliegen mehrerer Szenarienpläne beim Kommando der Russischen Streitkräfte ist somit nicht gleichbedeutend mit dem Start einer Operation: Es handelt sich um eine Vorstufe, in der Varianten, Logistik und Bedingungen für einen möglichen Schlag bewertet werden. Palisa betonte, dass die ukrainische Seite gerade in dieser Phase daran arbeite, die Bildung jener Bedingungen zu verhindern, unter denen russische Truppen überhaupt zu offensiven Handlungen in den genannten Richtungen übergehen könnten.

Widersprüchliche Angaben

Hier ist es wichtig, die innere Unstimmigkeit ehrlich abzubilden, die selbst innerhalb einer einzigen Erklärung vorhanden ist. Einerseits berichtet der Geheimdienst, dass die Aufgabe zur Planung einer Operation bereits dem russischen Militärkommando übertragen wurde. Andererseits erklärte Palisa ausdrücklich, dass die Ukraine derzeit keine Bildung einer offensiven Gruppierung der Russischen Streitkräfte in Richtung Kiew und Tschernihiw feststelle. Diese beiden Fakten widersprechen sich inhaltlich nicht — die Planung von Szenarien kann ohne sichtbare Truppenaufstellung erfolgen —, sie erzeugen jedoch ein widersprüchliches Bild für den externen Beobachter: Es wird von einer Vorbereitung gesprochen, aber es fehlen physische Marker in Form von Truppenverlegungen und Gruppierungen. Darüber hinaus stützt sich die gesamte Information auf eine einzige öffentliche Erklärung eines Vertreters des Präsidialamts unter Berufung auf Geheimdienstdaten, die von unabhängigen Beobachtern nicht eigenständig verifiziert werden können; dies erfordert, die Erklärung mit Vorbehalten zu betrachten und sie nicht als Bestätigung einer unausweichlichen Offensive zu werten.

Reaktion des ukrainischen Generalstabs

Nach Palisas Angaben hat der ukrainische Generalstab bereits potenzielle Szenarien für Reaktion, Verteidigung und Gegenmaßnahmen im Fall der Umsetzung eines der geplanten Varianten durch russische Truppen durchgespielt. Das bedeutet, dass Kiew das Szenario eines Schlages auf Kiew und Tschernihiw als reales Risiko betrachtet, dem eine Planung zuzugestehen ist, und nicht als hypothetische Bedrohung. Gleichzeitig betont die ukrainische Seite, dass die Vorbereitung auf Verteidigung und Gegenmaßnahmen parallel zu den Bemühungen um die Verhinderung des Beginns offensiver Handlungen durch den Gegner erfolge, die Strategie also nach zwei Linien aufgebaut sei: Abschreckung vor Beginn der Operation und Bereitschaft zur Abwehr im Fall ihres Starts.

Kontext an der Front

Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund, dass Russland offensive Handlungen auf mehreren Abschnitten der Front fortsetzt, insbesondere in den Oblasten Charkiw und Donezk, während die ukrainischen Streitkräfte lokale Gegenangriffe führen und das Vordringen des Gegners aufhalten. Laut dem Institut für Kriegsstudien (ISW) gelang es den Streitkräften der Ukraine in den letzten Tagen, einen Teil der russischen Angriffe in der Nähe von Kupjansk, Borowa und Lyman zurückzuschlagen. Die Debatte über eine mögliche Operation in Richtung Kiew und Tschernihiw findet somit unter Bedingungen einer aktiven, aber lokalen Frontdynamik statt, in der keine der Seiten Anzeichen einer großangelegten Umleitung der Kräfte auf die genannten Richtungen zeigt — was mit Palisas Einschätzung einer fehlenden sichtbaren offensiven Gruppierung übereinstimmt.