In russischen sozialen Medien ist ein starker Anstieg der Anzahl von Inseraten zur Rekrutierung für den Militärdienst nach Vertrag zur Teilnahme an Kampfhandlungen gegen die Ukraine festzustellen. Laut Angaben der Moscow Times, auf die RBC-Ukraine verweist, erscheinen täglich in „VKontakte“ und „Odnoklassniki“ Tausende gleichartiger Beiträge, von denen ein erheblicher Teil nicht in Militär-Publik, sondern in Communities zur Jobsuche veröffentlicht wird. In den Texten wird potenziellen Vertragskräften Millionenbeträge, soziale Vergünstigungen für die Soldaten selbst und ihre Familienangehörigen sowie die Möglichkeit der Tilgung von Schulden in Höhe von bis zu 10 Mio. Rubel in Aussicht gestellt. Einzelne Inserate werden mit dem Aufruf begleitet, den Vertrag „vor Beginn einer neuen Mobilisierung“ zu unterzeichnen, was auf einen Versuch der Rekrutierer hinweist, eine mögliche administrative Entscheidung zu übergreifen.

Werbung „alle werden aufgenommen“: von Hepatitis bis Kategorie „D“

Besondere Aufmerksamkeit ziehen Beiträge auf sich, in denen Rekrutierer erklären, bereit zu sein, Kandidaten mit schweren Erkrankungen und formell nicht diensttaugliche Personen aufzunehmen. In einem der Inserate, das in der Region Woronesch veröffentlicht wurde, heißt es wörtlich: „Hepatitis, HIV, Syphilis und andere Erkrankungen – wir sind bereit, alle aufzunehmen!“. Dabei gehören HIV-Infektion und bestimmte Formen chronischer Virushepatitis zu den Erkrankungen, die nach geltenden Regeln einen Grund für die Einschränkung des Vertragsabschlusses während der Mobilisierung, des Kriegszustands und der Kriegszeit darstellen können. Die Rekrutierer bieten inzwischen auch Männern mit der Kategorie „D“, die für den Militärdienst untauglich bedeutet – einschließlich aufgrund psychischer Störungen und Drogenabhängigkeit –, den Dienst an und versprechen, solche Kandidaturen „streng vertraulich“ zu prüfen.

Wo und mit welchen Beträgen wird rekrutiert

Die Werbung ist nicht mehr ausschließlich „militärisch“: Inserate erscheinen in Gruppen lokaler Verwaltungen, Häuser der Kultur, auf Seiten zur Jobsuche und in anderen lokalen Publik, nicht nur in spezialisierten sozialen Medien. Die in Aussicht gestellten Beträge unterscheiden sich je nach Region. Als Beispiel führt die Publikation die offizielle Gruppe der Regierung der Region Transbaikal an, wo eine Einmalzahlung von 2,6 Mio. Rubel, 210.000 Rubel monatlich und 5,6 Mio. Rubel für ein Jahr Dienst in Aussicht gestellt wurden. Eine solche regionale Differenzierung und die Platzierung der Werbung in „zivilen“ Communities belegen den Versuch der Rekrutierer, die Reichweite über den gewohnten Militärinhalt hinaus zu erweitern.

Widersprüchliche Daten

Hier liegen zwei wesentliche Ungereimtheiten vor. Erstens – zwischen Werbung und normativen Einschränkungen: Die Rekrutierer erklären öffentlich, bereit zu sein, Menschen mit HIV, Syphilis und der Kategorie „D“ aufzunehmen, während ein Teil dieser Zustände nach dem Verzeichnis den Vertragsabschluss in Kriegszeit einschränken kann; die Versprechen „alle werden aufgenommen“ sind also nicht durch die tatsächliche Aufnahme solcher Personen belegt und können lediglich ein Marketingmanöver sein. Zweitens – zwischen der aggressiven Werbekampagne und der Erhöhung der Zahlungen auf der einen Seite und den tatsächlichen Rekrutierungstempi auf der anderen: Nach vorliegenden Angaben haben im Januar–August 2026 rund 234.000 Russen einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium geschlossen, was 10 % weniger ist als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Mit anderen Worten: Trotz der Absenkung der „Einstiegshürde“ in der Werbung und der Erhöhung der Geldbeträge sinkt der Gesamtzufluss der Unterzeichner, was die Effektivität der aktuellen Rekrutierungsstrategie in Frage stellt.

Kontext: Ausreise und Mobilmachungsdokumente

Im Zuge der Intensivierung der Vertragsrekrutierung wurden in Russland gleichzeitig die Einschränkungen für die Ausreise wehrpflichtiger Reservisten ins Ausland verschärft. Nach vorliegenden Informationen wurde der erste Fall festgehalten, in dem ein Reservist wegen eines in seinen Dokumenten eingetragenen Mobilmachungsbefehls nicht aus dem Land gelassen wurde. Die Gesamtheit dieser Maßnahmen – die Massenwerbung für den Vertrag, das Versprechen „alle werden aufgenommen“ und das Schließen der Ausreise-„Fenster“ für die Reserve – deutet auf einen Versuch des Staates hin, gleichzeitig den aktiven Personalbestand der Armee zu erweitern und die Möglichkeit, der Einberufung durch Ausreise zu entgehen, einzuschränken.