Laut dem Institute for the Study of War (ISW), basierend auf Berichten des Hauptnachrichtendienstes (GUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums, haben die russischen Streitkräfte mit dem Einsatz von Startgeräten für Ballistikraketen nordkoreanischer Herstellung auf dem Gebiet der Region Woronesch begonnen. Dem Analysebericht zufolge wird in der Region eine Raketenabteilung gebildet, der möglicherweise rund 90 nordkoreanische Militärangehörige und sechs Startgeräte angehören, die insgesamt etwa 120 Ballistikraketen starten können. Wie RBC-Ukraine bemerkt, verstärkt dies die Raketenbedrohung für mindestens sieben Regionen der Ukraine.
Einsatz in der Region Woronesch
Der ukrainische Militärnachrichtendienst bestätigte die Übergabe einer Partie nordkoreanischer Ballistikraketen an Russland – geschätzt etwa 50 Einheiten der Typen KN-23, KN-24 und modernisierte KN-30 (auch bekannt als Hwansong-11C). Die KN-30 ist eine überarbeitete Version der KN-23 und kann nach vorliegenden Daten einen Sprengkopf mit erhöhter Masse tragen. Die Aufstellung von Startpositionen in der Region Woronesch, die im Westen Russlands liegt, verkürzt die Flugzeit der Raketen zu ukrainischen Zielen und erweitert den Kreis der Regionen, die in Reichweite geraten.
Reichweite: Sieben Regionen
Analysten des ISW weisen darauf hin, dass nordkoreanische Raketen von den neuen Positionen in der Region Woronesch die ukrainischen Gebiete Sumy, Charkiw, Tschernihiw, Poltawa, Kiew, Dnipropetrowsk und Saporischschja treffen können. Somit sind sowohl nördliche und östliche Regionen als auch die Hauptstadt und südliche Richtungen potenziell bedroht. Der ukrainische Militärexperte Anatolij Chraptschynskyj bemerkt, dass die russischen Truppen nicht immer alle verfügbaren Startgeräte im Rahmen jeder Schlagkampagne einsetzen: Beispielsweise werden bei rund 160 Startgeräten der „Iskander“ (je zwei Raketen pro Gerät) durchschnittlich zwischen 16 und 26 Raketen gestartet.
Taktisch-technischer Kontext und Genauigkeit
Nach Einschätzung von Chraptschynskyj weisen die russischen Raketen „Iskander-M“ eine kreisförmige Streuung von fünf bis zwanzig Metern auf, während die nordkoreanischen KN-23 nach seinen Angaben regelmäßig um Hunderte von Metern oder sogar Kilometer am Ziel vorbeigehen. Dabei tragen die nordkoreanischen Systeme einen massiveren Sprengkopf im Vergleich zum standardmäßigen 480-Kilogramm-Kopf des „Iskander-M“, was zu größeren Kratern und einer verstärkten Druckwelle führt. Die Kombination aus erhöhter Sprengkopfmasse und geringer Genauigkeit erhöht nach Ansicht von Experten die Risiken für zivile Infrastruktur und Ortschaften.
Widersprüchliche Daten
In offenen Quellen und Analyseberichten gibt es Diskrepanzen bei den wichtigsten taktisch-technischen Parametern und den Liefermengen. Erstens wird die Masse des Sprengkopfs in verschiedenen Bereichen angegeben: In einigen Berichten wird bis zu 1000 kg angegeben, in anderen bis zu 2000–2500 kg (für die schwere Modifikation KN-30 / Hwansong-11C). Dieser Unterschied erklärt sich daraus, dass die Reihe der nordkoreanischen Systeme mehrere Modifikationen (KN-23, KN-23B, schwere Versionen) umfasst, die sich in der Masse des Sprengkopfs und der Reichweite unterscheiden. Zweitens wird das gesamte Volumen der übergebenen Raketen unterschiedlich eingeschätzt – von einigen Dutzend bis zu mehr als 100 Einheiten; diese Streuung spiegelt die kumulativen Einschätzungen des GUR und westlicher Nachrichtendienste für verschiedene Lieferperioden wider und nicht eine einzelne Lieferung. Daher werden die technischen Parameter in dieser Veröffentlichung als ungefähre Bereiche ohne kategorische Aussagen angegeben.
Größerer Kontext der Lieferungen
Der Einsatz in der Region Woronesch erfolgt vor dem Hintergrund einer umfassenderen Verlegung von Waffen: Kürzlich soll Nordkorea eine Partie von mehr als 100 Ballistikraketen und spezialisierte Raketenabteilungen nach Russland geschickt haben. Experten warnen, dass die Integration nordkoreanischer Systeme in die russische Raketenformation zu umfassenderen Zerstörungen und potenziellen Opfern unter der ukrainischen Zivilbevölkerung führen könnte. Im Westen Russlands hat sich laut GUR bereits die Bildung einer Raketenabteilung unter Beteiligung nordkoreanischen Personals eingeleitet.