Der ukrainische Militärgeheimdienst hat über eine neue Eskalation der militärisch-technischen Annäherung zwischen Russland und Nordkorea berichtet. Laut Andrij Tscherntsak, einem Vertreter des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums (HUR), verhandelt Moskau mit Pjöngjang über die Lieferung ballistischer Raketen KN-30, die nach vorläufiger Geheimdienstbewertung etwa dreimal stärker sind als die bereits bekannten KN-23 und KN-24. Die Aussagen kamen vor dem Hintergrund der Vorbereitung des Kremls auf die Herbst-Winter-Kampagne, in der Russland nach Angaben Kiews ein weiteres Paket militärischer Unterstützung von seinen Verbündeten zu erhalten sucht.
Was genau Moskau anfordert
Nach vorläufigen Angaben des HUR umfasst die Anfrage an Pjöngjang sowohl neue ballistische Raketen als auch einen Militärkontingent. Der Geheimdienst betonte, dass die konkreten Umfang der neuen Hilfe aus Nordkorea bei dem für September geplanten Treffen des russischen Staatschefs mit dem nordkoreanischen Führer Kim Dschong Un abgestimmt werden. Wohin genau Russland den angeforderten Kontingent entsenden will, konnte der ukrainische Geheimdienst zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht feststellen.
Bereits geliefert und eingesetzt
Tscherntsak erinnerte daran, dass Russland als Antwort auf frühere Bitten des Kremls bereits 40 ballistische Raketen der Typen KN-23 und KN-24 erhalten hat. Laut seinen Angaben wurden zwei davon bei einem der letzten Angriffe auf ukrainisches Territorium eingesetzt. Der HUR-Vertreter bezeichnete diese Schläge als „Raketenterrorismus“, der seiner Einschätzung nach Teil der Kreml-Strategie ist, Druck auf die ukrainische Gesellschaft auszuüben, Angst zu schüren und die Widerstandsfähigkeit des Landes zu untergraben.
Geheimdienstbewertungen zu Kontingenten und Lieferungen
Der südkoreanische Geheimdienst berichtete seinerseits, dass Nordkorea eine neue Truppenverlegung nach Russland vorbereitet, obwohl derzeit keine Anzeichen für eine sofortige Aufstellung zu erkennen sind. Nach Schätzung Seouls hat Pjöngjang Moskau bereits mehr als 15 Millionen Artilleriegeschosse sowie ballistische Raketen kurzer Reichweite übergeben. Zuvor hatte Generalmajor Wadym Skybyzkyj, stellvertretender Leiter des HUR, in einem Interview mit CNN mitgeteilt, dass die Gesamtzahl der nordkoreanischen Soldaten in Russland 8500 erreicht habe, darunter – seinen Worten zufolge – 400 Drohnenoperatoren, die in der Lage seien, Aufklärung zu führen und Ziele auf ukrainischem Gebiet anzugreifen.
Widersprüchliche Angaben
Im ursprünglichen HUR-Statement war die Liste der angeforderten Positionen nicht vollständig offengelegt worden, und die genaue Größe des angeforderten Militärkontingents wurde im Text der Erklärung nicht festgehalten. In einer Reihe von Sekundärveröffentlichungen auf Basis dieser Daten wird jedoch die Zahl von 50 000 Soldaten genannt, die der ukrainische Geheimdienst in seiner Primärquelle nicht direkt bestätigt hat. Damit bleibt die Version zu den konkreten Umfang der Truppenunterstützung umstritten: Die eine Seite verweist auf die Existenz einer Kontingentanfrage ohne Details, die andere nennt eine konkrete Zahl. Bis zum September-Treffen der Staatschefs und einer unabhängigen Verifizierung sind diese Daten als vorläufig zu betrachten.
Kontext und Bedeutung
Die Gesamtheit der Aussagen deutet darauf hin, dass die militärische Zusammenarbeit Russlands und Nordkoreas über einmalige Munitionslieferungen hinausgeht und einen systematischen Charakter annimmt – von Artilleriegeschossen und kleiner Ballistik bis hin zu potenziellen Raketen einer stärkeren Klasse und der Aufstellung von Personal. Für die Ukraine bedeutet dies das Risiko eines verstärkten RaketenDrucks im Herbst-Winter, und für die regionale Sicherheit – die weitere Integration Pjöngjangs in den militärischen Rahmen des Konflikts.