Laut Informationen, die Bloomberg von drei Quellen aus dem Umfeld der russischen Führung zugegangen sind, bereitet Moskau ein Szenario vor, die Angriffe mit ballistischen Raketen auf die Ukraine zu verstärken. Im Fokus stehen Ziele in Kiew, darunter im Zentrum der Hauptstadt, sowie Infrastrukturziele in anderen ukrainischen Städten. Nach Einschätzung der Informanten des Blatts sind die Verhandlungsrahmen, um die herum die diplomatische Spur aufgebaut wurde, faktisch zusammengebrochen, und die Parteien sind auf den Ausgangspunkt des Konflikts zurückgefallen.
Verhandlungen in einer Sackgasse
Wie die Quellen behaupten, rechnet der Kreml nicht mehr mit Vereinbarungen, die – nach ihren früheren Erwartungen – bei einem Treffen von Wladimir Putin und Donald Trump auf Alaska erzielt werden könnten. Die Bemühungen Washingtons, den Krieg zu beenden, haben laut Bloomberg bislang keinen Durchbruch gebracht; einen Teil der Gründe sehen die Informanten darin, dass sich die Trump-Regierung auf den Konflikt mit dem Iran konzentriert. Gleichzeitig wertet Moskau die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien und Logistikobjekte immer häufiger als Angriffe seitens der NATO-Staaten und verknüpft dies mit der Lieferung westlicher Waffen und Aufklärungsdaten.
Ballistik als Druckmittel
Vier Personen aus dem Umfeld des Kremls berichteten, dass Moskau bei fehlendem diplomatischem Fortschritt kaum Alternativen zu einer weiteren Eskalation der Kampfhandlungen zur Erreichung seiner Ziele sieht. Zentrales bleibt das territoriale Forderung: Russland erwartet, dass die USA Druck auf die Ukraine ausüben, den östlichen Teil der Oblast Donezk zu übergeben – eine Forderung, die Kiew konsequent ablehnt. Die Informanten von Bloomberg bewerten die Chancen auf einen schnellen Durchbruch als sehr gering, obwohl in Russland weiterhin mögliche neue Vorschläge von Steve Witkoff und Jared Kushner erwartet werden.
Angesichts der Meldungen über die Vorbereitung ballistischer Schläge fällt auch die Erweiterung des Arsenales auf. Laut Berichten mehrerer Medien hat Russland erstmals von Nordkorea ballistische Raketen des Typs KN-30 erhalten; Experten weisen darauf hin, dass die Abweichung solcher Systeme in Kilometern gemessen wird, was ihre Präzision bei der Bekämpfung konkreter Ziele einschränkt, aber die Gefahr für Infrastruktur und Bevölkerung nicht beseitigt.
Position Washingtons
Bei der UN rief der stellvertretende Botschafter der USA, Dan Negrea, Russland und die Ukraine auf, die Angriffe auf zivile Objekte zu stoppen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren, und betonte, dass es keine militärische Lösung des Konflikts gebe und Washington bereit sei, den Friedensprozess zu unterstützen. Der ehemalige Sonderbeauftragte des US-Präsidenten für die Ukraine, Keith Kellogg, erklärte seinerseits, er erwarte kein baldiges Ende des Krieges und sei der Auffassung, dass Wladimir Putin nicht bereit sei, aufzuhören, und möglicherweise auf die Eroberung neuer Gebiete abziele.
Widersprüchliche Daten
Die Parteien bewerten den Zustand der diplomatischen Spur unterschiedlich. Nach der Version russischer Quellen sind die Verhandlungsrahmen „faktisch zusammengebrochen“, und Moskau betrachtet die Eskalation als Hauptdruckmittel. Die amerikanische Seite hingegen fördert öffentlich weiter das Verhandlungsszenario: Negrea ruft zum Dialog auf und erklärt die Bereitschaft Washingtons, dem Frieden zuzuarbeiten, während der Kreml laut denselben Daten weiterhin neue Vorschläge von Witkoff und Kushner erwartet. Der Unterschied besteht also nicht in den Fakten, sondern in der Bewertung der Verhandlungsperspektiven: Moskau wertet sie als in einer Sackgasse, Washington als eingefroren, aber nicht erschöpft.