Rocket Lab hat den Erststart seiner mittelschweren Neutron-Rakete abermals verschoben — der voraussichtliche Termin für das Debüt ist nun auf 2027 verlegt worden. Laut Unternehmenschef Peter Beck sind Mängel an den kohlefaserverstärkten (kohlenstoff-komposit) Elementen des Treibstofftanks der ersten Stufe der Grund dafür: Die Entwickler mussten deshalb die Fertigungstechnologie überarbeiten und die problematischen Komponenten neu testen. Dies ist bereits die zweite Anpassung des Zeitplans; der Erstflug der Neutron war ursprünglich für 2024 anvisiert worden, danach wurde das Datum mehrfach verschoben.
Grund für die Verschiebung: Hohlräume in den Schichten der Kompositkuppel
Wie Beck erklärte, hat der Treibstofftank der ersten Stufe die Qualifikationstests aufgrund von Fehlern eines externen Auftragnehmers nicht bestanden. Das Unternehmen ging daraufhin zur Eigenproduktion der Komponenten über, und der Prozess verlief zunächst erfolgreich, doch in einer Phase wurde „ein Problem bei der Herstellung der Treibstofftankkuppel festgestellt“. Dabei handelt es sich um Hohlräume, die sich während des Aushärtungs- und Schichtungsprozesses des Kohlenstoffkomposits in den Materialschichten gebildet hatten. Nach Einschätzung von Beck bedeuten solche Mängel „nicht zwangsläufig, dass die Kuppel während des Fluges versagt“, sie verringern jedoch die Sicherheitsmarge der Struktur, weshalb das Unternehmen beschloss, die Zuverlässigkeit der Rakete nicht zu gefährden und den technologischen Prozess anzupassen. Eine neue Lösung konnte laut der Führung bereits gefunden und angewendet werden — unter anderem bei der Herstellung der hinteren Kuppel, deren Qualität laut Angaben des Unternehmens die höchste aller Zeiten bei der Arbeit mit solchen Kompositelementen war.
Neuer Zeitplan: Tests bis Ende des ersten Quartals 2027
Im August 2026 hatte Rocket Lab angekündigt, die Rakete im vierten Quartal des laufenden Jahres zur Startrampe bringen zu wollen. Laut Beck wird ein Start Anfang 2027 jedoch höchstwahrscheinlich nicht stattfinden: Das Unternehmen plant, die Tests der problematischen Komponenten bis zum Ende des ersten Quartals 2027 abzuschließen, und erst nach Abschluss dieser Phase wird ein neuer konkreter Starttermin genannt. Selbst unter Berücksichtigung der gefundenen technischen Lösung verschiebt sich das Neutron-Debüt somit im Vergleich zu den bisherigen Plänen um mindestens mehrere Quartale.
Kontext: Was ist die Neutron und warum verschieben sich die Termine?
Die Neutron ist eine zukunftsweisende, teilweise wiederverwendbare Rakete mit einer Höhe von rund 42 Metern, die Nutzlasten in eine erdnahe Umlaufbahn bringen soll. Die kuppelförmigen Elemente ihrer Treibstofftanks, in denen flüssiger Sauerstoff und flüssiger Methan gespeichert werden, werden aus Kohlenstoffkomposit mithilfe einer automatisierten Maschine hergestellt, die Fasern mit hoher Geschwindigkeit und Präzision legt. Genau in der Aushärtungsphase einer der kürzlich hergestellten Kuppeln entdeckten die Fachleute Hohlräume zwischen den Materialschichten. Die wiederholten Verschiebungen des Debüts — von 2024 auf 2026 und nun auf 2027 — spiegeln die branchenüblichen Risiken bei der Fehlerbehebung neuer Großdurchmesser-Kompozittanktechnologien wider, bei denen die Anforderungen an Dichtheit und Sicherheitsmarge kritisch sind.
Marktreaktion: Aktien geben nach der Ankündigung nach
Vor dem Hintergrund der Nachrichten über die Startverschiebung gaben die Kurse von Rocket Lab deutlich nach. Laut 3DNews wurden die Aktien am Tag vor der Ankündigung um 63 US-Dollar gehandelt, fielen jedoch zum Börsenschluss nach Veröffentlichung der Erklärung auf etwa 53 US-Dollar pro Papier; einige Finanzpublikationen schätzen den Tagesverlust auf rund 9 %. Finanzvorstand Adam Spice hatte zuvor die Hoffnung auf einen baldigen Erstflug geäußert, doch ein konkreter neuer Termin wird, wie bereits erwähnt, erst nach Abschluss der Komponententests im ersten Quartal 2027 genannt.