Die Russische Föderation griff die Eisenbahninfrastruktur in der Nähe der ukrainisch-polnischen Grenze mit einem Drohnenangriff an: Die Drohne traf den Lokomotiv eines Personenzuges auf der Strecke Kiew – Warschau, etwa zwei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Trotz der Schäden wurde niemand verletzt. Der Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden und löste große Resonanz aus, weil auf derselben Strecke in demselben Zeitraum Züge fuhren, in denen hochrangige Amtsträger mehrerer EU-Länder, Mitglieder des deutschen Bundestags, Diplomaten und Wissenschaftler sowie der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson saßen. Alle kehrten aus Kiew zurück, wo sie an einer internationalen Konferenz teilgenommen und mit dem Team von Wolodymyr Selenskyj Friedensverhandlungen mit Russland besprochen hatten.

Chronik des Vorfalls

Laut Angaben des Magazins Der Spiegel hielt der Nachtzug, in dem der Berater des deutschen Bundeskanzlers Günther Sautter und Boris Johnson saßen, gegen fünf Uhr morgens in der Nähe der polnischen Grenze wegen Drohnenangriffen im Grenzgebiet an. Ein Teil des Zuges wurde evakuiert: Die Zugbegleiter weckten die Fahrgäste, doch kurz nach der Alarmierung wurde Entwarnung gegeben, da keine weiteren Drohnen entdeckt wurden. Laut Angaben des Betreibers wurde der Lokomotiv des Zuges getroffen, es gab jedoch keine Opfer. Die Sicherheitsmaßnahme wurde, so die Version des Spiegel, durch einen separaten Vorfall auf derselben Eisenbahnstrecke ausgelöst.

Wer sich im Zug befand

Der aus Kiew zurückkehrende Sonderzug fuhr Berichten zufolge den außenpolitischen und sicherheitspolitischen Berater des Kanzleramts von Friedrich Merz, Günther Sautter, Sicherheitsberater anderer europäischer Regierungen, Mitglieder des Bundestags, Diplomaten und Wissenschaftler. Unter den Fahrgäßen befand sich auch die Bundestagsabgeordnete Robin Wagner von den Grünen sowie der Co-Vorsitzende des Europäischen Rats für internationale Beziehungen Carl Bildt. Alle hatten an der Konferenz in Kiew teilgenommen und fuhren anschließend nach Polen.

Widersprüchliche Angaben

Hier weichen die Versionen der Quellen erheblich voneinander ab. Der Spiegel berichtete, dass genau der Zug mit Günther Sautter und Boris Johnson von den Folgen des russischen Angriffs betroffen war, also dass der Schlag auf den Zug mit den europäischen Amtsträgern fiel. Doch laut Informationen der RBC-Ukraine-Korrespondenten stimmen die Angaben des Spiegel nicht mit der Realität überein: Der Zug mit Sautter und Johnson hatte den Bahnhof Dorohusk bereits passiert und war zum Zeitpunkt des Angriffs in Sicherheit. Unter dem Angriff geriet ein anderer Zug, der auf derselben Strecke etwa eine Stunde (laut Bildt – wenige Minuten) nach ihrem Zug fuhr. Diese Widerlegung bestätigte auch Carl Bildt selbst, der schrieb, dass „das nicht unser Zug war“, dass man ihn bei der Annäherung einer Drohne evakuiert habe, niemand verletzt wurde und ihr Zug nach einer Evakuierungswarnung die Fahrt nach Dorohusk fortsetzen konnte. Somit wird die Version eines direkten Treffers des Zuges mit den europäischen Amtsträgern nicht bestätigt, sondern lediglich die Tatsache eines Angriffs auf einen anderen Zug auf derselben Strecke und die allgemeine Bedrohung in der Grenzzone.

Reaktion der Politiker

Carl Bildt, der den Vorfall kommentierte, hob die Effizienz des Sicherheitssystems hervor und betonte, dass die russischen Angriffe gegen die Ukraine verschärft würden. Die Bundestagsabgeordnete Robin Wagner äußerte nach dem Angriff ihren Schock und nannte die Drohnenangriffe „blinden Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung und eine gefährliche Eskalation von Putins Krieg“. Ihren Worten zufolge werde Russland immer prinzipienloser und „spiele mit dem Feuer“ direkt an der Grenze der EU und der NATO, daher müsse diesem Terror ein Ende gesetzt werden.

Kontext: Serie von Angriffen auf die Eisenbahninfrastruktur

Der Angriff auf den Zug an der polnischen Grenze ist kein Einzelfall. Am Vortag griffen russische Streitkräfte einen Personenzug in Lutsk an: Die Fahrgäste und Mitarbeiter wurden rechtzeitig evakuiert, daher gab es keine Opfer, obwohl infolge des Schlags ein Feuer ausbrach. Die Serie solcher Vorfälle zeigt einen gezielten Druck auf die grenznahen Eisenbahninfrastruktur und erhöht die Risiken für internationale Bewegungen in der Konfliktzone.