Indische Raffinerien zeigen ein beispielloses Interesse an russischer Rohöl. Unter dem harten Sanktionsdruck der USA haben Käufer Umgehungswege gefunden und nutzen aktiv Vermittlerketten, um Geschäfte zu legalisieren.
Rekordmengen in indischen Häfen
Daten zur Überwachung des Seetransports belegen ein massives Wachstum der Lieferungen. Im vergangenen Monat nahmen indische Häfen täglich mehr als 2,3 Millionen Barrel russisches Öl entgegen. Experten stellen fest, dass diese Mengen im Juli auf einem ähnlich hohen Niveau bleiben, was auf eine stabile Nachfrage hindeutet.
Zum Vergleich: Vor Beginn der umfassenden Invasion Russlands in der Ukraine, die vor mehr als vier Jahren stattfand, waren die Einkäufe indischer Unternehmen praktisch null. Der plötzliche Importanstieg ermöglicht Moskau, Rohstoffe effektiv auf externe Märkte zu bringen und eine Anhäufung in eigenen Reserven zu vermeiden.
Ineffektivität der Beschränkungen und Exportwachstum
Trotzdem die größten russischen Produzenten unter US-Sanktionen stehen, hält dies die Käufer nicht auf. Die Ende letzten Jahres eingeführten Beschränkungen sollten den Exportstrom erheblich reduzieren, doch der Einsatz komplexer Vermittlerschemata ermöglichte es Russland, nicht nur seine Positionen zu halten, sondern die Lieferungen sogar zu erhöhen.
Das rasante Wachstum der Lieferungen nach Indien fiel mit zwei wichtigen Faktoren zusammen: der Verringerung der Exporte aus den Ländern des Persischen Golfs und der erheblichen Verbilligung des russischen Öls auf dem Weltmarkt.
Schlüsseldaten zum Export
Die Statistik für das laufende Jahr bestätigt den Trend zur Erholung und zum Wachstum des Seetransports von Kohlenwasserstoffen:
- Seit Jahresbeginn liegt die durchschnittliche Exportmenge von Öl aus Russland bei 3,62 Millionen Barrel pro Tag.
- Das sind 280.000 Barrel mehr als der Durchschnittswert des gesamten Vorjahres.
- Die aktuellen Liefermengen übersteigen die Jahresdurchschnittswerte, die seit Beginn der umfassenden Invasion verzeichnet wurden.
Innere Probleme und Drohnenangriffe
Trotz der Erfolge beim Außenexport bleibt die Situation im Land angespannt. Der russische Führer hat kürzlich zugegeben, dass Drohnenangriffe der Ukraine „bestimmte Probleme“ mit Mineralölprodukten verursacht haben, obwohl er versicherte, dass die Behörden die Situation schrittweise unter Kontrolle bringen.
Laut Analysten decken russische Raffinerien derzeit nur etwa 65 % des saisonalen Benzinbedarfs des Landes. Ursache für den Mangel sind zahlreiche Angriffe ukrainischer Drohnen, die mehrere der größten Raffinerien beschädigt und außer Betrieb gesetzt haben.