Das Hauptamt für Aufklärung (HUR) der Ukraine berichtete, dass der Gegner bei einem der kombinierten Raketenangriffe auf die Hauptstadt in diesem Sommer erstmals modernisierte ballistische Raketen des Typs 9M723-2 einsetzte, die in der ukrainischen Terminologie die Bezeichnung „Iskander-1000“ erhielten. Laut Angaben des Amtes gehört diese Rakete zum System „Bora-M“.
Was über die neue Rakete bekannt ist
Wie das HUR präzisierte, kann die modernisierte Munition dank eines vergrößerten Triebwerks und einer erweiterten Startanlage Ziele auf einer Entfernung von bis zu 550 km treffen, während die Reichweite der Basismodifikation 9M723-1 etwa 390 km betrug. Die übrigen Elemente der Rakete blieben nach Einschätzung des Aufklärungsamtes gegenüber der vorherigen Modifikation unverändert.
„Terroristischer Charakter“ der Angriffe
Das Amt betonte, dass Russland in den letzten Monaten ballistische Waffensysteme als Hauptmittel der Luftangriffe einsetzt. Die Tatsache, dass solche Angriffe überwiegend nachts durchgeführt werden und die Flugzeit der Ballistik bis zur ukrainischen Hauptstadt nur wenige Minuten beträgt, zeuge laut HUR von einem rein terroristischen Charakter der Angriffe. Diese Taktik diene nach Einschätzung des Aufklärungsamtes der Einschüchterung der Bevölkerung und dem Versuch, Kiew um jeden Preis zu einem Frieden zu zwingen.
Angriffe vom 27. August: Nacht und Tag
In der Nacht zum 27. August griff Russland Kiew und die Oblast Kiew an: Trümmerteile fielen in den Stadtteilen Podil und Schewtschenko der Hauptstadt, Lagergebäude in der Oblast wurden getroffen. Am Morgen setzte sich der Angriff fort – im Stadtteil Holossijiw schlug ein Fahrzeug infolge eines feindlichen Treffers in Flammen auf, der Brand wurde gelöscht; im Stadtteil Petschersk wurde ein Gebäude eines Sportkomplexes beschädigt. In sozialen Medien wurde über einen möglichen Direkttreffer eines Drohnenangriffs in der Nähe des Stadions „Dynamo“ berichtet, und es wurden Aufnahmen von Rauch über dem Sportkomplex veröffentlicht. Gegen Mittag griff Russland am selben Tag zum zweiten Mal Kiew mit Drohnen an, die Luftabwehr war im Einsatz. Infolge der Angriffe wurden drei Menschen verletzt.
Produktionsnetz des Systems
Zuvor hatte das HUR das Produktionsnetz der Raketen des Systems „Iskander-M“ offengelegt: Laut Angaben des Amtes umfasst es rund 140 Komponenten, die in 35 Betrieben unter Beteiligung von hunderten Arbeitern hergestellt werden. Dies weist auf eine groß angelegte und verteilte Produktionsstruktur hin, die das Aufklärungsamt als anfällig für gezielte Schläge betrachtet.
Präzisierung zur Terminologie
Zu bemerken ist, dass die Rakete in ukrainischen und internationalen Medien unter verschiedenen Bezeichnungen auftaucht: als „Iskander-1000“, als 9M723-2 und als Element des Systems „Bora-M“. Alle diese Bezeichnungen beziehen sich laut Mitteilung des HUR auf dieselbe modernisierte ballistische Munition, daher ist es in Veröffentlichungen wichtig, sie nicht mit dem klassischen operativ-taktischen System „Iskander-M“ zu verwechseln.