Unter dem beispiellosen Druck auf die russische Energieinfrastruktur ist Moskau gezwungen, auf komplexe logistische Schemata zurückzugreifen. Russland erwartet eine große Lieferung Benzin aus Indien, das aus russischem Rohöl hergestellt wurde. Dieser paradoxe Import wurde nach einer Serie erfolgreicher Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Raffinerien (NPP) notwendig, die dem inländischen Kraftstoffproduktion erheblichen Schaden zugefügt haben.
Der komplexe Routenplan des Tankers Garnet
Laut Daten der Analysefirma Kpler soll am Sonntag ein Tanker mit einer Ladung von 42.000 Tonnen Benzin an einen Ölhafen im Norden Russlands eintreffen. Der Kraftstoff wurde in der indischen Raffinerie in Vadinar produziert. Die Route dieser Ladung erwies sich als äußerst verworren und lang. Ursprünglich wurde der Kraftstoff am 18. Juni im Hafen von Vadinar auf das Schiff Agni verladen.
Jedoch kam es am 6. Juli auf hoher See vor der Mittelmeerküste Ägyptens zu einer vollständigen Umladung der Ware: Die gesamte Ladung wurde vom Agni auf einen anderen Tanker, den Garnet, umgeladen. Bis zum 22. Juli steuerte das Schiff Garnet bereits nach Norden, legte Kurs entlang der norwegischen Küste, um den Kraftstoff an sein Ziel zu bringen.
Indische Raffinerie und russisches Öl
Die Situation erhält einen besonderen Kontext, wenn man die Eigentumsstruktur des indischen Unternehmens betrachtet. Wie die Financial Times berichtet, gehören 49 % der Anteile an der Raffinerie in Vadinar dem russischen Unternehmen „Rosneft'. Darüber hinaus stammen mehr als 90 % des Rohöls, das in dieser Raffinerie verarbeitet wird, aus der Russischen Föderation.
Dies erzeugt ein ironisches Bild: Russland, dessen Öl auf dem Seeweg nach Indien exportiert wird (dem größten Seehandel-Importeur russischen Öls seit 2022), muss nun bereits verarbeiteten Kraftstoff zurückimportieren. Indien fungiert faktisch als Transit-Hub für die Verarbeitung russischer Rohstoffe, die dann als fertiges Produkt in die Heimat zurückkehren.
Folgen der Angriffe auf Raffinerien
Ursache für dieses komplexe Schema ist die kritische Situation bei der innerstaatlichen Produktion. In den letzten zwei Monaten haben Angriffe ukrainischer Drohnen bis zu 40 % der Kapazitäten russischer Raffinerien außer Gefecht gesetzt. Der Kraftstoffmangel hat bereits das Leben von etwa 50 Millionen Russen betroffen und verursacht Probleme bei der Betankung im Land.
Der Mangel an Kraftstoff macht sich auch im militärischen Bereich bemerkbar. Russische Truppen klagen über einen akuten Mangel an Benzin und Diesel für die Betankung von Militärfahrzeugen, was die Logistik und Kampfkraft der Besatzungstruppen direkt beeinträchtigt. Dennoch hat Wladimir Putin die Schwierigkeiten bei der Kraftstoffversorgung anerkannt, aber versichert, dass die Situation angeblich „nicht kritisch' sei.
Umlenkung der Exportströme
Um den Mangel zu mildern, hat Russland begonnen, Kraftstoffströme umzuleiten. Insbesondere hat Moskau begonnen, Benzin aus Belarus abzurufen, das ursprünglich für den Export in die Länder Zentralasiens bestimmt war. Diese Entscheidung, zusammen mit dem Import aus Indien, zeigt, dass das russische Kraftstoffsystem unter erheblichem Stress steht und gezwungen ist, Umwege zu finden, um den eigenen Bedarf zu decken.