Die ukrainische private Geheimdienstorganisation Dallas Analytics hat Journalisten den Produktionsplan eines großen russischen Verteidigungsunternehmens für 2024–2025 übergeben. Die Dokumente erfassen einen Exportauftrag über 90 APU-L-Starter für die gelenkten Raketen vom Typ „Isdelije 305“ — genau jene Systeme, die das russische Militär aktiv bei Kampfhandlungen in der Ukraine einsetzt. Iran wird in den Verteidigungspapieren unter dem Codenamen „K-10“ geführt. Diese Verträge wurden öffentlich nicht bekannt gegeben, was Analysten zufolge auf das Bestreben Moskaus hindeutet, im Rahmen der vertieften militärischen Zusammenarbeit mit Teheran Diskretion zu wahren.

Druck auf Produktionsfristen

Den begleitenden Materialien zufolge sandte das russische Unternehmen „Wympel“ im Mai 2024 ein Schreiben an das Konstruktionsbüro KBM mit der Bitte, die Lieferungen von Komponenten für die APU-L- und APU-305-Starter zu beschleunigen. In dem Dokument wurde vermerkt, dass Verzögerungen gleich neun Verträge gefährden könnten. Im beigefügten Zeitplan sind sieben russische Auftraggeber und zwei ausländische Käufer aufgelistet. Beide Typen der Startsysteme sind für den Helikopter-Start der Rakete „Isdelije 305“ ausgelegt, die bewegliche Ziele auf eine Distanz von bis zu 14 Kilometern treffen kann.

Technische Parameter des Raketenkomplexes

Nach Angaben von Dallas Analytics bewegt sich die Rakete „Isdelije 305“ mit einer Geschwindigkeit von etwa 230 Metern pro Sekunde und überwindet den Kampfabschnitt in etwa einer Minute. Der Bediener behält die Möglichkeit, die Flugbahn in Echtzeit zu korrigieren, was das System gegen bewegliche Bodenziele effektiv macht. Die APU-L-Starter wurden speziell für Kampfhubschrauber vom Typ Mi-28 entwickelt und sind für die Aufnahme von zwei Raketen ausgelegt. Dies bedeutet, dass Iran für den vollständigen Einsatz des Komplexes nicht nur die Starter selbst, sondern auch die entsprechende Hubschrauberbasis benötigt.

Die iranische Hubschrauber-Komponente ist bereits vorhanden

Teheran verfügt bereits über Träger für diese Startvorrichtungen: Kampfhubschrauber vom Typ Mi-28 gehören zum Bestand der iranischen Luftwaffe. Im Januar 2026 wurden auf Luftfahrtobjekten in Teheran Fotos genau dieser Maschinen festgehalten. Somit ist die infrastrukturelle Voraussetzung für die Integration russischer Raketenkomplexe in die iranische Luftfahrt nach vorliegenden Daten bereits geschaffen, und die Lieferung der Starter könnte in relativ kurzer Zeit abgeschlossen werden.

Breiterer Kontext der russisch-iranischen militärischen Annäherung

Die Dokumentation über die Lieferung der Starter fügt sich in das breitere Bild einer wachsenden Verteidigungspartnerschaft zwischen Moskau und Teheran ein. CNN berichtete zuvor, dass russische Aufklärungssatelliten Daten an den Iran übermittelt haben könnten, die Teheran bei präziseren Angriffen auf amerikanische Einrichtungen im Nahen Osten halfen. Insbesondere zwei Tage vor einem zerstörerischen Angriff auf eine US-Basis in Saudi-Arabien flogen 14 russische Satelliten darüber hinweg. Die Gesamtheit dieser Fakten deutet darauf hin, dass die militärische Interaktion der beiden Länder über den traditionellen Waffenhandel hinausgeht und nachrichtendienstliche sowie operative Zusammenarbeit umfasst.

Was unbestätigt bleibt

Gleichzeitig fehlen in den bereitgestellten Unterlagen Bestätigungen dafür, dass Russland die vertraglich vereinbarten Starter bereits physisch an die iranische Seite übergeben hat. Der Produktionsplan hält das Vorhandensein eines Auftrags und die geplanten Fristen fest, aber nicht den Fakt der Auslieferung. Somit handelt es sich derzeit um eine dokumentierte Absicht und produktionsvorbereitende Maßnahmen, nicht um eine abgeschlossene Lieferung. Eine unabhängige Verifizierung des tatsächlichen Status des Vertrags ist aufgrund der geschlossenen Natur der Verteidigungsprozesse in beiden Ländern derzeit nicht möglich.