Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat im Rahmen eines Treffens mit Journalisten die Einschätzung Kiews zu den Plänen Russlands zur Ausweitung der Produktion ballistischer Raketen offenbart. Seinen Worten zufolge strebt Moskau ein Tempo von etwa 100 ballistischen Raketen pro Monat an, was auf Jahresbasis bis zu 1300 dieser Munitionstypen ergeben könnte. Der Staatschef betonte, dass die genannte Zahl „maximal beängstigend“ sei und die obere Grenze des Umfangs widerspiegle, auf den sich die russische Rüstungsindustrie nach Einschätzung der ukrainischen Seite ausrichtet.

Pläne Moskaus zur Produktion ballistischer Raketen

Selenskyj erläuterte, dass die Ukraine verstehe, auf welchen Produktionsumfang Russland „bis zum Ende des Winters“ abziele. Seiner Aussage nach liege das Ziel für Moskau bei etwa 100 ballistischen Raketen monatlich. Dabei wies der Präsident ausdrücklich darauf hin, dass Russland dieses Produktionsniveau derzeit noch nicht erreicht habe: Die genannten 1300 Raketen pro Jahr seien ein Zielwert und kein festgestelltes aktuelles Ergebnis. Genau deshalb sei es nach seinen Worten eine der Hauptaufgaben Kiews, einen plötzlichen Anstieg der Produktion dieser Munition auf dem Gebiet der Russischen Föderation zu verhindern.

Aktuelle Tempi und Geheimdienstdaten

Den Kontext der Aussagen des Präsidenten ergänzen Daten des Hauptverwaltung für Aufklärung (HUR), wonach die主要生产ungspläne Russlands zu 110–120 % erfüllt werden, wobei die Werte bei einzelnen Waffentypen deutlich über den Planwerten liegen. So wurden im Juli nach vorliegenden Angaben 87 Raketen des Typs Ch-101 bei einem Plan von 72, 29 Raketen des Typs „Kalibr“ bei einem Plan von 26 sowie 65 ballistische Raketen 9M723 für die Systeme „Iskander“ bei einem Plan von 60 hergestellt. Diese Zahlen bestätigen einen anhaltenden Trend zur Übererfüllung der Produktionsziele, auf den die ukrainische Seite nach Logik Selenskyjs reagiert.

Widersprüchliche Daten

In den Aussagen der Beteiligten und in den geheimdienstlichen Einschätzungen gibt es eine Reihe von Unstimmigkeiten, die es zu unterscheiden gilt. Einerseits charakterisiert Selenskyj die 1300 Raketen pro Jahr als obere Grenze („bis zu 1300“, „maximal beängstigende Zahl“) und betont zugleich, dass Russland „noch nicht über ein solches Produktionsniveau“ verfüge. Andererseits sprechen die HUR-Daten zur Übererfüllung der Pläne um 110–120 % dafür, dass die tatsächliche Produktion bei einer Reihe von Positionen bereits die Zielwerte übersteigt. Es besteht somit eine Lücke zwischen dem Zielwert (100 pro Monat), dem aktuellen realen Tempo und der geheimdienstlichen Einschätzung der Planübererfüllung: Keine der Seiten nennt eine einheitliche, verifizierte Zahl der tatsächlichen monatlichen Produktion ballistischer Raketen, und die 1300 pro Jahr bleiben eine Obergrenzen-Schätzung und kein bestätigter statistischer Wert.

Gegenmaßnahmen der Ukraine und die Rolle der Luftabwehr

Den Worten Selenskyjs zufolge arbeitet die Ukraine gezielt daran, die russische Rüstungsindustrie zu schwächen, einschließlich Schlägen gegen militärische Ziele und anderer Maßnahmen zur Verringerung der Fähigkeiten der Russischen Föderation. Er bemerkte, dass Kiew „separate komplexe Operationen“ durchführe, die bereits erste Ergebnisse brächten, und dass es darum gehe, Russland nicht zu ermöglichen, massive Raketenangriffe durchzuführen. Der Präsident erklärte auch die Motivation Moskaus: Russland weide gerade ballistische Raketen aus, da andere Typen – vor allem Marschflugkörper – von der ukrainischen Luftverteidigung effektiver abgeschossen werden könnten. Gegen Marschflugkörper würden nach seinen Worten verschiedene Luftabwehrsysteme eingesetzt, darunter IRIS-T und Hawk, sowie Kampfflugzeuge.

Kontext: Eskalation der Angriffe und nordkoreanische Raketen

Die Aussagen zur Ausweitung der Produktion ballistischer Raketen fallen in eine Phase, in der Russland aktive Raketenangriffe auf ukrainisches Gebiet fortsetzt, darunter auf Kiew und die Oblast Kiew, und dabei in den Angriffen nordkoreanische Raketen des Typs KN-23 einsetzt, was nach Einschätzung Selenskyjs den Druck auf die Luftabwehrsysteme verstärkt. Die Gesamtheit dieser Faktoren erklärt, warum Kiew die Eindämmung des Wachstums der Produktion ballistischer Raketen in Russland als prioritäre Richtung betrachtet und die Schätzung von 1300 Raketen pro Jahr als zentralen Bedrohungsindikator, den die ukrainischen Geheimdienst- und Militärstrukturen beobachten.