Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass Kiew über aktualisierte Informationen zur Produktion ballistischer Raketen in Russland sowie zu den Absichten Moskaus, diesen Prozess zu skalieren, verfüge. Laut dem Staatschef beabsichtige die Ukraine, diesen Plänen entgegenzuwirken, wofür, wie er betonte, eine „entsprechende sanktionäre Unterstützung in den wichtigsten Weltjurisdiktionen“ erforderlich sei. Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund anhaltender Raketenangriffe auf ukrainische Städte und der Debatten über die Vorbereitung auf den Herbst- und Winterzeitraum, in dem die Belastung des Luftabwehrsystems traditionell steigt.
Sanktionsrahmen und Blockade von Komponenten
Zentrales Element des von Selenskyj vorgeschlagenen Gegenmaßnahmenpakets ist die vollständige Blockade der Lieferungen von Komponenten, Ausrüstung und Werkzeugmaschinen, die – seinen Worten zufolge – der Angreiferstaat zur Raketenproduktion einsetzt. „Und dies ist auch eine Verantwortung der Partner: Ohne ausländische Komponenten sind die Russen nicht in der Lage, einen einzigen Punkt ihres Raketenprogramms umzusetzen“, so der Präsident. Damit überträgt Kiew de facto einen Teil der Verantwortung für die Störung des russischen Raketenprogramms auf westliche Jurisdiktionen und fordert von ihnen eine Verschärfung der Exportkontrolle und der Sanktionsmechanismen gegenüber Lieferanten kritischer Ausrüstung.
„Iskander-1000“ und Angriffe auf Kiew
Hintergrund der Erklärung waren Berichte, wonach russische Besatzer mit einer überarbeiteten ballistischen Rakete unter dem Decknamen „Iskander-1000“ auf Kiew schießen. Den verfügbaren Informationen zufolge ist die Rakete dank eines vergrößerten Triebwerks und einer vergrößerten Startrampe in der Lage, Ziele auf größere Entfernungen zu treffen, was die Reichweite erweitert und die Belastung des Luftabwehrsystems erhöht. Genau solche Angriffe demonstrieren nach Logik Selenskyjs die Notwendigkeit sowohl einer operativen Antwort als auch einer langfristigen Einschränkung der Fähigkeiten des Gegners, seinen Arsenalbestand aufzustocken.
Mangel an Luftabwehrmitteln und Vorbereitung auf den Herbst- und Winterzeitraum
Der Sprecher der Luftstreitkräfte der ukrainischen Streitkräfte, Juriy Hnat, hatte zuvor auf einen Mangel an Luftabwehrraketen nicht nur für die Patriot-Systeme, sondern auch für boden- und luftgestützte Plattformen hingewiesen. Seinen Worten zufolge kam das Thema der Stärkung des Schutzes des ukrainischen Luftraums für den Herbst- und Winterzeitraum in jedem Gespräch Selenskyjs mit europäischen Staats- und Regierungschefs zur Sprache. Das bedeutet, dass in Kiew die Frage der Skalierung der russischen Raketenproduktion und die Frage der Versorgung der Ukraine mit Abfangmitteln als miteinander verknüpft betrachtet werden: Ohne gleichzeitige Lösung beider Aufgaben wird die Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen begrenzt bleiben.
Widersprüchliche Daten
Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die Angaben zur „Skalierung der Produktion“ auf aktualisierten Informationen des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes beruhen und von unabhängigen internationalen Quellen nicht bestätigt wurden, während Russland die Parameter seines Raketenprogramms offiziell nicht offenlegt. Außerdem wird die Bezeichnung „Iskander-1000“ von der ukrainischen Seite als Deckname/Arbeitsname zur Beschreibung einer Modifikation verwendet und nicht als offiziell festgelegte russische Bezeichnung des Erzeugnisses. Somit operieren beide Seiten mit unterschiedlichen Verifikationsstufen: Kiew stützt sich auf seine eigene Bedrohungsbeurteilung, während es derzeit keine öffentlich überprüfbaren Zahlen zu Produktionsvolumen und Merkmalen der neuen Modifikation gibt.