Unter den Bedingungen eines langanhaltenden Konflikts und der Anpassung des ukrainischen Luftabwehrsystems ändert Russland die Taktik des Einsatzes von unbemannten Fluggeräten (UAVs) grundlegend. Bis August 2026 ist ein deutlicher Trend zu erkennen: Der Verzicht auf Massenangriffe mit traditionellen UAVs mit Kolbenmotoren zugunsten schnellerer und technologisch fortschrittlicherer Düsenanaloga. Experten stellen fest, dass dieser Übergang durch die abnehmende Effektivität der klassischen „Schaheds“ diktiert wird, die beim Annähern an Ziele immer häufiger abgefangen werden.
Taktische Evolution: Von „Geranien“ zu Drohnenraketen
Der Senior-Analyst des Ukrainischen Zentrums für Sicherheit und Zusammenarbeit, Anton Zemljanoi, bestätigt, dass Moskau bereits die Massenproduktion von Düsen-Drohnen und Drohnenraketen wie modifizierten „Geranien“ und „Banderoles“ aktiv aufbaut. Ein Schlüsselfaktor dieser Evolution ist die Notwendigkeit, die Flugzeit der Munition zum Ziel zu verkürzen. Der Düsenantrieb ermöglicht es den Drohnen, deutlich höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, was die Arbeit der gestaffelten ukrainischen Luftabwehr erheblich erschwert. Während Kolbenmotoren dem Gegner früher Zeit zur Erkennung und zum Abschuss gaben, zwingen die neuen Düsenmodelle die Abwehrsysteme an ihre Leistungsgrenzen.
Wirtschaftliche Effizienz und technologische Hürden
Der Hauptvorteil von Düsen-Drohnen für die russische Seite bleibt das Gleichgewicht zwischen Kosten und Kampfeigenschaften. Sie sind deutlich günstiger als klassische Marschflugkörper, verfügen aber über ähnliche Geschwindigkeitswerte und Reichweiten. Das Skalieren ihrer Produktion ist jedoch mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Im Gegensatz zu einfachen Kolbenmotoren sind Turbojet-Triebwerke komplexe und teure Komponenten. Nach Einschätzung von Experten leidet Russland immer noch unter einem Mangel an der eigenen Produktion solcher Aggregate, was es zwingt, auf importierte Komponenten zurückzugreifen.
Abhängigkeit von Importen und Verbundwerkstoffen
Ein zweites kritisches Engpassproblem ist die Herstellung von Verbundwerkstoffen, die für die Konstruktion von Drohnenkörpern erforderlich sind, die hohen Belastungen und Überlastungen bei Düsenfluggeschwindigkeit standhalten können. Russland steht vor Schwierigkeiten bei der Herstellung dieser Materialien und ist beim Import einzelner chemischer Verbindungen abhängig. Der Experte Oleg Katkov prognostiziert, dass Moskau das Szenario wiederholen wird, das zuvor bei Kolbenmotoren angewendet wurde: Zuerst der Kauf fertiger Komponenten im Ausland (insbesondere von chinesischen Privatunternehmen), gefolgt von einer schrittweisen Lokalisierung der Produktion und einer Vereinfachung der Triebwerkskonstruktion für die Massenverbreitung im Inland.
Widersprüchliche Daten
Die Frage nach dem aktuellen Anteil von Düsen-Drohnen im gesamten Angriffsstrom ist unter Experten und Analysten umstritten. Einerseits deuten Daten darauf hin, dass der Anteil von „Schaheds“ mit Düsentriebwerken während einzelner massiver Angriffe bis zu zwei Drittel betragen kann. Dies deutet darauf hin, dass Russland bereits bereit ist, sie in großem Maßstab einzusetzen. Andererseits betonen Analysten, dass es technisch schwieriger ist, Düsen-Drohnen so massenhaft herzustellen wie die gewöhnlichen „Schaheds“. Aufgrund der hohen Kosten der Komponenten und der Komplexität der Produktion kann Russland die Kolbenmodelle derzeit noch nicht vollständig durch Düsenmodelle ersetzen und nutzt diese eher als gezielte Verstärkung bei den wichtigsten Angriffen und nicht als einzige Basis der Schlagwelle.