Vor dem Hintergrund einer Serie von Drohnenangriffen auf internationale Grenzübergänge im Süden der Ukraine kommentierte der Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation (ZPD), Andrei Kowalenko, in seinem Telegram-Kanal die Schwere und die Ziele der russischen Angriffe. Nach seinen Worten sind die Angriffe auf die Grenzübergänge zu EU-Ländern in erster Linie darauf ausgerichtet, ein bestimmtes „Bild“ für den „inländischen Verbraucher“ – also für das russische Publikum – zu erzeugen, wobei die ZPD zufolge die tatsächlichen Ausmaße der Schäden bewusst übertrieben werden. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine Aussage Kowalenkos.
Erklärung des ZPD: „Bild für den inländischen Verbraucher“
Die Behörde wies darauf hin, dass die russischen Versuche, die Grenzübergänge zu EU-Ländern anzugreifen, zwei Hauptziele im Zusammenhang mit der informationellen Einflussnahme haben. Der zentrale Punkt der Aussage Kowalenkos besteht darin, dass die tatsächlichen Folgen der Angriffe in der Regel nicht dem Bild der Zerstörung entsprechen, das im propagandistischen Feld vermittelt wird. „Alles andere ist Informationslärm“, erklärte der Leiter des ZPD, wandte sich an die Ukrainer und rief dazu auf, den in den Medien aufgeblähten Schätzungen des Schadens keine übermäßige Bedeutung beizumessen.
Chronologie der Angriffe auf die Grenzübergänge
Der Kontext der Erklärung des ZPD ist eine Serie von Angriffen im August und Anfang September 2026. In der Nacht zum 1. September griff Russland nach vorliegenden Angaben den internationalen Grenzübergang für die Fährverbindung „Orlówka“ an der Grenze zu Rumänien mit „Schehaden“ an: Treffer auf das Gebäude und das Gelände des Übergangs wurden festgestellt, die ausgebrochenen Brände wurden von den Rettungskräften eingedämmt. Zuvor, in der Nacht zum 25. August, wurde nach einem Drohnenangriff der Betrieb des internationalen Grenzübergangs „Winohradówka – Vulcănești“ an der ukrainisch-moldauischen Grenze vorübergehend eingestellt. In der Nacht zum 21. August griff die Russische Föderation die Rajone Bolhrad und Ismail in der Oblast Odessa mit unbemannten Flugzeugen an; der Grenzübergang „Tjutschen“ an der Grenze zu Moldau wurde beschädigt, sein Betrieb wurde ebenfalls vorübergehend ausgesetzt.
Operatives Wiederherstellen und „Informationslärm“
Nach Worten des Leiters des ZPD wird die Funktionsfähigkeit der Grenzübergänge nach den russischen Angriffen in der Regel schnell wiederhergestellt, was nach seiner Einschätzung den Narrativ von einer systematischen Zerstörung der südlichen Übergangsstrecken widerlegt. Die Behörde positioniert die Meldungen über umfangreiche Schäden demnach vor allem als Element des informationellen Drucks und nicht als Abbild einer anhaltenden Degradation der Übergangsinfrastruktur.
Widersprüchliche Daten
Hier gibt es zwischen den Seiten eine deutliche Diskrepanz in der Interpretation der Fakten. Einerseits behauptet das ZPD, dass die Schäden übertrieben seien, die Wiederherstellung schnell erfolge und alles andere „Informationslärm“ sei. Andererseits deuten die in offenen Meldungen festgestellten Ereignisse auf reale, wenn auch vorübergehende Störungen hin: In der Nacht zum 25. August wurde der Betrieb des Übergangs „Winohradówka – Vulcănești“ vorübergehend eingestellt, in der Nacht zum 21. August wurde der Betrieb des Übergangs „Tjutschen“ ausgesetzt, und in der Nacht zum 1. September brachen nach Treffern auf der „Orlówka“ Brände aus. Die Tatsache kurzfristiger Stilllegungen und lokaler Schäden wird also bestätigt, während die Bewertung ihres Ausmaßes und der „Operativität“ der Wiederherstellung eine Interpretation des ZPD bleibt und in den vorliegenden Materialien nicht durch ein unabhängiges technisches Audit gestützt wird.
Fazit: Die Aussage Kowalenkos dokumentiert die offizielle Position Kiews auf der Linie der Bekämpfung von Desinformation – den informationellen Effekt der Angriffe auf die südlichen Grenzübergänge zu minimieren. Dabei werden die Angriffe selbst und die damit verbundenen vorübergehenden Einschränkungen im Betrieb der Übergänge durch einzelne Meldungen bestätigt, was das Bild gemischt macht: Reale Vorfälle gibt es, ihre Ausmaße und Folgen bleiben jedoch Gegenstand der Debatte zwischen der Position des ZPD und den Fakten der vorübergehenden Stilllegungen.