In der Nacht zum 28. August 2026 trafen russische Kräfte ein Lagerkomplex in SwjatoPETROWSKE (Oblast Kiew), in dem Titel eines der größten ukrainischen Buchverlage – „A-ba-ba-ga-la-ma-ga“ – gelagert und versendet wurden. Sowohl das Lager als auch ein erheblicher Teil des Buchbestands wurden vernichtet. Der Verlagsleiter Iwan Malkowytsch meldete den Angriff auf seiner Facebook-Seite und betonte, dass dies nicht der erste Fall einer gezielten Zerstörung ihrer Produkte sei.
„Wir haben geschwiegen, aber in dieser Nacht wurde das Lager zerstört“
In seiner Erklärung erinnerte Malkowytsch daran, dass russische Militärs zuvor bereits mehrfach Bücher des Verlags an verschiedenen Orten in Brand gesetzt sowie Fenster und Türen im Hauptlager herausgerissen hatten. „Aber in dieser Nacht wurde das Lager zerstört, von dem aus unsere Titel direkt verschickt wurden“, betonte er. Laut dem Leiter würden dem Verlag in nächster Zeit ernste Probleme mit der Versandabwicklung der Bestellungen drohen, da die Logistikinfrastruktur zerstört sei.
Umfang der Verluste: „apokalyptische“ Bilder
Malkowytsch beschrieb die Folgen des Angriffs als „apokalyptisch“ und verzichtete darauf, Fotos zu veröffentlichen, um die Leser nicht zu schockieren. „Viele unserer kostbaren Bücher im hohen Wert sind verbrannt“, stellte er fest. Das genaue Ausmaß des zerstörten Bestands und die Höhe des materiellen Schadens wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht offengelegt. Das Feuer hatte den gesamten Raum erfasst: Auf von Augenzeugen aufgenommenen Aufnahmen sind Flammenzungen zu sehen, die aus verkohlten Seiten schlagen, sowie schwarze Trümmer, wo noch vor Kurzem versandbereite Bücher lagen.
Auch andere Verlage waren betroffen
Das Lager in SwjatoPETROWSKE diente nicht nur „A-ba-ba-ga-la-ma-ga“. Dort lagerten auch Produkte des Verlags Vivat sowie Waren der Buchhandlungen Readeat und Book.ua. Somit waren durch einen einzigen Angriff die Interessen mehrerer großer Akteure des ukrainischen Buchmarkts betroffen. Readeat hat bereits die Aussetzung des Bestellversands bekannt gegeben: Das Unternehmen benötigt Zeit, um das Schadensausmaß zu bewerten und einen Plan zur Wiederaufnahme der Logistik zu entwickeln. Book.ua veröffentlichte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Stellungnahme.
Widersprüchliche Angaben
In einigen ersten Meldungen und in der ursprünglichen Zusammenfassung findet sich die Formulierung „Schlag auf einen Zug mit Büchern“, was ein Fehler oder ein Tippfehler sein könnte. Alle vier überprüften Quellen (RBC-Ukraine, NV, Ukranews, ua.news) weisen einhellig darauf hin, dass Ziel des Angriffs genau das Lager – eine stationäre Lagerstätte in SwjatoPETROWSKE (Oblast Kiew) – war. Weder in der Erklärung Malkowytschs noch in den Mitteilungen der Verlagspartner ist die Rede von einem Eisenbahnzug oder einem Transportfahrzeug. Die korrekte Version lautet somit: Zerstört wurde ein Lagerkomplex, nicht ein „Zug“ im transporttechnischen Sinne.
Verlage setzen ihre Arbeit fort
Trotz des Verlusts eines zentralen Logistikknopfes erklärte Vivat, seine Tätigkeit nicht einzustellen: Die Offline-Buchhandlungen bleiben geöffnet, und E-Books sowie Hörbücher stehen den Lesern weiterhin zur Verfügung. Auch „A-ba-ba-ga-la-ma-ga“ stellt seine Verlagsarbeit nicht ein, allerdings können die Lieferzeiten physischer Bestellungen angepasst werden. Der Vorfall unterstreicht erneut die Verwundbarkeit der zivilen Infrastruktur, einschließlich der kulturellen, gegenüber militärischen Handlungen und wirft die Frage auf, inwieweit Angriffe gezielt Objekte betreffen, die nichts mit der Rüstungsproduktion zu tun haben.