Das schwedische Verteidigungsunternehmen Saab stellte am 3. November 2026 seine eigenen KI-Agenten vor, die Flugtests auf dem Mehrzweckkampfflugzeug Gripen E erfolgreich absolviert haben. Laut der Pressemitteilung des Unternehmens steuerte der KI-Agent das Flugzeug autonom in Szenarien des Luftkampfs jenseits der Sichtweite (BVR). Dies berichtete RBC-Ukraine unter Berufung auf eine offizielle Erklärung von Saab. Die Vorstellung des Systems markiert einen bedeutenden Schritt bei der Entwicklung autonomer Kampffunktionen für bemannte Plattformen der vierten Generation.
Architektur und Funktionalitaet der KI-Agenten
Die Agenten wurden von der Abteilung Advanced Programs im Geschäftsbereich Aeronautics von Saab entwickelt. Den Entwicklern zufolge kann das System in zwei Modi arbeiten: als Unterstützung für den Piloten direkt im Cockpit des Jägers oder als autonome Komponente, die von einer separaten unbemannten Plattform aus mit Piloten interagiert. Neben den Agenten selbst hat Saab eine vollständige Suite von Umgebungen und Werkzeugen für deren Aufbau, Training und Bewertung geschaffen, was es ermöglicht, KI nicht als einzelnes Produkt, sondern als Teil eines erweiterbaren Ökosystems zu betrachten.
AI Fighter Pilot Academy: Millionen simulierte Stunden
Eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung der Agenten spielt die Infrastruktur der AI Fighter Pilot Academy, in der Systeme in simulierten Luftkampfszenarien trainieren. Laut Saab absolvieren die Agenten dank Millionen simulierter Flugstunden realistische taktische Situationen und entwickeln die Fähigkeit, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Eine Funktion — den Luftkampf jenseits der Sichtweite — hat das Unternehmen bereits unter realen Flugbedingungen verifiziert, was den Übergang vom virtuellen Training zu angewandten Tests bestätigt.
Softwaredefinierte Architektur der Gripen E
Saab betont, dass die softwaredefinierte Architektur des Gripen E-Jägers es ermöglicht, neue KI-Software direkt im einsatzbereiten Flugzeug zu integrieren und zu testen, ohne separate Versuchsplattformen erstellen zu müssen. Peter Nilsson, Leiter von Advanced Programs, erklärte: „Wir haben nicht nur unsere eigenen KI-Agenten geschaffen, sondern sind auch mit ihnen geflogen. Dies demonstriert unsere Fähigkeit, KI-Agenten zu entwickeln, die in operative Jäger integriert werden können. Der zukünftige Luftkampf wird nicht von einzelnen Plattformen entschieden, sondern von Netzwerken interagierender bemannter und unbemannter Systeme.“ Nach Einschätzung des Unternehmens verkürzt dieser Ansatz die Entwicklungszyklen und beschleunigt den Übergang von neuer Technologie zur operativen Einsatzfähigkeit.
Recheninfrastruktur und Skalierung
Zur Skalierung der Entwicklung nutzt Saab die Rechenleistung von Sferical AI, einer schwedischen „souveränen“ KI-Initiative, bei der das Unternehmen Gründungspartner ist. Laut dem schwedischen Fernsehsender SVT spielt der Supercomputer Sferical One in Linköping, der Ende Sommer 2026 in Betrieb genommen wurde, eine wichtige Rolle in diesem Prozess. Saab kündigte an, die Fähigkeiten der Agenten weiterzuentwickeln, sie in mehr Szenarien zu testen und die etablierte Infrastruktur der AI Fighter Pilot Academy auf unbemannte Plattformen sowie künftige gemischte Systeme bemannter und unbemannter Luftfahrt anzuwenden.
Kontext: Von Centaur zu eigenen Agenten
Die Vorstellung der eigenen KI-Agenten durch Saab erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Aktivitäten im Bereich der autonomen Kampfluftfahrt. Bereits im Juni 2025 führte Saab gemeinsam mit dem Unternehmen Helsing die ersten drei Flüge einer Gripen E mit dem von Helsing entwickelten KI-Agenten Centaur durch; das Projekt wurde vollständig von der schwedischen Behörde für Verteidigungsmaterial (FMV) finanziert. Somit dauerte der Übergang von Partnerlösungen zu proprietären Agenten etwa fünfzehn Monate. Auch der ukrainische Kontext verdient Aufmerksamkeit: Am 16. Oktober 2026 erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Treffen mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Brüssel, dass die Ukraine in naher Zukunft mit der Lieferung schwedischer Gripen-Jäger rechne, und Kristersson bestätigte, dass die Flugzeuge einsatzbereit gemacht werden und Piloten trainiert werden. Im Juni 2026 schlossen die Ukraine und Schweden ein Abkommen über den Kauf von Gripen E, was die Frage, welche Versionen der Bordsoftware, einschließlich potenzieller KI-Module, im Rahmen des Vertrags geliefert werden, hochaktuell macht.