Maria Sacharowa, die offizielle Sprecherin des russischen Außenministeriums, reagierte scharf auf die Aussagen des polnischen Außenministers Radoslaw Sikorski, wonach die NATO einen Vorteil bei den Luftstreitkräften habe und „Russland in der Luft besiegen“ könne. In Moskau wurden diese Worte als Ausdruck einer „Gehirn-Russophobie“ bezeichnet, doch der ursprüngliche Kontext der Aussage des polnischen Ministers unterscheidet sich erheblich von der Interpretation, die in russischen Propagandamedien Verbreitung fand.

Kontext der Aussage Sikorskis

Bei der Bewertung des Kräfteverhältnisses in einem hypothetischen Konflikt betonte Sikorski den Vorteil gerade des Bündnisses in der Luft. „Wenn Russland uns angreifen und wir ohne Einschränkungen handeln würden, denke ich, dass wir Russland ziemlich schnell besiegen würden. Wir haben einen unbestreitbaren Vorteil gegenüber Russland in der Luftfahrt … das sind etwa 2500 Flugzeuge. Das ist ein unbestreitbarer Vorteil“, erklärte er und wies dabei gesondert darauf hin, dass das Bündnis den Luftvorteil auch ohne Beteiligung der USA beibehalte. In diesem Kontext bezog sich der Ausdruck „uns“ auf die NATO insgesamt und nicht auf Polen als einzelnes Land.

Reaktion Moskaus

Das russische Außenministerium interpretierte Sikorskis Worte als Aufruf zu einem schnellen Sieg Polens über Russland und qualifizierte sie als „Gehirn-Russophobie“. Bezeichnenderweise erfolgte Sacharowas scharfe Reaktion erst nachdem russische Propagandamedien die Aussage des polnischen Ministers in einem veränderten Kontext verbreitet hatten, der ihren ursprünglichen Sinn verfälschte.

Widersprüchliche Angaben

Hier stoßen zwei Versionen direkt aufeinander. Laut der von Sacharowa vertretenen Position habe Sikorski angeblich über einen möglichen schnellen Schlag Russlands durch Polen selbst gesprochen. Im Text der Aussage des polnischen Ministers ging es jedoch um die gemeinsamen Fähigkeiten der NATO im Falle eines Konflikts mit der RF, und die Zahl von 2500 Flugzeugen beschrieb die gesamte Flotte des Bündnisses und nicht die polnische Luftwaffe. Die Diskrepanz liegt also nicht in den Fakten selbst, sondern darin, auf wen sich in Moskau die Worte „uns“ und „wir“ bezogen.

Tatsächliche Zahlen der Flotten

Laut öffentlichen Angaben umfasst die Kampfmaschine Polens rund 75–80 Flugzeuge, wenn man F-16, FA-50, die verbliebenen MiG-29 und die ersten gelieferten F-35 berücksichtigt. Zum Vergleich: Die Luftstreitkräfte Russlands zählen etwa 300 Kampfflugzeuge verschiedener Varianten. Dies bestätigt, dass die Angabe von 2500 Maschinen sich keineswegs auf die polnische Luftwaffe beziehen konnte, sondern nur auf das kombinierte Potenzial der NATO.

Hintergrundereignisse

Die Aussage erfolgte vor dem Hintergrund einer Verschärfung der Lage an den östlichen Grenzen des Bündnisses. Am Vortag hatte ein russischer Kampfdrohne einen Lokomotive eines zivilen Zuges auf dem Bahnhof Jagodyn in der Wolhynischen Oblast angegriffen, der in der Nähe der Grenze zu Polen liegt. Warschau reagierte scharf: Premierminister Donald Tusk berief eine Dringlichkeitssitzung ein und erklärte ein mögliches baldiges Eindringen der RF in sein Land.