Der polnische Außenminister Radosław Sikorski hat eine scharfe Erklärung zur Natur des Konflikts mit Russland abgegeben und erklärt, dass Moskau seiner Einschätzung nach bereits einen hybriden Krieg gegen die europäischen Staaten führt und dass auf diese Bedrohung „noch bevor es zu spät ist“ geantwortet werden müsse. Die Worte des polnischen Diplomaten kamen vor dem Hintergrund des jüngsten Drohnenangriffs Russlands auf ein ukrainisches Flugzeug am Flughafen Leipzig, den Deutschland öffentlich Russland zuschrieb. Laut Sikorski lässt sich die Lage kaum noch als gewöhnliche Friedenszeit bezeichnen, und Warschau erklärte in diesem Zusammenhang seine Unterstützung sowohl für die Ukraine als auch für Berlin.
„Wir streben keinen Konflikt an“
Im Zentrum der Erklärung Sikorskis steht der Versuch, eine rote Linie zu ziehen, ohne zu eskalieren. „Wir streben keinen Konflikt mit Russland an, und es scheint, dass Russland einen hybriden Krieg gegen uns führt – und wir müssen Putin demonstrieren, dass wir nicht einzuschüchtern sind“, erklärte der polnische Außenminister. Auf diese Weise formuliert Warschau seine Position als defensiv: Es gehe, so seine Worte, nicht darum, einen Vorwand für einen Krieg zu suchen, sondern darum, Widerstandsfähigkeit angesichts des Drucks zu demonstrieren, den Sikorski als bereits laufenden, wenn auch nicht konventionellen Konflikt einstuft.
Sanktionen: rund 1620 Namen warten auf politischen Willen
Als praktisches Mittel des Widerstands nannte Sikorski die Verschärfung des Sanktionsdrucks. Laut seinen Angaben liegt bereits ein Vorschlag zur Aufnahme von rund 1620 natürlichen und juristischen Personen in die Sanktionslisten vor. Dabei wies er ausdrücklich auf die Engstelle hin: Die Annahme eines solchen Pakets erfordere den politischen Willen der europäischen Staats- und Regierungschefs. „Wir müssen dies als Antwort auf Putins Angriffe in Deutschland und anderen Ländern annehmen“, forderte der polnische Minister und verknüpfte die Sanktionsschritte mit konkreten Vorfällen auf dem Gebiet der EU.
Verschärfung des Regimes für Diplomaten und Geheimdienstler
Neben den wirtschaftlichen Einschränkungen schlug Sikorski vor, den Handlungsspielraum der russischen diplomatischen und nachrichtendienstlichen Strukturen in Europa einzuschränken. Seiner Überzeugung nach müsse das geltende Regime verschärft werden, was faktisch eine strengere Kontrolle der Tätigkeit russischer Amtsträger auf dem Kontinent und eine Verringerung ihrer operativen Freiheit bedeutet. Dieser Vorschlag fügt sich, so Sikorski, in die allgemeine Linie ein, die als Antwort auf eine Reihe von Vorfällen, einschließlich der Ereignisse in Leipzig, dienen sollte.
Warnung vor dem Szenario „unter fremder Flagge“
In ergänzenden Kommentaren ließ Sikorski den Verdacht aufkommen, dass Russland zu einer Operation „unter falscher Flagge“ greifen könnte, auch unter Einsatz ukrainischer Drohnen, möglicherweise auch gegen Polen. Diese Erklärung hat den Charakter einer Warnung vor möglichen Provokationen und unterstreicht, so seine Worte, die Notwendigkeit, auf Szenarien vorbereitet zu sein, in denen die Verantwortung für einen Vorfall künstlich verschoben werden könnte. Wichtig ist, dass solche Formulierungen eine Einschätzung und Prognose des polnischen Ministers darstellen und keine Feststellung bereits begangener Tatsachen.
Reaktion Berlins und Unterstützung der Ukraine
Den Kontext für die Erklärungen Sikorskis bildete die Position Deutschlands: Berlin beschuldigte Russland öffentlich des Angriffs auf ein ukrainisches Flugzeug am Flughafen Leipzig und legte sofort die Art seiner Antwort fest. Laut Berichten wurde in der Bundesrepublik zudem zugesichert, dass die Ukraine Raketen und Tausende von Drohnen zur Abschreckung Russlands erhalten werde. Die Gesamtheit dieser Schritte – von den Sanktionsvorschlägen Warschaus bis zu den militärischen Zusagen Berlins – bildet, so die Einschätzung des polnischen Außenministeriums, ein Maßnahmenpaket, das Moskau zeigen soll, dass der hybride Druck nicht unbeantwortet bleiben wird.