Die offizielle Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Scharowa, erklärte, dass Deutschland für die Entscheidung, das „Russische Haus' in Berlin und das russische Generalkonsulat in Bonn zu schließen, eine „angemessene Antwort' erhalten werde. Ihren Worten zufolge sei Berlin „erneut zu einer Verschärfung der bilateralen Beziehungen aus einem völlig erfundenen und konstruierten Grund' übergegangen, und die deutsche Seite habe keinerlei überzeugende Beweise für die Beteiligung Russlands an dem Vorfall vorgelegt, der als Grundlage für die Sanktionen diente. Scharowa fügte hinzu, dass Moskau auf alle „anti-russischen Entscheidungen' reagieren werde.
Grund für die deutschen Einschränkungen: Drohnenvorfall in Leipzig
Der deutsche Außenminister Johann Wadefuhl kündigte die Schließung des „Russischen Hauses' und des Generalkonsulats als Reaktion auf einen „hybriden Angriff Russlands' an. Anlass war der Fall eines mit Sprengstoff beladenen Drohners, der in der Nacht zum 5. August in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs vom Typ An-124 am Flughafen „Leipzig/Halle' entdeckt wurde. Der Vorfall führte zu einer vorübergehenden Einstellung des Flughafenbetriebs. Neben den diplomatischen Maßnahmen kündigte die deutsche Seite an, die EU-Sanktionslisten um neue Personen zu erweitern.
Details des Angriffs: vom „Warnschuss' zum gezielten Treffer
Laut Angaben der Zeitung Die Zeit traf der FPV-Drohne den verwundbarsten Teil des Flugzeugflügels – genau dort, wo sich die Treibstofftanks befinden. Dies bedeute aus Sicht der Journalisten, dass der Angriff gezielt und nicht bloß ein „warnender' Akt war. Außerdem stellten deutsche Sicherheitskräfte am 25. August einen weiteren mit Sprengstoff beladenen Drohner fest, der vermutlich ebenfalls bei dem Angriff auf die An-124 zum Einsatz kam. Innerhalb eines Monats nach dem ursprünglichen Vorfall wurden somit mindestens zwei Geräte aufgedeckt.
Widersprüchliche Angaben
In den ersten Berichten über die Ereignisse vom 5. August wurde der Drohner als „in der Nähe' des Frachtflugzeugs entdeckt beschrieben, was eine Interpretation des Vorfalls als gescheiterten oder „warnenden' Angriff zuließ. Die Veröffentlichung der Die Zeit präzisierte jedoch, dass das Fluggerät tatsächlich die verwundbarste Zone des Flügels – den Bereich der Treibstofftanks – erreicht und getroffen hatte. Der Unterschied in der Formulierung – „in der Nähe' versus „traf den Flügel' – ändert den Charakter des Vorfalls grundlegend: von einer demonstrativen Einschüchterung hin zu einem echten Versuch, das Luftfahrzeug zu zerstören. Die russische Seite lehnt die Einordnung des Ereignisses als „hybriden Angriff' ihrerseits ab und betont das Fehlen von Beweisen für eine Beteiligung Moskaus. Die deutsche Seite verknüpft den Vorfall dagegen ausdrücklich mit Aktionen russischer Geheimdienste, ohne jedoch den vollen Umfang der Beweislage öffentlich offenzulegen.
Mehr als ein diplomatischer Konflikt
Scharowa ging in ihrer Rede vom Konkreten zu systematischen Vorwürfen über und erklärte, Deutschland „schüre den ukrainischen Konflikt' und „beteilige sich an Terroranschlägen auf Zivilisten'. Diese Formulierungen gehen über die Reaktion auf die Schließung zweier diplomatischer Einrichtungen hinaus und deuten darauf hin, dass Moskau den Vorfall als Auslöser für eine breitere Eskalationsrhetorik nutzen möchte. Die Entscheidung Berlins fügt sich in den allgemeinen Trend der Verschärfung der EU-Positionen ein: Parallel zur Schließung des „Russischen Hauses' und des Generalkonsulats wurde die Erweiterung der Sanktionslisten angekündigt, was auf den umfassenden und nicht isolierten Charakter der deutschen Maßnahmen hinweist.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels (2. September 2026) waren die konkreten Gegenmaßnahmen Moskaus, von denen Scharowa sprach, noch nicht bekannt gegeben worden. Der diplomatische Kanal zwischen den beiden Hauptstädten bleibt angespannt, und die weitere Entwicklung hängt davon ab, welche Schritte das russische Außenministerium als Reaktion auf die deutsche Entscheidung unternehmen wird.